Der Marktplatz
#41

Mizara d'Gni

Heilerin
Mensch
Zurück Weiter


Mizara staunte nicht schlecht, als sie hinten am Karren nach verlorenen Gefäßen schaute und ihr ihr Bollerwagen plötzlich aus der Hand gerissen wurde, und ohne sie weiter fuhr. Im ersten Moment wollte sie um Hilfe schreien, da sie dachte, die unbekannte Zwergin würde ihren Wagen klauen wollen. Aber sie verstand noch rechtzeitig, dass diese Mori ihr nur helfen wollte. Die junge Frau rollte nur mit den Augen, das war mal wieder typisch Zwerg: Knurrig, ungehobelt und von Höflichkeit keine Spur, aber das Herz am rechten Fleck. Da standen die weiblichen Zwerge ihren Männer in nichts nach, zumindest Mizaras Erfahrung nach. Aber mit ihnen darüber zu diskutieren brachte nichts, man musste dieses putzige Völkchen nehmen, wie es war. Also sprang die junge Heilerin auf und lief der Zwergin hinterher.

„Danke für deine Hilfe, das ist sehr nett von dir. Aber geh' bitte etwas langsamer, dort, sind Tongefäße drauf, die zerspringen mir, wenn sie herunterfallen.“ Was bei ihrem momentanen Kassenstand wirklich nicht sein musste! „Unsere Praxis ist im Ostviertel, da musst du da vorne an der Brücke links abbiegen, direkt hinter dem großen Baum!“, wies sie Mori den Weg. Währenddessen dachte sie darüber nach, was die Fremde gesagt hatte: „Ja, ‘Baumproblem’ trifft es ganz gut, vor wenigen Tagen war der Marktplatz noch so, wie man es von einem Markt erwarten würde: ein großer, freier Platz, auf dem die Händler ihre Wagen mit Gütern abstellen und anbieten konnten. Ich weiß auch nicht, woher die ganzen Tannen kommen, wahrscheinlich ein Scherz von einem Schüler aus der Magierschule, die machen manchmal so einen Quatsch und finden das im Gegensatz zu den übrigen Bürgern meist unheimlich komisch. Ich hoffe, die sind bald wieder weg, so kommt ja kein Kaufmann auf den Markt und man kann gar nichts kaufen!“

Die Heilerin begutachtete ihre Begleiterin: „Was soll ich mir denn ansehen? Du machst eigentlich einen sehr gesunden Eindruck und Verletzungen kann ich auch keine entdecken.“

Misstrauisch beäugte sie die Ladung auf ihrem Wagen, die sich erschreckend stark bewegte. So wirklich langsamer war Mori nicht geworden und Mizara hatte Angst um ihre Einkäufe. Als sie einen Krug gerade noch vor dem Herunterfallen retten konnte, bat sie: „Geht es nicht noch etwas langsamer? Wir sind auch gleich da, hier ist ja schon das Ostviertel! Jetzt nur noch um die Ecke da vorne und wir sind am Ziel.“
Antworten
#42

Nchulmoria Dursegan

Kriegerin
Zwergin
Zurück Weiter



Die Tongefäße kippelten bedrohlich, als Mori abrupt stehen blieb. Sie spähte an den Bäumen vorbei und entdeckte tatsächlich eine Brücke. Genau diese musste die Menschenfrau meinen... Und damit setzte sich das Zwergenfräulein wieder in Bewegung. 
„Keine Ursache!“, tat sie den Dank ab, als würde sie tatsächlich annehmen, dass sich Mizara über die ungefragte Hilfe freute, die ihr kostbares Gut in eine so heikle Lage brachte. „Ein Scherz der Magierschüler also, hm?“, murmelte sie nachdenklich. Sie hatte seit dem Anbruch ihrer Reise schon häufig feststellen müssen, dass die Oberflächenmagier so ganz anders arbeiteten, als ihre zwergischen „Magier“. Jedenfalls war Mori noch keinem Zwerg begegnet, der mit Feuerbällen um sich warf, wie dieser eine irre gewordene Magus, der ihrem Auftraggeber ans Leder gewollt hatte. Feuerbälle. Das musste man sich mal vorstellen! So etwas spuckten doch normalerweise nur Drachen aus! Ha! Da konnte die Aroner Bevölkerung wohl froh über ein paar Bäume sein. 
„Wenigstens kann man Bäume wieder fällen. Passiert sowas öfter?“

„Oh. Ich fühle mich großartig.“, antwortete sie und verlangsamte ihren Schritt. Der Heilerin ging es wohl zu schnell - wozu hatte sie denn ihre langen Beine? Und dann die Krüge als Ausrede vorschieben, jaja... 
„Aber so ein verfluchtes Goblinweib hat mir vor einigen Wochen ihren Knüppel über die Schulter gebraten und seitdem habe ich da eine Schramme, die einfach nicht weggehen will.“ Was der Warheit entsprach. Es war nicht einmal ein besonders kräftiger Schlag gewesen - und immerhin war Moris Schulter eingepackt unter einem dicken Fell, ihrem Kettenhemd und ihrer Kleidung, also... War es schon seltsam. Seltsam genug, um eine Zwergin skeptisch werden zu lassen.
Antworten
#43

Mizara d'Gni

Heilerin
Mensch
Zurück Weiter


Je länger sie unterwegs waren, desto mehr Angst hatte die Heilerin um ihre frisch erworbenen Gefäße. Mehrfach sprang sie schnell zum Wagen, um einen vermeintlich fallenden Tontopf zu retten. „Diese Zwergin schafft meine Nerven mit ihrem Fahrstil! Ich werde mir wohl gleich einen Beruhigungstee machen müssen!“, dachte die Rothaarige um sich kurz darauf daran zu erinnern, dass die entsprechenden Kräuter erst gesammelt und in diese Töpfe gefüllt werden wollten - wenn diese Töpfe jemals in einem Stück in ihrer Praxis ankämen!

„Naja, mit den Magiern ist das so eine Sache“, versuchte sie die Frage der Zwergin zu beantworten, „du hast vielleicht schon von der berühmten Magierschule in Aron gehört, oder? Das ist der große Turm, den man fast von überall in der Stadt sehen kann.“ Sie blickte sich um und wies dann in die Richtung, in der man einen mächtigen Turm über die Dächer ragen sah. „Schau, da ist er! Naturgemäß sind in einer Magierschule ziemlich viele Magier. Die jüngeren, die noch in der Ausbildung sind, erlauben sich manchmal einige Späße, unter denen dann die anderen Bürger leiden müssen. Die älteren Magier sind meistens ziemlich ernst und in ihre magischen Experimente vertieft, die machen eher keine Späße, aber manchmal geht bei deren Beschwörungen auch mal etwas schief, deswegen müssen die gefährlicheren Versuche außerhalb der Stadt gemacht werden. Klingt jetzt wahrscheinlich ziemlich schlimm, aber praktisch passiert eigentlich sehr selten etwas. Aber mit diesem Wäldchen mitten auf dem Markt ist das doch reichlich sonderbar.“ Mizara würde mal schauen, ob vielleicht einer ihrer Patienten in den nächsten Tagen berichten könnte, was da genau passiert ist und wer das war.

Als sie im zügigen Tempo in die Straße, die ins Ostviertel abbogen, konnte sie gerade noch einen Topf retten. Den Göttern sei Dank waren sie gleich da!

(weiter auf den Straßen des Ostviertels)
Antworten
#44

Mèowýn

Waldläuferin
Mensch
Zurück Weiter


Wie ein treuer Hund trabte Feoglin zuerst noch hinter den beiden her, dann fand er einen guten Vordergarten und war dann doch leicht abgelenkt. Mèowýn schalt ihn nicht. Stattdessen wunderte sie sich ein wenig darüber, dass sie Taur auf dem Dach noch zwitschern und miauen gehört hatte, hier aber neben ihrem treuen Begleiter die Auseinandersetzung ganz klar verfolgen konnte. Das Wiehern wurde zu Wörtern und die Wörter zu Sinn.
“Mach's gut, mein Großer“, sagte sie grinsend und strich ihm über den Kopf, neckte ihn kurz und verschwand dann auch flink hinter dem dunklen Schatten, der sich guter Dinge im Schutz der Dunkelheit durch die Häuser drücken konnte.
Als der Elf dann aber stehen blieb, verwundert und verwirrt zugleich, da roch die Dunkelhäutige es noch eindringlicher, als ihre Augen die Silhouetten von übergroßen Tannen mitten in der Stadt wahrnehmen könnten. Es roch nach Harz, nach Grün, nach Freiheit und guter Luft. Es roch nach den schattigen Wäldern, die sich auf ihrem Irrweg durchkämmt hatte. Und es roch nach Heimat, auch wenn der Wald zuhause nun doch anders roch.
Wie im Feenreich, sagte Taur dann. „Oder wie zuhause“, sagte Mèowýn genauso verträumt.
Im Gegensatz zu ihm schwang sie sich nicht sogleich auf die Bäume. Stattdessen fuhr sie ebenso verträumt über die Rinde und verfolgte den Flug der Feen durch die Wipfel. Schließlich beeilte sie sich doch diesem Wunderwerk ebenfalls auf die Spur zu kommen: „Eine gute Verbesserung“, stimmte sie lachend zu: „Wer auch immer hier seine Finger im Spiel hatte....“ Sie stutzte kurz: „Die Baumschwester möglicher Weise?“. Ihr war es zuzutrauen, dass sie nur als Zeichen ihrer Macht langsam die Stadt wieder begrünen würde – solange, bis es nur noch die Elfen hier aushalten könnten, wenn die Häuser von Ästen, Zweigen und Baumstämmen durchbohrt würden.
Doch dieser kleine Hain hatte nichts weiter als einen alten Marktstand empor gehoben. Vielleicht also nur eine Warnung?

„Hast du etwas gefunden?“, fragte Mèowýn und kletterte ebenfalls empor. Die bunte Kiste in Taurs Händen beantwortete ihre Frage und als er den Gegenstand langsam öffnete, sah sie... etwas kunstvolles. Das war bestimmt wertvoll mit all den Schnitzereien und dem Metall, das der Holzkörper eigentlich verbergen sollte. Das Mädchen griff nach der zweiten kleinen Schachtel und da sie nicht die Rufe hörten, bemerkte sie nur, wie ihr Freund erstarrte und sich umblickte. Als er sich erklärte, schüttelte sie leicht den Kopf. Noch war das Licht gerade hell genug für sie, dass sie den Pflasterboden erkennen konnte und dass sie auch die Gegend ein wenig wiedererkannte. Als er von den Wachsoldaten sprach, ließ sie das kleine Ding in eine Seitentasche ihres ausgedienten Kleides wandern und kletterte ein wenig tiefer in die Tanne hinein, dorthin, wo die Zweige noch die Sicht auf sie verstecken würden: „Kommen die Soldaten hierher?“, fragte sie nach und warf einen Blick auf den leeren Platz. Die Tannen waren jung und biegsam. Wenn sie auf ihnen fliehen mussten, so würden sie taumeln und hin und her schwanken.
Mèowýn hoffte wirklich, dass die Soldaten die beiden einfach nicht bemerkten würden – oder überhaupt nicht hierher kamen.
Antworten
#45

Taur

Druidenlehrling
Dunkelelf
Zurück Weiter


„Ich glaube nicht.“ Taur hörte auf die seltsam leiernden Klänge der eigentümlichen Tannen. Stille Wacht, heimlige Wacht... klang ihm ein altes Zwergenlied dazu im Ohr. Dahinter glaubte er gedämpftes Gegröle von Menschen zu hören, die mehr Bier getrunken hatten als gut für sie war, und lautstark den zugewachsenen Platz der minderen Qualität des im ‘Drachen’ ausgeschenkten Gebräus verantworteten. „Nicht wie zu Hause. Die Tannen sind eindeutig merkwürdig.“ sagte er bestimmt, konnte aber nicht so recht festmachen, woher er die Gewissheit nahm. Vor allem, weil Bäume normalerweise nicht über Nacht auf festgetretenem Lehm erscheinen sollten. Er strich nochmal über die raue Borke der Tanne. Aber ja! „Ich glaube ich könnte das auch. Mit ein bisschen Übung noch dazu, damit es richtig wird und nicht so verdreht wie...“ der Eierbaum. „Also mit etwas Übung auf jeden Fall vorher...“

Vorsichtig drückte Taur an der kleinen Kiste herum. Nachdem die schmalen, dunklen Finger eine kleine Erhebung an der Seite des Kistchens überstrichen hatten, sprang der Deckel auf und gab den Blick frei auf ein kleines Paar Einhörner, die aus hauchzart geblasenem Glas bestanden und sich ruckartig umeinander drehten, während eine liebliche Melodie aus dem inneren des Kästchens klimperte. Fast hätte Taur vor Schreck das kostbare Kleinod fallen gelassen. Er fing sich rechtzeitig, schloss hastig den Deckel und presste das Kistchen fest an sich um die Klänge zu dämpfen. Als der Deckel allerdings klickend einrastete, verstummte die geklimperte Musik sofort.Verschreckt blickte der junge Elf sich um und schaute dann erstaunt nochmal das seltsame Kleinod aus dem verschnürten Paket an.Es war eigentlich heillos kitschig, aber die Blattornamente, die sorgfältig und filigran aus dem Holz geschnitzt waren und die innen aufgemalte Szenerie einer märchenhaften Waldlichtung.hatten auf eine merkwürdige Art die Sinne des jungen Elfen angesprochen. Taur schaute hilflos zu Mèowýn hinüber und man konnte in seinem Gesicht sehen, wie verträumte Hingerissenheit und jungenhafte Abscheu vor gefühlsduseligem Tand miteinander fochten.

Er räusperte sich. „Die haben nichts gehört,... glaube ich.“ Skeptisch schaute er nochmals zum Gasthof hinüber, den man gerade noch so durch die dichten Nadeläste erahnen konnte. Wie Mèowým drückte er sich Schutz suchend in das Geäst des Baumes. Leise knackend wiegten sich die knorrigen Äste wie in einer leichten Brise, streckten sich und verwoben sich mit den Ästen der umstehenden Bäume. Wie eine Glucke, die beschützend ihre wärmenden Flügel über ihre Küken breitet legten sich die verwebten, nadelbewerten Äste über die beiden.

Taur bekam davon wenig mit.Er grinste nur schelmisch und beugte sich zu ihr herüber. „Was ist denn in deiner Buntkiste drin? Mach doch mal auf!“
Antworten
#46

Mèowýn

Waldläuferin
Mensch
Zurück Weiter


Abgesehen davon, dass die Tannen nicht sein sollten, kam Mèowýn nichts an ihnen verdreht oder merkwürdig vor. Sie wirkten solide, rochen nach Harz und Heimat und standen nur zufälliger Weise mitten in der Stadt. Ihre Finger strichen wie, um sich noch einmal zu vergewissern, über die Borke, dann sprangen ihre Augen in Unglauben auf: „Du kannst das auch?“, fragte sie nach, ein wenig zu laut und ein wenig zu schrill. Sie kannte den Eierbaum kaum. Taur hatte nur in wenigen Sätzen von seiner Entstehung erzählt, sie selbst war zu der Zeit noch bei den Feen. Außerdem sprach ihr Freund nicht allzugerne über dieses Missgeschick.
„Die alten Elfen konnten das auch“, sagte sie leise, fast zögerlich: „Aber sie taten es nur sehr selten. Wenn ein Baum krank war, dann halfen sie – und wenn sie Häuser bauten, so lenkten sie ein wenig das Wachstum der mächtigen Stämme, damit eine Plattform auf ihnen Halt finden konnte...“ Mèowýn zögerte. Sie konnte dem Dunkelelfen gerade nicht in die Augen sehen, er war ein wenig über ihr: „Aber sie benutzten ihre Fähigkeit nur sehr selten. Irgendwann, wenn ich älter geworden bin, wollten sie mir erklären, wieso...“
Ihre Stimme brach ab.
Als Taur das Kästchen öffnete, war sie aus einem völlig anderem Grund verstummt. Mit riesigen Augen beobachtete sie die kleine Szene von Figuren, die sich im Kreise drehten und ohne Instrumente diese wundervolle Musik darboten. In dem Halbdunklen war vielleicht nicht alles so gut auszumachen, aber auch Mèowýn wurde bewusst, dass ihr Freund etwas in den Händen hielt, das eines Königs würdig war.
Umso mehr wollte sie ihr eigenes Päckchen öffnen. Es war schmaler, aber länglicher als das von Taur. Kaum hatte sie vorsichtig die Schachtel geöffnet, hätte sie vor Schreck fast die Kostbarkeit fallen gelassen. Es blitzte und blinkte unaufhörlich und erst, als das Mädchen es an seinem Griff herauszog, bemerkte sie, dass es sich um einen Spiegel handelte.
Sie hatte noch nie in ihrem gesamten Leben eins gesehen. Ihr Spiegelbild kannte sie aus überfluteten Brunnen, Flussläufen und manchmal in dem Glas der Läden hier in Aron. Spiegel selbst waren so wertvoll – und bei den Elfen so wertlos -, dass sie sich selbst noch nie gesehen hatte. Nur manchmal durch die Augen Feoglins oder den Erinnerungen Taurs.
Kritisch beäugte sie in dem schalen Licht ihre gepflegten, wilden Haare und ihre strahlenden Augen. Dann reichte sie, fast vorsichtig, das Geschenk weiter an Taur: „Du kannst dich bestimmt besser erkennen“, sagte sie leise.
Wieder spähte ihr Blick aus den Tannen hervor: „Ob das hier eine Überraschung für den Herzog werden soll? Mit all den königlichen Geschenken?“
Sie grinste leicht: „Dem wird es bestimmt nichts ausmachen, wenn zwei fehlen würden.“
Noch ein letztes Mal lauschte sie, um nach der Stadtwache zu horchen, dann schlug sie vor, den Weg hinauf in die Gipfel noch einmal zu nehmen und sich einen Plan zu überlegen, wo sie zuerst nach den benötigten Dingen für die Geburtstagsfeier suchen sollten.
Antworten
#47

Taur

Druidenlehrling
Dunkelelf
Zurück Weiter


»Die Elfen hätten Dir dann wahrscheinlich auch nicht endenwollende Vorträge über Gleichgewicht hier und Gleichgewicht da erzählt.« Taur verdrehte die großen violetten Augen nach oben. »Der Alte Mann konnte sich Stunden darin ergehen.« Er zuckte mit den Schultern. »Das hab ich mir jedenfalls von Meisterin Eriana abgeguckt. Man muss nur ein bisschen das Wachsen nachdrücken. Aber...« Taur lächelte verlegen und seine Wangen wurden eine Spur dunkler. »Das ganze wird dann wie glitschige Seife mit vielen Füssen dran, die überall hin wollen. Dass die Pflanze dann so wird, wie sie sein sollte, ist sehr schwierig. Oder aufhören... Wahrscheinlich ist sowas auch hier passiert.« Taur seufzte tief. »Das scheint so ein Grundproblem an diesem Zauberzeug zu sein. Hervorrufen ist einfach, das Steuern wird immer recht kniffelig.« Verdattert schaute er auf die verdrehten und verwobenen Tannenzweige, die sie inzwischen wie in einem Kokon fest umschlossen. »Wie? Ich hab doch gesagt, die Tannen sind seltsam.«

Taur blickte in das seltsam schimmernde Ding in Mèowýns Hand, das sie aus ihrem Päckchen hervorgeholt hatte. »Das bin ich! Wie bei einer Klinge oder festem Mamor.« Er tastete mit seinen schmalen Fingern über seine Backen, während er Grimassen schnitt und die Reflexionen bestaunte. Dann drehte er den Kopf und begutachtete die Tannen und ihr Bild im Spiegel. »Da stimmt was nicht! Die Farben sind falsch.«[/color] Das Bild, was die glatte Fläche des Spiegels zeigte, schien dem Elfen eigenartig trüb und farblos. »Es wird Dir überhaupt nicht gerecht. Das bezaubernde Schimmern und Strahlen fehlt.«

»Ach der Herzog hat bestimmt schon genug. Bestimmt wie die Baumschwester, deren zahllose Geschenke auch unter den Wurzeln verrotten. Das war beim Clankönig auch so. Jahrelang schleifen und werkeln die Meister, bis so ein Stein ordentlich funkelt, und dann wird er hinter einer massigen Steintür eingesargt, wo ihn niemand mehr sehen kann. Irrsinn...«

Taur begutachtete nochmal die feinen Schnitzereien auf seinem kleinen Musikkistchen, bevor er es behutsam in seiner Gürteltasche verstaute. Wie seine Prinzessin vorgeschlagen hatte, erklommen sie die oberen Äste der Tanne, um einen Überblick über die Umgebung zu bekommen. Die Nadeln sahen spitz und picksig aus, aber sie drehten sich unter Taurs Griff zur Seite und renkten sich hilfsbereit, wenn sein Fuß Stand auf den kräftigen Ästen suchte.
»Da sind noch mehr bunt verpackte Pakete.« Taur hatte das starke Gefühl, dass zwergische Habgier hier in diesem Zauberwald stark deplaziert wäre. »Vielleicht sollten wir die aber besser anderen Vorbeikommenden überlassen. Wir müssen ja noch das Zeug für deine Feier tragen. Mal sehen. Hier in der Nähe gibt es noch den kleinen Lagerraum mit den Wunderdingen. Da war ich kurz bevor ich über Feoglin gestolpert war. Ouhh... da war es recht gruselig, da sollten wir vielleicht nicht hin. Dort vorne gibt es noch einen Lagerraum wo ein Bäcker überschüssiges abstellt und dort hinten bei Meister Böcks Schneiderei ist ein Lager, wo er immer überflüssige Stoffstreifen reintut.« Taur kicherte leise. »Der alte Meister ist immer recht grantig zu seinen Lehrlingen. Die hatten dann mal einen Nachmittag Pause, als sich ihr strenger Herr in dem Stofflager verstrickt hatte. Die alten Regale standen aber auch wackelig.« Taur grinste verschlagen. »Die lockeren Wandbretter in der angrenzenden Gasse müssten sich noch immer leicht lösen lassen.«

Taur blickte nochmals über die Wand aus verwobenen Tannenzweigen vor ihm. »Aber erstmal wieder hier rauskommen.« Dem jungen Elf behagte es irgendwie nicht, die jungen Triebe zu zerbrechen. Wenn seine oder Mèowýns Hände überhaupt kräftig genug dazu sein sollten. Junge Äste konnten zäh wie Leder sein. Verblüfft beobachtete er, wie sich die Äste entknoteten und vor ihm knarzend zurückwichen, als er mit der Hand prüfend dagegen streichen wollte. »Also ich finde, dieser Wald ist nicht normal. Da kannst Du sagen was Du willst, Mèowýn.« Argwöhnisch beobachtete er die Zweige, die vor ihm einladend den Weg freigaben, während er zögerlich den Arm streckte um die Richtung zu zeigen. »Die Gasse ist jedenfalls da hinten, zwischen den zwei Häusern.« Er deutete auf einen knapp ellenbreiten Spalt zwischen zwei Gebäuden am südlichen Rand des Marktplatzes.
Antworten
#48

Mèowýn

Waldläuferin
Mensch
Zurück


Mèowýn kicherte leise. Natürlich würden die Elfen über das Gleichgewicht reden: „Es ist eine unauslöschliche Wahrheit, dass alles was wir sehen und erleben in einem komplexen Zusammenhang mit dem Wohlergehen der Natur, der Lebensader unserer Welt steht“, intonierte sie langsam und getragen die Lektionen ihrer Lehrmeister: „Wer kann schon wissen, ob die Nüsse, die wir nehmen, nicht der Eichhörnchen letzte Nahrung war. Jedes Handeln bringt Konsequenzen und nur, wenn uns diese weitestgehend bewusst sind, darf ein Schritt getan werden.“ Das Mädchen kicherte noch einmal, dann besann sie sich und wurde eine Spur ernster: „Eigentlich hatten sie immer Recht“, gestand sie den alten Elfen zu: „Irgendwie ist immer alles miteinander verbunden. Und wer mit Macht spielt, der kann ganz schön viel Unheil anrichten.“
Sie dachte da vor allem an ihre Geistesmagie mit der sie ungefragten Zugriff auf Gedanken hatte, die sie nun wirklich nichts angingen. Oder an Taurs Gabe und Fluch zugleich, die Gefühle und Empfindlichkeiten aller Lebewesen um ihn herum wahrzunehmen. Wäre er auch nur halb so schrecklich, wie seine Verwandten dargestellt wurden... Mèowýn unterbrach den Gedanken. Taur war überhaupt nicht so und hatte gleichzeitig eingestanden, dass es schwer war und er noch lernen musste. Gleichgewichtstechnisch musste das wohl reichen.

Sein Kompliment verfehlte sein Ziel jedoch nicht, als er ihr Abbild im Spiegel bestaunte. Eine tiefe Röte zeigte sich wieder und ihre Grübchen waren wieder einmal zu sehen, als sie sein so bewundertes Lächeln aufsetzte: „Sei froh, dass du Farben sehen kannst“, scherzte sie ein wenig verlegen: „Ich erkenne nur Grau und Grau...“ Sie stoppte sich kurz: „Und deine Augen“, flüsterte sie. Unübersehbar funkelten sie wie kostbare Edelsteine Violett in dem Halbdunkeln. Es war so vertraut und schön, dass sie ein wenig versonnen ihn betrachtete, bis sie wohl beide gleichzeitig darinnen übereinstimmten, dass niemand diese Geschenke wirklich dringend brauchte. Mèowýn untersuchte die Schachtel noch einmal kurz, um zu überprüfen, ob vielleicht eine Nachricht hinterlassen wurde, fand aber nichts. Vielleicht konnte der Herzog nicht lesen.

Taurs Erklärungen folgend stieg auch sie von dem Baum herunter. Sie hatte dabei aber deutlich mehr Schwierigkeiten als er, machten die Äste ihm doch Platz und schufen für ihn den besten Weg hinunter. Sie selbst musste immer damit rechnen, dass die Zweige sicher wieder zurückbogen, wenn sie gerade einen Fuß auf sie setzen wollten: „Ein ganz normaler Wald“, hielt sie ihm dagegen, kicherte aber nur insgeheim. Sie fand den Zeitpunkt immer noch nicht für gekommen, ihm zu erklären, dass die Pflanzen sich so verhielten seit er Druidenlerhling war. Vielleicht musste Taur das selbst herausfinden und ihre Entscheidung war weise, vielleicht genoss sie in eihem egoistischen Winkel ihres Herzens auch einfach seine Überraschung.

„Lass uns zuerst die Tücher holen“, bestimmte sie: „Nicht, dass die Tiere, die du uns gerufen hast, die Kostbarkeiten zerstören.“ So wie Taur klang waren die Dinge, die sie holten, sowieso nicht mehr gebraucht. Es war also nicht wirklich stehlen sondern lediglich.... woanders hinbringen. Es brauchte ja niemand. Flink huschten die beiden über den Marktplatz. Aus der Ferne hörten sie noch immer die überraschten Soldaten, die dem Hain anscheinend auch eher skeptisch gegenüberstanden. Doch die beiden bemerkte niemand, wie sie so ungewohnt viel auf dem Boden liefen, immer darauf bedacht, niemandem zu begegnen. Trotz Taurs unbeschreiblich gutem Orientierungssinn folgte sie ihm, als wüsste er ganz genau, wohin sie gingen. Und als sie am Lattenzaun waren, waren tatsächlich die beiden Latten offen, wie Taur es beschrieben hatte. Nach ihm schlich sie sich in den Hinterhof.
Antworten
#49

Taur

Druidenlehrling
Dunkelelf
Zurück


»Ach wenn man ständig nur Folgen im Kopf wälzt, kommt man doch nie zu etwas.« brummelte der junge Elf, als er an den losen Brettern nestelte. »Starr keine Stollen in die Luft, sondern mach’ hin, hatte die alte Zwergin mich immer angetrieben. Die war weniger für Gleichgewicht sondern eher für Resultate zu haben.«  Mit einem diebischen Grinsen schob er die gelösten Bretter beiseite und huschte in den Innenhof der Schneiderei.

Die Bretter gaben den Weg in einen kleinen offenen Verschlag frei, der sich zu einem engen Innenhof öffnete. gedrungene Fachwerkhäuser begrenzten den kleinen offenen Platz. Zwei hölzerne Türen in vom Wetter abblätternden Farben führten in das südliche und östlich gelegene Haus. Ein grob gezimmerter Schuppen nahm nördliche Seite des Hofes ein. Neben dem kleinen Verschlag aus denen die beiden Halbwüchsigen traten stand eine schmale Holzhütte, deren Tür mit einem niedlichen Herz verziert war, aber aus der es unangenehm nach Fäkalien stank.

Ein alter Labrador mit schmutzig braunen Fell, dass eine stattliche Anzahl grauer Strähnen zierte, döste in der Mitte des kleinen Hofes. Als der Duft nach Wald, Scheu und Aufregung aus westlicher Richtung an seine Nase vorbei strich, hob er träge den Kopf und blickte in die Richtung der Beiden und schnupperte.

»Ach Du bist es,« knurrte er und legte den Kopf wieder hin. »Und wer ist das Weibchen?« Taur schlich zu dem Hund hin und kraulte ihm den Nacken. »Das ist Mèowýn, sie begleitet mich.« winselte der Dunkle. »Wie geht es Dir?« Der alte Hund drehte den Kopf zu dem schwarzhaarigen Mädchen und schnüffelte. »Sie riecht nett,« bemerkte er nur, womit für ihn wohl alles dazu gesagt war. »Ach, die Hüfte zieht und die Welpen des Schneiders nerven. Aber sonst geht’s,« knurrte der Labrador. »Du hast Hirsch gejagt,« bemerkte er noch, als er die schwarzen schmalen Finger freundlich leckte. »Nur ...ähm... aufbereitet. Ein bisschen hab ich noch.« erwiderte knurrend der dunkle Elf, kramte in seiner Gürteltasche und hielt dem alten Hund einen Rest Hirschwurst hin. Der kaute vorsichtig darauf rum. Die alten Zähne arbeiteten wohl nicht mehr so gut. Taur erhob sich, winkte Mèowýn einladend ihm zu folgen und lenkte seine Schritte zum Schuppen. »Mach nichts kaputt, sonst muss ich Euch beißen,« knurrte der Wachhund ihnen hinterher.

»Jaja,« brummelte Taur und nestelte an der Tür des Schuppens. Das Schloss war nicht kompliziert, aber vom Regen eingerostet und daher schwergängig. »Hammer- und Stollenbruch; endlich!« fluchte Taur, als nach der dritten abgebrochenen Gräte das Schloss endlich knirschend nachgab. Vorsichtig schob er den schmiedeeisernen Riegel beiseite und drückte langsam die Tür auf, die dabei für seine Ohren viel zu laut knarzte.

Ein Geruch nach Leinen, Öltuch, Mottenpulver und Wolle, sowie samtene Dunkelheit umfing die beiden Eintretenden. Große zusammengeschnürte Ballen stapelten sich auf grob gezimmerten Regalen, die dicht an dicht den Schuppen ausfüllten. Taur legte sacht das aufgezwungene Schloss auf das Regal neben ihm und ging tiefer in den Lagerraum hinein. Kurz darauf erschien er mit einer Rattenfalle, die er an der halb angelehnten Tür abstellte und die kleine Klappe öffnete. »Los verschwinde und such Dir wo anders etwas zu essen,« piepste er aufmunternd. Eine kleine abgemagerte Ratte huschte heraus und verschwand flink über dem Hof. Achtlos stellte Taur die Falle neben das abgelegte Schloss.

Mit einem Mal zuckte Taur herum. Er packte das Mädchen und drückte sie weiter in die Dunkelheit, während er die Tür zudrückte. Sie spürte wie er sie mit festem Griff weiter hinter die mit Ballen beladenen Regale schob. »Sch« zischte er tonlos. Nur die glimmenden Nachtaktiven Augen des Jungen schwebten in der Finsternis. Zunächst hatte er nur die Unruhe des Hundes gespürt. Nun konnten die beiden dumpf hören, wie eine Tür aufgestoßen wurde und eine knarrende Männerstimme derb fluchte, als eine Ratte ihm über dir Füße huschte. »Zandurs Furunkel! Verdammte Mistviecher!« Eine paar schwere schlurfende Schritte wanderten über den Hof. »Na Hektor. Kann’st auch nich’ schlafen? Da hättest Du wenigstens das Viech packen können.« Die Schritte schlurften weiter. Eine andere Tür wurde geöffnet und mit einem wohligen Seufzen lies sich der Mann auf einen Sitzbalken nieder, der knarrend ob des Gewichtes protestierte. Bald wechselten sich angestrengtes Schnaufen und erleichtertes Stöhnen ab. Taur konnte sich es nicht verkneifen, das eine kleine Sichel albernes Grinsen in der Dunkelheit aufblitzte. »Da können wir uns erstmal ungestört umsehen.« flüsterte er ihr ins Ohr.
Antworten


Gehe zu: