Das Herrenhaus der Familie zu Feldenbach
#31
Es war ein gepflegtes Unterholz, dass wohl auf dem gigantischen Anwesen der Feldenbach einen Waldrand imitieren sollte. Hinter den Hecken und Blumengärten, neben den Statuen und Springbrunnen und auf einer Fläche, groß genug um den Marktplatz mehrfach zu beheimaten, standen einen Vielzahl dekorativer Bäume und Sträucher – gewonnen aus hunderten Jahren Entdeckungsgeschichte. Hier zwischen den Sträuchern und den vielzähligen Düften fand sich S'Area wieder. Der Aufruhr auf der anderen Seite der dicken, steinernen Mauern war noch zu hören, als ihre Augen in die dunklen einer Nachtschwarzen Großkatze blickte.
Diese schnaubte ein paar Mal unsicher, duckte sich, zuckte mit den Ohren, hielt angespannt den Schwanz aufrecht und ergriff dann in Folge jahrelanger Misshandlung die Flucht. Noch einmal quer über den Rasen.

Freiherr Alexander von Feldenbach

Adelssohn
Mensch
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Das wiederum wurde von genau jenem entdeckt, dessen große Freude darin bestehen würde, wenn die Schwierigkeiten ihm lang genug aus dem Weg gehen würden, auf dass er gewisse Geschäfte beenden konnte, bevor die Stadtwache noch tiefer in seinen Angelegenheiten wühlen würde. Freiherr Alexander von Feldenbach lehnte lässig über das Geländer eines der unzähligen Balkone und begutachtete das Treiben auf der Straße. Er konnte genau sehen, wie ein dreibeiniges, weißes Fellknäuel über die einzelnen Grundstückte jagte, während weiter weg ein graues Unwesen die Menge in eine andere Richtung lockte. Der Werwolf-Ruf kam bis zu seinen Ohren, aber er war ein zu gebildeter Mann, um in dem Verhalten irgendetwas impulsiv aggressives erkennen zu können. Vermutlich waren den besorgten Bürgern einfach nur.... nun...ja. Irgendetwas dazwischen gekommen.
Alexander seufzte, als er bemerkte, wie der Flüchtling durch seinen Vorgarten strich und dabei seinen neuen Mitbewohner aufscheuchte. Der Adelige hatte den Panther gern – soweit er sich solche Gefühle zugestand – und wollte mitnichten, dass dieser vertrieben würde. Es war war immerhin schwer genug gewesen, der sehr hörigen Dienerschaft klarzumachen, dass jenes Ungeheuer solange geduldet und durchgefüttert wurde, bis es zum ersten Mal ausfällig wurde. Und da der Freiherr nicht davon ausging, dass das jemals der Fall sein würde, wurde der schwarze Schatten ein kleines Wunder in seinem sowieso wunderlichen Hause.
Alexander beobachtete, wie die beiden unter seinem Balkon jagten. Der Panther vorweg, die weißfellige Feline dreibeinig hinterher. Von weiter oben konnte er mit zusammengekniffenen Augen ihre Konturen ausfindig machen und gleichzeitig begreifen, dass es sich wohl wirklich eher um eine Katze als einen Wolf handelte.
Der Adelige stieß sich vom Geländer ab, gab einer wartenden Magd ein paar Anweisungen und eilte dann in schnellen, aber noch immer sehr selbstbestimmten Schritten die Treppe hinunter.
Der Garten war nicht leer. Er war nie leer. So viele Menschen lebten und arbeiteten auf seinem Grund, dass es kaum einen Moment gab, bei dem er nicht hier oder dort ein Gesicht grüßen könnte. Er kannte jeden seiner Diener bei Namen, kannte ihre Geschichten, ihre Schwächen und Stärken. Doch sein Fokus lag auf seinen Bäumen, auf dem Holz und auf dem, was er dazwischen erkennen, oder nicht erkennen konnte.
Vielleicht war der Eindringling auch schon wieder verschwunden.
Mit seinem schlendernden Gang und seinem wachen Blick wirkte der Aristokrat beinah freimütig. Der hintere Teil war leer, ein paar steinerne Gebäude waren protzig in die Landschaft gestellt als würden sie zu einer Art Waldhütte einladen, nur dass der Stein ganz sicher von kundigen Steinmetzen bearbeitet war und vor den Türen jeweils ein großes Schloss prangte – Alexanders Verdienst, der  den Liebesnestern seines Onkels einer anderen Verwendung zukommen ließ.
Hinter einem solchen etwas weißes erspäht zu haben, aber eine massige, knorrige Eiche versperrte ebenso wie die Hauswände die Sicht.
Alexander lächelte. Sein Ärger mit der Stadtwache war zwar nicht vergessen, aber im Moment nicht allzu wichtig. Er richtete sich auf, streckte seinen Rücken in eine hoheitliche Position, lugte verstohlen an dem Baum vorbei und murmelte dann halblaut: „Bei meiner Ehre. Ich bin mir sicher, hier ist ein Gast auf meinem Grund, den ich noch nicht eingeladen habe...“
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#32

S'Aera Thel'saar

Streuner
Katzenwesenmischling
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Mit einer Mischung aus Neugier und Angst begutachtete sie die Raubkatze, bevor diese die Flucht ergriff. Erst jetzt fand sie Zeit die Bäume zu begutachten, in deren Mitte sie nun stand. Einige davon hatte sie bereits im Wald gesehen, andere waren ihr völlig neu.
Neugierig und voller Begeisterung über all die neuen Dinge, die sie grad sah, schlich sie von einem Baum zum nächsten, berührte hier und da den Stamm und blickte staunend nach oben. Man mochte meinen, sie wäre ein Kind was soeben die Welt entdeckte und alles ansehen und anfassen müsste.

Erst an einem dickeren Baum wurden ihre bewegungen langsamer. Ein Ohr zuckte herum und sie fuhr nervös herum. Die guten Augen waren in der Dunkelheit in ihren Element, konnten aber zwischen den Bäumen nichts finden. Ängstlich hielt sie schützend den gesunden und den verbundenen Arm nach oben, die Hände halb den Mund verdeckend. Dabei schritt sie langsam rückwärts bis sie selbst an einem Baum stieß. Sie verharrte noch einige Sekunden so, bevor sie sich abduckte und um den Stamm herum schleichen wollte als da plötzlich dieser Mann direkt vor ihr um den Baum sah.

Instinktiv sprang sie zurück hinter den Baum und kauerte sich zusammen. Ein Instinkt, den jahrelange Prügel in Gefangenschaft tief in ihr Verhalten gebrannt hatte. "T..tu mir nicht weh, i..ich hab nix getan." wimmerte sie zusammengerollt hinter den massiven Stamm.
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#33

Freiherr Alexander von Feldenbach

Adelssohn
Mensch
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Alexander hatte natürlich eine Feline erwartet. Oder etwas anderes, felliges, schnelles und animalisches. Sein charmantes, aber auch gleichzeitig tadelndes Gesicht zeigte wenig von seiner kurzen Überraschung, zwischen dem weißen Fell ein menschliches Antlitz zu erhaschen – oder dem Umstand, dass ein weiter, grüner Mantel eine eher karg gekleidete, schmale Weibsgestalt offenbarte.
Die Reaktion einer verängstigen Feline wog dabei umso schwerer. Er straffte seinen Rücken und ließ zu, dass sein Gegenüber die Zeit fand, ein paar Mal schwer zu atmen oder etwaige Fluchtpläne auszudenken, während er mit gewählten Schritten um den Baumstamm ging, einen sicheren Abstand mit dem verängstigten kirchenähnlichem Geschöpf und sich bewahrend.
Für einen kurzen Moment regte sich sein Mitgefühl, wie er sie so zusammen gekauert sah. Verängstigt wie ein geprügelter Hund, völlig von der Härte der Strafe überzeugt. Es war fast eines jener düsteren Bilder, die ein befreundeter Künstler zu malen pflegte: Inmitten der lieblichen, aber geheimnisvollen Landschaft ein Augenblick der grenzenlosen Panik, des unfassbaren Schmerzes, ohne, dass ein einziger Hieb gefallen war.

Dann verflog das Mitgefühl wieder und machte Alexanders einfacher Art Platz, in alles und jedem ein Wagnis zu sehen, eine Art Vorhersehung oder eben eine komplexe Unterhaltung, deren Genuss leider nur ihm selbst zutrage kam: „Nun, geirrt habe ich mich nicht“, sagte er, den Tonfall leicht und sanft, wobei seine Gestik eher tadelnd war: „Hier finde ich einen ungeladenen Gast vor.“ Nur ein wenig beugte er sich vor, als wollte er größer oder imposanter wirken – aber nicht allzu weit, denn sein Gast war bereits fast paralysiert von der Situation: „und dann fragst du mich, was du falsch gemacht hast?“ Fast verwundert war seine Stimme, von dem bedrohlichen Unterton war nicht eine Spur geblieben.
Dann zog sich ein feines Lächeln über seine Lippen, während er den verdutzen Einbrecher länger begutachtete: „Vielleicht, wenn du den Mut besitzt, mir zu erklären, was du auf dem Grund des Freiherrn von Feldenbach treibst, habe ich die Güte, dich dem Hausherrn vorzustellen, um möglicher Weise Gnade für dich zu erlangen.“
Seit dem urplötzlichen Moment, bei dem Alexander beschlossen hatte, nicht selbst der Freiherr zu sein, sondern einer der höhergestellten Diener, wandelte sich seine erhobene Haltung ein wenig. Ganz leicht beugte er den Rücken, minimal stellte er die Füße anders und doch war der Unterschied immens. Ein ungehaltener Diener war vermutlich besser zu ertragen als ein wütender Aristokrat und außerdem war der Einfall zu interessant, um ihn einfach fallen zu lassen – und selbst wenn seine feine Kleidung ihn verraten würde, so würde niemand so dumm sein, ihn einer Lüge zu bezichtigen.
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#34

S'Aera Thel'saar

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Die Katze kannte den Unterschied zwischen Bürgern und Adligen nicht wirklich. Die einen hatten halt mehr Geld, Die anderen weniger. 
Langsam hob sich der Kopf wieder als keine strafenden Hände sie trafen.
"Mein Name ist S'Aera und ich bin weg gelaufen. Ich weiß nicht wo ich hier bin und das das jemand gehört" sagte sie vorsichtig und gab den Blick bin auf das Gesicht frei.
"Wir haben nix getan. Da war doch nur ein Mann und der hat behauptet, all das Geld über eine Frau zu schütten und da dachte ich ich frage ihn mal nach 1 oder 2 Münzen ehe er sie einfach so weg wirft" erklärte sie leise und scheinbar hatte sie wirklich keine Ahnung von Redensarten.
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#35

Freiherr Alexander von Feldenbach

Adelssohn
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Es ein Blick aus Hoffnung und Erleichterung, der Alexanders leicht tadelndem Ausdruck begegnete. Die Angst war natürlicher Weise noch immer der Feline anzumerken und der Adelige konnte es ihr nicht verdenken. Eine falsche Bewegung, ein falscher Satz und er konnte ihr Leben auf sehr unangenehme Weise verspielen. Andererseits schien sie bereits schon einige Erfahrung mit unangenehmen Situationen zu haben, so, wie sie kauerte, konnte selbst ein Laie das erkennen.
Sie vermied Augenkontakt, als sie ihre Worte sagte und dennoch schaute das Gesicht auf. Alexander war schwer zu überraschen, aber ein Menschenantlitz in Katzenfell war doch ein ungewöhnlicher Anblick. Vielleicht war sie eines jener unglücklichen Mischlinge, die aus den dunkelsten Geheimnissen lüsterner und machthungriger, vermutlich halb-betrunkener Männer geboren wurden. Erbarmen wollte wieder um sich greifen, aber Alexander zog einen kühlen Kopf den ungemütlichen Emotionen vor.

Andere Dinge bemerkte er ebenfalls. Die Deutlichkeit mit der diese Katze sowohl ungebildet als auch beschränkt war. Die einfachen Zusammenhänge schienen sich bei ihr nicht einzustellen und schon fast mit Enttäuschung bemerkte der große Spieler, dass er keinen Gegner auf seinem Schachbrett gefunden hatte. Naivität war zwar eigentlich ebenfalls eine Eigenschaft, mit der niemand dem Freiherrn begegnen sollte, aber diese Art von mehrfacher Dummheit war für ihn schon keine Freude mehr. Wer nicht wusste, dass Mauern draußen halten sollten, dass Redensarten Metaphern darstellten und dass jeder genau wissen sollte, mit welchem Risiko er Verliebte störte, der hatte so Alexander keinen Anspruch auf eine besonders freundliche Behandlung.

„Du solltest wissen, S'Area“, sagte er, ohne über ihren Namen zu stolpern: „Dass du auf dem Grund des Freiherrn von Feldenbach bist, einem sehr strengen und unnachgiebigen Mann. Erst kürzlich hat sich allerlei dunkles Gesindel in seiner Behausung aufgehalten und nun ist er auf... nun, sagen wir... ungeladene Gäste weniger gut zu sprechen.“
Alexander nickte ein paar Mal mit seinem Kopf, als würde er gründlich nachdenken. Als wäre es unbewusst, machte er einen halben Schritt rückwärts, damit die Feline aufstehen konnte, wenn sie es denn wollte. Vorurteile über animalische Kreaturen kamen ihn in den Sinn und er war fast selbst unglücklich darüber, sie bestätigt zu sehen. Nicht umsonst hatte er einen Freundeskreis, der auch den ein oder anderen Zwerg einschloss: „Doch ich weiß, was ihn positiver stimmen würde...“ Alexanders Miene blieb ernst und zeugte nicht von der inneren Freude über derselben: „Doch ich weiß nicht, ob du das Wagnis eingehen würdest. Es kostet eine Menge Mut...“
Zuerst hatte er überlegt die Katze dazu zu bringen, von zwei verfeindeten Familien jeweils das Banner zu stehlen und es bei einer dritten zu verwahren. Letzten Endes sah er aber ein, dass sie keinerlei Zeug zum Dieb hatte. Zu laut und auffällig, selbst für eine Katze. Stattdessen wollte er ihr etwas geben, dass sie im schlimmsten Fall auch seinen unlieben Freunden erzählen könnte – auch wenn eine solche Begegnung per se ausgeschlossen war.
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