Küstengewässer Ymirs und Maraskas
#11

Fenris, Sohn des Bjarn

Zwielichtiger Händler
Mensch
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Die Männer hatten klare Anweisungen was Sie zu tun hatten, falls Rämna erwischt werden sollte. Zwar hatte niemand an Ihren Fähigkeiten gezweifelt doch wie es immer war, sollte man das Schlimmste befürchten und das Beste hoffen. Und so war trotz aller Hoffnungen niemand unvorbereitet, als ein schauriges Geräusch gefolgt von Kampfeslärm die Stille der Nacht durchbrach.
Obwohl es für das ungeübte Auge nicht sichtbar war, so hatte jeder der Seemänner seine Waffe griffbereit. Sei es zwischen den Tauen versteckt, unter der Kleidung oder gar im Bart verborgen lagen Messer bereit. Selbst Äxte und Knüppel waren in Sekundenschnelle erreichbar verstaut worden.
Man konnte die Anspannung der Männer regelrecht spüren, als der Kampfeslärm verebbte und nach wenigen Minuten, welche sich mehr anfühlten als wären es Stunden eine kleine Gruppe am Hafen erschien.
Es wirkte so als hätte einer von Ihnen einen Stoffsack über die Schulter hängen. Doch Fenris erkannte sofort was dort so leblos über seine Schulter hing.

"Rämna... verdammt." brach es aus einem seiner Männer heraus. "Wir müssen etwas unternehmen." flüsterte ein Anderer, ehe der Alte Sie mit einer Geste zum Schweigen brachte. Das Letzte was Sie nun gebrauchen konnten, war ein unüberlegter Angriff der Sie alle das Leben kosten könnte.
Am Hafen waren Sie einigermaßen sicher, da der marode Steg keinen direkten Kampf zulies. Aber gleichzeitig konnten auch Sie nichts tun.

Nun trat der Dorfälteste aus der Menschentraube hervor und rief zur Seewolf hinüber.

"Wir haben Eure Diebin gefasst, elende Barbaren."

"Wovon sprecht Ihr? Meine Mannschaft ist vollzählig. Das Einzige was Ihr habt ist ein Katzenwesen." erwiderte Fenris und jedes seiner Worte brannte wie Feuer auf seiner Zunge. Nur zu gerne hätte er diesen alten Narren bis zum Ende der Zeit verflucht und ihm sofort den Schädel eingeschlagen, doch er musste sich eingestehen, dass er in einer äusserst ungünstigen Position war um etwas zu unternehmen.
Und so blieb ihm nichts anderes übrig, als der darauf folgenden Forderung nachzukommen und Segel zu setzen ohne auch nur einen Versuch zu unternehmen, Rämna aus den Fängen zu retten.

"Du hast gehört was er gesagt hat oder?" brach der Alte die Stille, als Sie sich auf hoher See befanden und die Insel im Dunkel der Nacht verschwunden war. Ohne auf Antwort zu warten, setzte er fort: "Sie werden Rämna bei Sonnenaufgang verbrennen und Ihrem Gott opfern. Du weist ich habe etwas gegen Frauen auf der Seewolf und diese zickige Katze hätte ich lieber gestern als heute von Bord geworfen." Er seufzte ehe er das aussprach was der gesamten Mannschaft durch den Kopf ging. "Aber wir haben noch nie jemanden zurück gelassen."

Fenris starrte Ihn an als hätte er einen Geist gesehen. Doch als er dann den Blick über die Gesichter seiner Mannschaft schweifen lies, war es deutlich. Er hatte befürchtet nur ihm sei es so ergangen, doch offenbar hatte jeder an Bord Rämna irgendwie als Teil der Mannschaft akzeptiert. Selbst auf dieser kurzen Reise, hatte sich durch unzählige Neckereien und kleineren Handgemengen ein Band zwischen dem Katzenwesen und der Mannschaft gebildet.
Was Fenris sah, waren keine Männer die einen Freund zurücklassen mussten und sich darüber grämten. Es waren Männer die bereit waren für ein Familienmitglied in den Kampf zu ziehen und nur noch darauf warteten Ihre Chance zu bekommen.

Es dauerte ein paar Sekunden, doch dann gab Fenris endlich den Befehl zur Wende und eine ungeheure Energie strömte von den Männern aus, dass man glauben konnte Sie wären von Magie erfüllt.

Sie erreichten die Insel eine Stunde vor Sonnenaufgang und landeten das Schiff in einer kleinen Bucht ausserhalb der Sichtweite des Dorfes. Hier war die Seewolf vor der Entdeckung sicher doch Sie mussten sich beeilen. Rasch kletterten Sie die Felsen hinauf und verschwanden im Wald.
Im Dorf hingegen waren bereits alle Vorbereitungen getroffen. Der Scheiterhaufen war eilig aufgeschlichtet worden und Rämna befand sich an einem Pfahl gefesselt in der Mitte. Alle Bewohner hatten sich am Dorfplatz versammelt um der Opfergabe beizuwohnen. Niemand glaubte ernsthaft daran, dass die zahlenmäßig unterlegene Mannschaft der Seewolf noch einmal zurückkehren würde.

Umso überraschter waren Sie als genau jene schreiend aus dem Unterholz hervorbrachen und den ersten Wachen die Schädel einschlugen ehe diese Ihre Waffen ziehen konnten. Es dauerte nicht lange und ein heftiger Kampf entbrannte. Die Frauen und Kinder versteckten sich in Ihren Häusern, während die Männer mit allem was Sie gerade parat hatten versuchten gegen die Besatzung der Seewolf Stand zu halten. Doch Sie waren allesamt auf eine Opferung vorbereitet, nicht auf einen Kampf. Und so füllte eine Geräuschkulisse aus brechenden Stöcken und berstenden Knochen die morgendliche Stille.
Selbst Magnos, hatte es sich trotz seiner Verletzungen nicht nehmen lassen am Kampf teilzunehmen. Er war auch der Erste der versuchte Rämna von ihren Fesseln zu lösen, ehe ihn ein glücklicher Schwerthieb in den Nacken traf und er mit einem gurgelnden Geräusch zu Boden sank.

Doch dies sollte auch der einzige Glücksfall für die Verteidiger des Dorfes sein. Einer nach dem Anderen wurde erschlagen oder ergab sich. Nach wenigen Minuten war es vorbei. Viele der einheimischen Männer lagen tot am Boden oder hielten sich kauernd Ihre Wunden.

Fenris stieg auf den Scheiterhaufen, löste die Fesseln von Rämna und fing Sie gerade so noch auf, als Ihre Beine nachzugeben drohten. Sie schien nicht lebensgefährlich verletzt zu sein, war aber dennoch übel zugerichtet. Offenbar hatten sich ein paar der Männer einen Spaß daraus gemacht Sie zu verprügeln als Sie gefesselt war und auf Ihre Hinrichtung wartete.

Er übergab Sie dem Alten, der Sie behutsam entgegen nahm und sichtlich darauf achtete Ihr keine weiteren Schmerzen zuzufügen.

 Fenris blickte kurz zu Rämna und dann auf das leblose Gesicht von Magnos, ehe er sich dessen Leichnahm über die Schulter warf um Richtung Seewolf zu gehen. Er würde Ihn mit allen Ehren bestatten, ganz so wie es sich für einen freien Mann gehörte.

"Was machen wir mit den Überlebenden?" rief einer seiner Männer und Fenris überlegte einen kurzen Moment ehe er ohne sich umzudrehen erwiderte:

"Es gibt keine Überlebenden."

Mit diesen Worten hatte er das Schicksal sämtlicher Überlebender beschlossen. Seine Männer wussten was Sie zu tun hatten und während Fenris, Rämna und der Alte mit dem Leichnahm von Magnos zum Schiff zurückkehrten, verstummten nach und nach die Schreie der Dorfbewohner, bis eine absolute Stille vom herrschenden Tod zeugte.
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#12

Rämna

Diebin
Katzenwesen
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Ihr Kopf pochte wie verrückt und ihr ganzer Körper fühlte sich an als wäre sie mehrmals eine steile, felsige Klippe hinabgestürzt. Alles tat weh und sie war kaum in der Lage sich zu rühren. Es dauerte einen Augenblick bis sie sich halbwegs erinnern konnte was in den letzten Stunden passiert war. Als ihre Augen endlich das Flackern aufhörten und sie öffnen ließen konnte sie eine Gestalt neben sich erkennen. Fenris. Erschöpft lies sie ihren Blick weiter schweifen und entdeckte ein Leinentuch unter dem eine Hand hervorlugte. Mit einem Schlag war die Erinnerung wieder da. "Magnus!" jaulte sie erschrocken, schreckte hoch ehe der durch ihren Körper zuckende Schmerz sie wieder zum liegen zwar. "Verdammt.. Was ist genau...?". Es war alles so wirr. "Wo ist mein Rucksack?" wand sie sich an Fenris "Was ist passiert?".
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#13

Fenris, Sohn des Bjarn

Zwielichtiger Händler
Mensch
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Sie waren bereits wieder einige Zeit an dem Küstenabschnitt an dem Sie an Land gegangen waren angekommen und die Seewolf lag ruhig, ja schon fast majestätisch im Wasser. Die aus Bernstein bestehenden Augen des kunstvoll gefertigten Wolfskopfes am Bug des Schiffes leuchteten in der Morgensonne und es wirkte fast so, als würde die Seewolf die Seele von Magnos zu sich in die Tiefen der See rufen.
Plötzlich durchbrach ein Schrei die Stille als Rämna wieder zu sich kam und offenbar erst jetzt realisierte was geschehen war. Niemand konnte Ihr verübeln, dass Sie sich nicht erinnerte. Schließlich hatte man Ihr bei Ihrer Gefangennahme ordentlich zugesetzt.

"Beruhig dich. Du bist in Sicherheit und er an einem besseren Ort." antwortete Fenris der verstört wirkenden Katze in ruhigem Tonfall. Mangos würde auf Ihn und seine Kameraden warten und solange schützend seine Hand über Sie halten, dessen war er sich sicher.

Ein paar seiner Männer hatte er bereits ausgesandt um Heilkräuter zu sammeln mit denen die Wunden aller Verletzten versorgt werden konnten. Alle Anderen die nicht zu schwere Wunden davon getragen hatten, waren dabei ein Floß zu zimmern. Auch Fenris machte sich auf den Weg um Baumstämme, Äste und trockenes Strauchwerk zu sammeln und an den Strand zu schleppen.
Es dauerte bis in die späten Abendstunden, doch schließlich war ein stabiles Floß entstanden auf dem mehrere Lagen Stroh, dünne Äste und kleine Zweige aufgeschichtet waren.

"Ok Männer. Vertaut das Floß mit der Seewolf und dann ran an die Ruder. Lasst uns diesen Ort so schnell wie möglich hinter und bringen."

Und so wurde das Floß von der Seewolf hinaus aufs offene Meer gezogen. An Bord herrschte absolute Stille. Selbst Rämna schien zu ahnen, dass es der falsche Zeitpunkt für Fragen war.
Als sich die Dunkelheit wie ein schweres Tuch über das Meer legte und die einzigen Geräusche von den sanften Wellen stammte, welche gegen den Rumpf schlugen, wurde das Floß an die Seewolf herangezogen. Fenris stieg hinauf und bettete den Leichnahm von Magnos sanft, ja beinahe schon fürsorglich auf dem Bett aus Holz und Stroh. Seine Axt und sein Schild wurden ihm angelegt ehe man ihm noch etwas Schmuck, eine Karaffe Met, etwas zu Essen, einige Münzen und alles was sonst noch so an Bord war zur Seite legte. Erst als wirklich alles perfekt angeordnet war verließ Fenris das Floß und kletterte zurück an Bord der Seewolf.
Die Männer versammelten sich an der Reeling. Selbst die die eigentlich zu verletzt waren um zu stehen, wollten Ihrem Freund die letzte Ehre erweisen und wurden von Ihren Kameraden gestützt.

"Magnos. Treuer Kamerad und guter Freund. Du warst der dickköpfigste, sturste und trinkfesteste Mann an Bord dieses Schiffs und vermutlich dieser ganzen verfluchten Welt. Dein Tod war ehrenvoll und mutig. Du gabst dein Leben für einen von uns und dafür ehren wir dich. Niemand soll sagen wir würden dir deinen Anteil streitig machen, also nimm ihn mit wohin auch immer du nun gehst. Wir wissen du wirst deinen Schild über uns halten und deine Axt in die Schädel unserer Feinde treiben. Leb wohl mein Freund. Wir sehen uns auf der anderen Seite."

Mit diesen letzten Worten, verabschiedete Fenris seinen Gefährten. Die Taue wurden gelöst, das Floß in Brand gesetzt und trieb nun langsam von der Seewolf hinfort.
In diesem Moment nahm jeder der Männer sein Rufhorn zur Hand und blies einen letzten Gruß hinaus auf die See.

Dann wandte sich Fenris an seine Männer. "Magnos ist tot. Gefallen im Kampf um das Leben einer der Unsrigen. Im Kampf um das Leben einer freien Frau und eines Mitglieds dieser Familie. Lasst ihn uns als den Mann in Erinnerung halten der er war. Und lasst uns ihm Gedenken wie er es sich gewünscht hätte. Auf das Leben von Magnos."

Ein Aussenstehender würde sich vielleicht darüber wundern was nun folgte. Statt einer Trauerfeier, kam es zu einem regelrechten Saufgelage. Die erbeuteten Vorräte aus dem Dorf wurden aufgetischt und zudem noch so viel Alkohol, dass es vermutlich gereicht hätte um eine ganze Armee zu versorgen. Jeder lachte und feierte.
Als Fenris sah, dass Rämna etwas verwirrt dem ganzen Treiben gegenüberstand versuchte er es verständlicher zu machen.

"Das Leben ist ein Geschenk und der Tod ein notweniger Punkt. Wir können nicht bestimmen wann dieser Punkt kommt, jedoch können wir darüber entscheiden wie wir dem Tod entgegentreten. Magnos hätte, wie vermutlich jeder meiner Männer, in meinen Met gepisst wenn ich nun hier sitzen und heulen würde wie ein Klageweib. Es gilt das Leben des Mannes zu ehren und nicht seinen Tod zu beklagen." Dann hob er sein Trinkhorn ein weiteres Mal. "AUF MAGNOS" und leerte es mit einem Zug.

Die Feier würde noch die ganze Nacht dauern. In dieser Zeit waren Sie völlig Schutzlos, doch es galt dem Tod und der Gefahr die Stirn zu bieten. Nicht einmal der Tod würde es wagen seine Männer zu holen während Sie an einen der Ihren gedachten.
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