Die Kanalisation
#1
Die östliche Kanalisation


Noch aus dem Gründungsjahr der Stadt Aron hat die Kanalisation über Jahrhunderte ihren Dienst getan. Weit verzweigt, verschachtelt und in mehreren Etagen auch auf alten Ruinen erbaut, bietet sie ein Heim für finstere Gestalten und gemeine Ratten. Die Abwässer münden in dem nahegelegenen Fluss. Über die Kanalisation kann man in jeden noch so kleinsten Winkel der Stadt Aron gelangen.

Was bisher in der östlichen Kanalisation geschah, kann man hier nachlesen.

Taur

Druidenlehrling
Dunkelelf
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Das Herz schlug ihm bis zum Hals. Ihre tapsenden Schritte und der keuchende Atem der beiden hallte eigentümlich durch die unter Schlick und Moos verborgenen Gänge. Die Luft war schwer von Fäkalien und Modergeruch und irgend etwas Gegorenem.

Erst nach einigen Biegungen - Die Tunnel der Kanalisation waren schon längst wieder in Schwärze gehüllt - verlangsamte er seine Schritte. »Das war knapp,« keuchte er atemlos. und lehnte sich an die klamme Steinwand. »Hast Du sein Gesicht gesehen?« feixte er lachend. Die Anspannung der durchstandenen Gefahr löste sich in unpassender Albernheit. »Habt ihr diesen riesen LeuchtPuff gesehen?« piepste der kleine Phönix. Taur gönnte sich einen längeren Moment um wieder zu Atem zu kommen. »Wir sind jetzt ganz in der Nähe von Meisterin Erianas Haus.« Sich hier unten zurecht zu finden war viel einfacher als oben in der blendenden Helligkeit oder in der wild verwachsenen Wildnis des Waldes. »Es ist gleich da drüben.« Taur lächelte, ein schwach glimmender Streifen blitzender Zähne in der Dunkelheit. »Die Sprossen dort hinten führen genau zum Gully in Meisterin Erianas kleinen Kräutergarten. Auf dem Weg kann ich Dir auch noch etwas zeigen.« Ein kurzes Stück weiter waren die Gänge hell erleuchtet. Zumindest schien es so nach der Zeit, die sie durch absolute Schwärze geeilt waren. Ein paar Strahlen der goldenen Abendsonne schimmerte durch ein Abflussgitter. Vorbeieilende Passanten, sowie ein sanft sich im Abendwind wiegender Baum zeichneten ein flackerndes goldenes Schattenspiel in die starren Linien des projizierten Gitters. Der von oben herunter gewehte Straßenstaub tanzte ihn dem Licht wie Feenstaub. Taur umgriff sanft Mèowýn, hob sie in die Höhe und trug sie das Stück über das ölige, stinkende schmale Rinnsal, das träge in der Mitte des Tunnels vor sich hin floß. Die unterirdischen Flüsse führten nicht viel Wasser in der Hitze des Hochsommers, so dass die größten Strecken ihrer hastigen Flucht trockenen Fußes bewältigen konnten. Ich bekomme das immer besser hin. lobte er sich selbst als er sie wieder vorsichtig auf die Füße stellte. »Schau mal hier.« Taur machte sich an der vermoosten Wand zu schaffen und pflückte behutsam die weichen Flechten von den Steinen. »Hier sind zwergische Ornamente.« Bei dem ganzen Unrat und Verwachsungen fiel es zunächst nicht auf, dass die Wände in diesem Gangstück kerzengerade und sauber gefugt waren. Bei den Steinen, die Taur freigelegt hatte kamen nun wunderschöne, fein heraus gearbeitete Ornamente und Reliefe zum Vorschein, die die zahlreichen Jahre in denen sie dieser achtlosen Misshandlung als Abwasserkanal ausgesetzt waren, überraschend gut überdauert hatten. »Das hier könnte eine zwergische Heldengeschichte sein. Schau hier aufgeblasen dargestellte Krieger mit übertriebenen Bärten und sogar Drachen sind hier zu sehen.« Taur konnte sich die Bewunderung nicht verkneifen, während er behutsam das Moos entfernte und an anderer Stelle sorgsam aufschichtete. »Was ist das?« Taur drehte sich langsam um, als das Strassengemurmel von oben abebbte.

Ein paar aufmerksamkeitsheischende Akkorde wurden an einer Laute heftig angeschlagen und gingen in eine spannungsgeladene Melodie über. Ein Raunen ging über die Menge der Passanten oben auf der Strasse. »Jeromie, der Spielmann spielt auf. Und wir haben hier einen der besten Plätze!« Vom Geruch abgesehen. Aber das roch man nach einer Weile garnicht mehr. Die Klänge der Laute und Jeromies kräftiger Bariton hallten durch die Gänge. Er hatte sich nahe dem Abfluss aufgebaut und das gedämpft hallende Echo hier unten gab den Geschichten des Barden eine weitere geheimnisvolle Note. Taur kauerte sich verzückt an die Wand und drapierte seinen roten Umhang so, dass seine Prinzessin nicht in dem Schlick sitzen musste. Einladend breitete er die Arme aus. »Für Jeromies Geschichten sollte wir noch Zeit haben.«

Das Strassenpublikum, das eigentlich auf dem Weg vom Tagwerk zur heimatlichen Stätte war, wurde vom Barden Jeromie aufs Vortrefflichste unterhalten. Viele hielten auf dem Heimweg inne um den mitreißenden spannenden oder auch gefühlvoll romantischen Balladen und Geschichten zu lauschen. Es gab melodiös untermalte Sagen aus dem fernen Bryar von schokoladenhäutigen Prinzessinen und schnurbarttragenden Schurken. Sagen aus dem Norden von ehrbaren Rittern oder geheimnisvollen Elfen. Es gab sogar eine kleine gruselige Geschichte vom dunklen Gespenst aus dem Wald. Taur konnte sich nicht erinnern, so etwas erlebt zu haben, aber die Geschichte war gut gewesen. Jeromie erlaubte sich sogar ein kleines Spottgedicht auf den Grafen Ruthgar, welches mit großem Gelächter aufgenommen wurde. Kurz danach musste er allerdings seine Vorstellung vorzeitig beenden, weil die Stadtwache diesem lästerlichen Treiben ein Ende setze.

Taur war verträumt in die Balladen abgetaucht. Es war wie früher, in den Balken der Versammlungshalle gewesen. Nur war er diesmal nicht alleine, sondern hatte die Arme um seine Prinzessin gelegt, ließ die paar Strahlen der Abendsonne auf seine dunkle Haut scheinen und wusste nicht so recht, ob die Geschichten oder der Moment hier unten im alten Zwergenschacht traumhafter waren. Mit einem Mal war es dunkler Abend und selbst die harten Befehle der Wachsoldaten, die die Menge zerstreuten konnte ihm nicht die Stimmung verderben. Schließlich erhob er sich gemächlich, streckte Mèowýn lächelnd die Hände entgegen um ihr auf zu helfen und wandte sich zu den angegebenen Stufen. »Jetzt sollten wir wirklich zu Meisterin Eriana gehen. Vor der Nachtruhe entleeren sich die Leute hier immer nochmals ausgiebigst und kippen ihr Wischwasser weg.« Fröhlich summend schritt er zum Gully in Erianas Kräutergarten.
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#2

Mèowýn

Waldläuferin
Mensch
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Heftig schlug das Herz ihr, als Mèowýn endlich verstand, dass sie auch dieses Unheil wohlbehalten überstanden hatte. Einzig und alleine in der Stadt waren sie noch – und das Mädchen ahnte, dass sie nur wieder um Haaresbreite in den Wald zurück gelangen könnten. Irgendwer würde die beiden bei ihrer Flucht hinaus sehen und irgendwoher wäre wieder die Stadtwache, die um so viel besser geworden war.
Sie konnte nichts sehen und sie zog es auch vor, besser nichts zu riechen. Zwar musste sie nicht würgen, aber vielleicht zog sie doch eine ordentliche Flucht der Folter ihrer Nase vor. Unwillkürlich lockerte sie ein wenig den Griff an dem Dunkelelfen und holte tief Luft, während er ordentlich lachte.
Sie beide hörten den kleinen Vogel schnattern, aber für das Menschenmädchen schien sich die Welt noch zu drehen. Da waren sie gerade noch im Reich der Feen, dann in dem allerheiligsten einer Dryade und schließlich quer verfolgt durch die Stadt.
An Abenteuern herrschte wirklich kein Mangel.
Sie lachte leise und fiel ein in die ausgelassene Stimmung. Wenn sie ganz, ganz ehrlich war, dann zog sie so ein Leben doch dem ständigen Wandern und der Zweisamkeit mit Feoglin vor.
Blind legte sie wieder eine Hand in die seine, bis langsam ein paar Sonnenstrahlen noch zu ihnen reichten. In dem Licht konnte sie allmählich wieder Konturen ausmachen und sah, wie langsam der Staub zu Boden wirbelte, auf etwas... einen Fluss, ein...
Mèowýn wandte sich ab und versuchte nicht zu würgen. Es ist nur Dreck. Jeder macht ihn. Auch ich.
Aber so viel davon war dann doch ein wenig zu viel für ihre Sinne.
Und wie glücklich konnte sie sich dann schätzen, von ihrem Held hinüber getragen zu werden. Zwar konnte sie es erst kaum genießen, zu groß war die Sorge, dass Taur in dem Matsch stolpern könnte – und doch...
„Danke“, sagte sie: „Mein überaus starker Held hat mich über den reißenden Fluss getragen, dessen Strömung mich verschlucken könnte und dessen... Riesenfische sonst kleine Kinder fressen.“ Sie hatte sich in seiner Erzählstimme geübt, aber es klang noch nicht so imposant, wie wenn der Junge ein wenig von seinen Geschichten zum Ausdruck brachte.

„Wetten die Geschichte geht so“, begann Mèowýn, die leider für die Heldenepos generell nicht besonders viel übrig hatte. Es sei denn natürlich, Taur zitierte ihr etwas: „Ein großer Krieger mit unglaublich langem Bart und einer sehr scharfen Axt..“ Sie fuhr über eine andere Freske: „Und anscheinend einer grässlichen Fratze“ Sie lachte leise und bemerkte seine Missbilligung kaum: „zog aus... äh... eher stach sich durch den Berg bis er einen schlafenden Drachen erweckt und dann getötet hatte. Und natürlich gab es am Ende eine ganze Menge Gold...“
Sie lachte leise: „Obwohl man mit dem Metall gar nichts anfangen kann...“

Vorsichtig ließ sie sich auf dem Umhang nieder und legte ihre Beine ab, während sie sich sanft in Taurs Umarmung drückte. Sie versuchte von all dem hier eher seinen Geruch als den des Abwassers einzuatmen und lauschte verzückt den Geschichten. Mal schlug ihr Herz schneller, mal lachte sie mit dem Elfen, mal drückte sie sich in seine Arme, weil die Stimme des Barden sich so ungünstig verzehrte.
Als sie oben die schweren Schritte der Stadtwache hörte, da seufzte sie unglücklich. Warum hatten die Männer sich angewöhnt, immer genau dort zu sein, wo sie es war?
„Das war echt schön“, murmelte sie, fast so, als hätte Taur und nicht der Barde die Geschichten vorgetragen: „Wirklich beeindruckend.“
Und dennoch freute sie sich darauf, endlich die Kanalisation zu verlassen.
Der Vogel hatte immerhin schon mehrfach gefragt, was er denn jetzt hier unten essen könne – und sich dann genauso oft über ihren kleinen Rast beschwert, bis Mèowýn einfach beschlossen hatte, die Verbindung für die Zeit nicht länger aufrecht zu erhalten. Manchmal war schweigen dann doch angenehmer.
Als Taur den Gullideckel hochschob, wurden sie bereits erwartet.

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#3

Stadtwache Aron

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Unten angekommen entzündete Korporal Schmitt eine Fackel und zusammen mit dem schummrigen Licht, das alle paar Schritte aus einem Gullydeckel seinen Weg hier herunter fand, war der Verlauf des Abwasserkanals auch für menschliche Augen einigermaßen zu erahnen. »Alles miteinander verbunden. Soso. Das macht unsere Aufgabe nicht einfacher, den dunklen Bastard fest zu setzen. Sei es drum. Meister Isenheim, gebt bitte die Richtung.« Sie trotteten durch den schmierigen Schlick, der träge die Abfälle der Stadt Richtung Gewässer schob. Der große Wachmann musste etwas gebückt gehen, um nicht mit dem Helm an der Decke zu schrammen.

»Was ist das? Schmitt, leuchte mal hierher.« Sergeant Broudi deutete auf einen schimmernden Fleck, der ihm an der Wand aufgefallen war. »Hier hat jemand vor kurzem die Flechten weg gekratzt. Vielleicht um eine Markierung zu setzen oder sich zu orientieren. Moment mal. Das sind doch zwergische Runen?« Broudi legte angestrengt die Stirne in Falten als er sich an die Bedeutung der kantigen Symbole zu erinnern trachtete. »Dro... nein Drachen... Drachentürmer Ehregrimm... das kenne ich jetzt nicht... anno 1342.... Puh... Meister Isenheim, was sagt Euch dieses Fresko? Und warum wurde nur dieser kleine Teil freigelegt. Sehr mysteriös. Scheint, das hier jemand vor knapp einem Tag vorbeikam. Und hier mag etwas schweres eine Weile gelegen haben. Vielleicht sogar unser Dunkler. Oder eine weitere Leiche vielleicht?« Seine Finger strichen über ein längeres dunkles Haar, dass er an der Wand zwischen den Flechten gefunden hatte. Aber wo ist er hin?« Sergeant Broudi versuchte sich zu orientieren. »Das Anwesen der Feldenbachs müsste in dieser Richtung sein. Und der trunkene Mönch ist nicht weit hinter uns.« Der Sergeant versuchte angestrengt sich in die Absichten des dunklen Nekromanten reinzuversetzen, was ihm zu seinem Leidwesen nur unzureichend gelang. »Was hat der schwarze Bastard nur vor? Meister Isenheim, welche Richtung weist den Euer Wunderapparat?«

Was Sergeant Broudi wunderte war, dass dieser Ort unter den Strassen Arons nichts von der drückenden Spannung der Gewölbe hatte, in denen seine Patrouille den Untoten gestellt hatten. Mit den bewachsenen Felsornamenten und den schimmernden Licht aus den Gullygittern über ihm wirkte dieser Ort fast friedlich und heimelig. Von dem Gestank mal abgesehen. Kopfschüttelnd verstaute er das gefundene Haar und wartete darauf, das der magiekundige Zwerg die weitere Richtung wies.
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#4

Meister Belfour Isenheim

Runenkünstler
Zwerg
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Die Richtung vorgeben war einfacher als gedacht. Kaum hatte der Zwerg seinen Rotschopf wieder unter den vertrauten Gängen, schienen Wege und Orientierung wie in jedem guten Stollen leicht erkennbar zu sein. Auch die Kanalisation war früher einst ein Teil der höheren Gänge und Gewölbe der imposanten Zwergenstadt – und auch sie verfügte über jenes architektonische Meisterwerk, mit dem sich die Kleinwüchsigen zu Recht brüsteten.
Belfour folgte seiner Erinnerung an den Zeiger der Nadel mit jener Ungenauigkeit, die zuvor gehobene Gänge außeracht ließen. Der Sergeant musste nicht wissen, wie groß, weitläufig und schmuckvoll tatsächlich das gesamte Netz der Gänge war. Diese stinkende Kloake hatte nichts damit gemein.
Das Fackellicht und die vielen Punkte des hereinfallenden Sonnenlichts schienen den Menschen zwar den Schritt zu erleichtern, bereiteten aber dem Magier durchaus Mühe. Bei gleichbleibender Dunkel- oder Helligkeit waren so viel mehr Formen und Farben zu erkennen und halfen meist dabei, dem Gestein seine eigene Geschichte erzählen zu lassen.
Der Gestank setzte dem kleinen Zwerg zu, änderte aber nichts daran, dass er wagemutig seine Beine vorwärts setzen musste, auch wenn der Schlamm ihm bis zum Oberschenkel ging und er nur auf Grund vieler, kleiner, strammer Schritte mithalten konnte.

Als sie kurz innehielten und der Sergeant eine freigelegte Legende begutachtete, dämmerte es Belfour allmählich, dass sein Plan alles andere als brillant gewesen war. Wenn hier andere aus dem Clan in Aron gewerkelt hatten, um den Wert dieser Gosse zu bestimmen, dann würde er nur schwerlich die Menschen davon überzeugen können, alle Hinweise zu übergehen und dem eigentlichen Ziel zu folgen. Noch dazu, dass sich wenigstens Broudi als nicht allzu hinterwäldlerisch gab. Belfour kletterte ebenfalls auf den Vorsprung neben dem Schlick und warf einen prüfenden Blick auf die Legende. Überrascht vernahm er die eher langwierige Übersetzung der Runen. Er hätte so viel Können dem einfachen diensthabenden Wachmann nicht zugetraut. Nun gut, es war eine Freude sich in der Gelehrsamkeit der Mitstreiter zu irren: „Drachentürmer Ehegrimm“, sagte Belfour nickend und reckte sich, um mit seinem Finger die Geschichte zu erzählen: „Einst lebte in den dunklen Hallen der großen Stadt ein schauriger Drache, dessen Alter ihn zur hinterhältigen Klugheit getrieben hatte. Umgeben von hartem Granit ließ er die Stadt gedeihen, um den ahnungslosen Männern im günstigen Moment die Kinder zu stehlen und zu verspeisen. Doch siehe, Drachentürmer Ehegrimm stand auf…“
Die Geschichte wurde zum Glück nicht so lange und breit vorgetragen, wie Belfour es wohl bei einem Stammtisch getan hatte. Dennoch wurde der Drache in seiner Geschichte deutlich klüger, aber weniger stark. Auch so manche Begebenheiten der Freske wurden leicht verändert und erst, als er die Unruhe der Menschen spürte, bemühte er sich um ein besonders abenteuerliches Ende, die seine Erzählstimme nun vorwärts trug.
Ganz er selbst ließ er danach die Hand sinken und schmunzelte wieder ruhiger und in sich gekehrt: „Falls der Dunkle tatsächlich das hier freigelegt hat, dann hat er einen ausgezeichneten Sinn für die Dramatik der vorhergegangenen Jahrhunderte. Taktik oder Hilfe verbergen sich wirklich nicht in diesen Runen.“
Aber Zwerge hatten es auch nicht freigelegt, dachte Belfour. Sie ließen die Kanalisation in Ruhe und waren alle eigentlich mit dem Aufbau der Empfangshalle beschäftigt, um irgendwann vielleicht gar bis zum Königssaal vorzustoßen.

„Ein dunkles Haar?“, fragte Belfour dann und zog aus seiner Tasche einen seiner vielen Leuchtsteine. Blaues Licht erhellte die Handfläche und die Umgebung. Die Ranken bekamen ein mattes Grün und die Geschichte präsentierte sich sogar nicht nur in Runen und kleineren Bildern, sondern auch in einer eigentümlichen Pracht und Kunstfertigkeit. Das Haar jedenfalls war ganz sicher nicht schlotweiß, wie das eines Dunkelelfen. Es war schwarz und schimmerte. Belfour seufzte. Wohl eher ein Toter.

Wieder richtete sich der Zwerg auf: „Also gut…“ Er holte seine Apperatur hervor, lehnte seinen Magierstab gegen die Wand, steckte seinen Leuchtstein ein und befragte die Maschine erneut in seiner kratzigen Sprache: „Wo ist der Dunkelelf in diesen Gängen?“ Einmal gerade, einmal vertikal und schon stand die Richtung. Belfour wunderte sich zwar, weil sie soweit in das Westviertel führte, aber andererseits war dort bestimmt auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass ein Nekromant nicht direkt auffallen konnte. Dort waren die Gestalten leider sowieso schon fast tot.
„Also gut“, murmelte er, packte das Gerät wieder ein und sagte: „Wir befragen es noch einmal, wenn wir näherkommen.“ Dann stolzierte er mit seinem Stab wieder durch den Dreck hinweg und versuchte sich zu überlegen, wo hier der nächste freie Weg verlaufen würde, den sie tatsächlich nehmen konnten. Einer, der nicht von Zwergen restauriert war und der gleichwohl keiner stinkenden Kloake gleichkam. Doch der einzige Stollen, den er fand und diesen Kriterien genügen könnte, hatte zwar guter Baukunst durch die Jahrhunderte noch immer kein brüchiges Gestein, aber die Höhe wäre gerade einmal für ihn absolut ausreichend gewesen. Die Menschen hätten kriechen müssen und da würden sie wohl doch lieber den langen, ekelhaften Weg wählen.
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#5

Stadtwache Aron

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Sergeant Broudi lauschte der Saga, die der Zwerg aus seiner Kultur rezitierte. Er kämpfte seine Ungeduld nieder. In drängte es danach den dunklen Dämon zu stellen. Aber er wusste auch, dass er dazu vom Wohlwollen ihres zwergischen Führers abhängig waren. Und Broudi besaß die in seinem Berufsstand die seltene Eigenart auf nebensächliche und kleine Details zu achten, die auf den ersten Blick nichts mit aktuellen Untersuchung oder Jagd zu tun hatte. Das ungläubiges Kopfschütteln seiner Kameraden und Vorgesetzten darüber, war mit der Zeit verstummt, als ihm damit doch hin und wieder überraschende Ermittlungserfolge gelangen, wo andere selbst mit eiserner Faust der Staatsmacht nicht weiterkamen.

Vielleicht hat es einen Grund, dass der dunkle Teufel, die Reliefs freilegte. Aber welche... Drachen und Drachentöter. Der Dunkle hatte Illusionen von einem Drachen hinter sich gelassen. Da muss es eine Verbindung geben. »Immer wieder Drachen. Das kann kein Zufall sein,« grübelte Broudi laut. »Das Gasthaus? Oder ein Hinweis auf Feuer? Nun wir werden sehen. Ich Danke Euch, Meister Isenheim, dass Ihr mir mein bescheidenes Halbwissen über Eure Kultur verziehen und ergänzt habt. Das Westviertel also. Das war eigentlich zu erwarten.«

Der Hühne hatte angestrengt den Ausführungen des Zwergen gelauscht. Eine ordentliche Abenteuergeschichte war genau nach seinem Geschmack um den langwierigen Soldatendienst zu würzen. Er brauchte einen Moment, um von den fernen Welten alter Zeiten wieder zurück in die stinkende Realität in den Kanalisationsgängen zu finden. Sein Kamerad Schmitt konnte hingegen seine Ungeduld nicht zügeln und durchsuchte die nähere Umgebung.

»Sergeant! Die Gänge im ...ähm... ich glaube Nordwesten sind eigenartig. Größere Kammern voller Pilzgewächse.«
Die Gewölbe, die der junge Korporal untersucht hatte, waren in der Tat eigentümlich. Sie öffneten sich zu größeren, unterirdischen Hallen in denen die stinkenden Gewässer des städtischen Unrates sich über Terrassen ergossen und sich in eine Art kleinen See sammelten, bevor sie weiter durch das Erdreich flossen. Die galerieartigen Abstufungen waren überwuchert mit teils mannshohen Pilzgewächsen verschiedenster Art. Staunend ließen die Wachleute den Blick über den eigentümlichen Wald schweifen. »Beim siebenhufigen Klabauter. Dat sieht aus wie nen Obstgarten aus ner Albtraumhölle.«

Sergeant Broudi verengte die Augen. Die Einschätzung des einfach gestrickten Hünen war nicht von der Hand zu weisen. Das Ganze erinnerte wirklich an eine eigentümliche Art von Plantage.

»Verflucht nochmal. Da hat sich was bewegt!« Django griff seine Axt fester und deutete in die Richtung. Im Zwielicht unter den Gewächsen ließ sich noch die nachschaukelnde Bewegung einzelner Pilzstränge ausmachen.
»In Deckung vorrücken!« kommandierte Broudi, als er seinen Schild vor sich hielt und nach einem kurzen Stoßgebet achtsam durch das Gewächsdickicht vorwärts stapfte.
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#6

Meister Belfour Isenheim

Runenkünstler
Zwerg
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Dumpf pochte der Magierstab im Boden, als Belfour den Menschen mit ihren schnellen Schritten hinterher eilte. Die Fackeln vor ihm waren für einen Moment verschwunden, als die drei Soldaten um eine Biegung traten und gleichfalls wohl einen Raum betraten, dann gewann der Zwerg einen guten Eindruck von gepanzerten Rücken. Eher nachdenklich als verärgert quetschte sich Belfour durch eine kleine Lücke zwischen Hüne und Sergeant und ließ dann auch seinen Blick über die Halle wandern.
Im Fackelschein beschrieb sie ihre ganz eigentümliche, aber doch so unendlich vertraute Form. Die wenigen Algen, die zusammen mit den Pilzen hier unten die Reihen eingenommen hatten, konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass er sich in einem wahren architektonischem Meisterwerk befand. Sein Blick fiel, anders als bei den Menschen, nach oben.
Es bestand kein Zweifel mehr. Die hohen Windungen verrieten es ebenso eindeutig wie der große Platz, die vielen, vom Wasser verschluckten Sitzbänke und die kaum wahrzunehmenden Emporen auf der anderen Seite. Wie waren durch einen Seiteneingang in die imposanteste Opernhalle gelangt, die er je gesehen hatte. Sein König im Berg würde sich vor Neid gewiss den langen Bart raufen.

Fast schon widerwillig fiel nun sein Blick auf den Koporal und holte den nahezu ehrfürchtig erstarrten Magier zurück in die Gegenwart. Wachsam sah er sich zwischen den bekannten Pilzen um und versuchte nun ebenfalls das Ungeheuer im Wasser zu erspähen. Seine Phantasie war dabei durchaus fähig die verschiedensten Erklärungen vorzuschlagen. Ein bissiger Wassergnom, ein vielzähniger Ekelmolch, ein trübsinniger Dämon, der den alten Gesängen nachhing – oder einfach eine Einbildung eines Menschen, der auch in den Höhlen glaubte, dass ihm der Himmel auf den Kopf falle.
Meister Isenheim hoffte inständig, dass die Amulette der Krieger tatsächlich vor allem schützten.
Er selbst war noch nie besonders heldenhaft gewesen und dennoch streckte er seinen Rücken, trat ein paar Schritte vor und holte wieder einen seiner Leuchtesteine hervor. Da die Kloake sowieso bis an seine Oberschenkel reichte, ließ er den Stein lansgam ins Wasser hinunter und sah, wie die umliegenden Pilze für einen Moment zu leuchten schienen.
Gleichzeitig sah auch er die kleinen Wellenbewegungen und das Rascheln zwischen den Stängeln.
Dort war wirklich etwas.
Belfour zog das Licht zurück.
„Ich würde mich von den schwarzen Pilzen fernhalten“, sagte er nachdenklich und fast ohne wirklichen Bezug. Für ihn stand fest, dass diese Menschen sich nicht davon abbringen lassen würden, die verdorbenen Fische aufzuspüren, die unter so widrigen Bedingungen leben konnten: „Die schwarzen haben Nesseln und brennen nach. Dort, die blauen sind essbar, wenn sie vorher lange geschmort werden – und diese dort habe ich noch nie gesehen.“
Er zeigte auf ein anderes Exemplar und streifte sich dann heimlich die dreckige Hand an seinem sowieso übelriechenden Umhang ab.
Wieder ein Rascheln.
Und jetzt rückten diese Männer in Formation vor. Belfour schüttelte erst den Kopf über soviel Unvernunft – suchten sie nicht momentan nach der Lösung eines ganz anderen Geheimnisses? Dies war die falsche Richtung! Dann beeilte er sich aber doch, nicht zurück zu bleiben. Wann immer sie für einen kurzen Moment halt machten, zeichnete er kleine Wellen mit dem Stab auf dem schlickigen Boden. Welches Muster dies nun werden würde und ob darinnen überhaupt eine Zauberkraft bestehen wurde, das wusste der Magier nicht. Er konzentrierte sich auch nicht darauf, immerhin war ein Schritt der Männer soviel wie vier für ihn.... - bis es nicht mehr weiter ging.
Er stand vor dem Ende der ersten Plattform und wusste, dass jeder weitere Schritt ihn zum schwimmen bringen würde. Die Soldaten waren nun kniehoch im Schlick. Belfour seufzte leise. Er würde wohl aus der Ferne begutachten müssen. Er kramte schnell nach seiner Meißel und hoffte inständig, sie nicht urplötzlich nutzen zu müssen. Runenkunst war kaum etwas, dass sich gut reaktiv benutzen ließ.
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#7

Django

Söldner
Mensch
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Django walzte stapfend durch den Morast, hielt die große Axt fest umklammert und blickte sich wachsam um. Seine Augen schienen überall in den fremdartigen Gewächsen Bewegungen auszumachen. Aber in dem Zwielicht konnte man sich nicht hundertprozentig darauf verlassen. Zwischen den geisterhaft phosphoreszierenden Stämmen der grotesk riesigen Pilzgewächsen meinte der Hüne gräuliches Fell ausgemacht zu haben.

»Halt!« zischte Sergeant Broudi leise. Django blickte nach vorne und sah eine stattliche Anzahl Augenpaare, die zwischen den Gewächsen glimmten. Augenpaare, die auf Kreaturen schließen ließen, die dem großen Krieger bis zur Brust reichen mochten. »Ihr Menschlinge seid in unseren Gärten, die Achotosh dem Erleuchteten geweiht sind.« zischte eine lispelnde Stimme unter einem der Augenpaare. »Ihr seid hier nicht erwünscht.«

Django packte seine Axt fester. »Na Chef, solln wa denen mal zeigen, was es uns kümmert erwünscht zu sein oder nich?« Broudi legte dem großen Krieger nur eine Hand auf den muskelbepackten Arm und hieß ihn mit einer Geste zu schweigen.

Stadtwache Aron

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Alte Zwergenhallen und heilige Haine von Unterweltkreaturen. Bei den Göttern was es nicht alles gibt. Und oben kriecht der unwissende Pöbel übers Pflaster und pisst ungeniert in die Rinnsteine. In Momenten wie diesen, wünschte sich Broudi auch einfach unwissend zu sein und einfach sein kleines Leben zu leben.
»Ähm. Verzeiht unser Eindringen in Eure, nun Felder. Wir wollten diesem Achotosh nicht seine Pilze missgönnen, aber wir folgten einem bösen dunkelelfischen Nekromanten.«

[Bild: ratling.jpg]

Ein bösartiges Zischen entrang sich vieler Schnauzen. Aus dem Schatten löste sich eine fast Mannshohe graubepelzte Gestalt. Sie war in zerrissenen Lumpen gekleidet und mit seltsamen aus Unrat und Knochen gewirkten Schmuck behangen. Sie blickte den Sergeanten aus kleinen dunklen Knopfaugen an und zog einen nackten Schwanz hinter sich her. Die Schnurrhaare zitterten als sie Sprach. »Mit den Dunklen wollt Ihr euch anlegen. Zschsch. Dafür seid ihr aber recht wenige.« Ein vielstimmiges Keckern erschall aus den Büschen. Rühr doch in den Wunden alte Ratte. Aus den Pilzgewächsen lösten sich weitere Rattlinge , die eine zusammengewürfelte Sammlung verschiedenster gefundener Waffen präsentierte. »Wir wollen jedenfalls Euch Menschlinge und auch die Dunklen nicht hier haben. Also verschwindet.«

Die kleinen Augen des Rattlinghäuptlings weiteten sich. »Zu spät. Es hat Euch gefunden.« Von einem Augenblick zum nächsten, waren die Rattlinge verschwunden. Nur noch erschrecktes Zischen und hektisches Platschen der Pfoten entfernte sich in den Gängen.


[Bild: mummy.jpg]
Verwundert blickte sich Sergeant Broudi um und schaute schließlich erschrocken zu ihrem zwergischen Führer, der vor einer Untiefe im Morast stehen geblieben war. Die magische Runennadel in Belfours Händen spielte verrückt und zitterte stark nach hinten. Hinter ihm erhob sich eine in fleckigen Bandagen eingewickelte Gestalt. Schüttere, verfilzte, silbrige Haarsträhnen sowie eingefallene ebenholzfarbene Haut blitzte zwischen den Bandagen hervor. Unheilvoll glimmende Lichtpunkte schimmerten dort, wo bei einem Wesen die Augen sitzen sollten und fixierten hasserfüllt den zwergischen Runenmeister. Drohend hatte die Gestalt das gekrümmte antike Schwert erhoben um es im nächsten Moment auf sein anvisiertes Opfer niedersausen zu lassen.
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#8

Meister Belfour Isenheim

Runenkünstler
Zwerg
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Es gab Geschichten in dem Aroner Clan. Geschichten von weiteren Höhlenbewohnern, von grausigen Vierbeinern, die wie Monster in der Dunkelheit lauerten. Dazu kamen noch die Schreie, die manchmal durch die Kanalisation hallten und die Überreste zerschundener Körper bettelarmer Menschen, die manchmal eine patrouillierende Vorhut fand. Niemals hätte Belfour diese Geschichten mit zwergengroßen, ja fast menschengroßen, befellten, übelriechenden rattenartigen Mischwesen in Verbindung gebracht. Das Licht war schal und er war nicht besonders nah am Geschehen und dennoch hatte er einen guten Blick auf eines dieser Kreaturen, das ihn wohl nicht entdeckt hatte und sich von hinten an die Soldaten anschlich. Der Zwerg dachte daran, dass Ratte am Spieß zu einem seiner Leibspeisen gehörte und wie unpassend das wohl war. Sein friedliebender Trieb fragte sich zudem, ob es überhaupt ratsam war, gleich einen Kampf zu beginnen. Sein Clan würde die Ratten bestimmt vertreiben, sobald sie von der wundervollen Opernhalle hören würden. Aber war es ebenso ratsam, ihnen deshalb davon überhaupt zu erzählen? Was waren diese Geschöpfe?

Dankbar bemerkte er, dass der Sergeant ähnlich kluge Gedanken hegen musste. Anstatt sich auf einen dummen und aussichtslosen Kampf einzulassen, probierte er es mit ein wenig Diplomatie. Vielleicht auch gerade deswegen. Jedenfalls schien die Rattlinge nicht gleich mordslustige Biester zu sein und ließen ihn sprechen. Das Angebot zu verschwinden behagte dem Gelehrten jedenfalls mehr, als einen Streit mit einer Übermacht vorzunehmen, wie der Hüne es vorschlug. Dennoch vermisste Belfour mehr denn je seine Axt. Jetzt wäre genau der richtige Zeitpunkt, dass ihr Schein das Licht brechen würde und er mit lautem Kriegsgeheul.... hoffen würde, dass die anderen den Ausgang der Schlacht bestimmen würden.

Doch alles veränderte sich, als die Rattlinge verschwanden. Es sei bereits hier. Belfour sah sich um, kniff die Augen zusammen und bemerkte, wie sich das Wasser bei ihm bewegte. Doch als er sich umdrehte, war es bereits zu spät. Das Schwert sank nieder und prallte auf der Höhe seines Magierstabes ab. Wie ein plötzlich einschlagender Blitz erhellte sich das alte Opernhaus bläulich, während seine im Stab gespeicherte Magie ihm Schutz bot.
„Bei Merlins Bart!“, stieß Belfour aus und trat einen Schritt zurück. Vor ihm war ein Ausgeburt des Todes. Ein Nekromant. Schnell bewegten sich seine Gedanken. Es war ihm fast, als würde die verwunderte Mumie nur in Schneckentempo das Schwert erneut heben, als würde die Aggressionen, die ein Todesgeschöpf trotzdem irgendwie ausdrücken konnte, nur langsam vorwärts kommen, als würde sein eigenes Herz immer zäher und langsamer Schlagen.
Denk nach!
Reaktiv. Runenkunst war nicht reaktiv. Und Nekromanten leider schon. Für dieses Wissen hätte er noch nicht einmal die Magiergilde besuchen müssen. Er stand am Abgrund. Sein Stab würde vielleicht noch drei, vier oder fünf Hiebe aushalten. Aber er war keine Waffe.
Belfour ließ seine Suchmaschine fallen.
Ein zweiter Schlag, ein zweiter Blitz, doch dort, wo vorher der Zwerg gestanden hatte, war nichts mehr.

Der Magier wühlte sich durch den Schlick und verbat sich, nach oben zu kommen. Ihm war übel, ihm war schlecht und er war... wütend. Warum hatte die Kreatur nicht jemanden angegriffen, der sich wenigstens verteidigen konnte? Seine linke Hand hielt den Magierstab, der ihm beim Tauchen eher im Weg war. Aber es war auch sein ganzer Schutz. Seine rechte Hand hielt die Meißel, die er am Boden führte, durch den Schlick.
Das Einzige, das half, war ein Bannkreis. Wenn des Ungeheuer erst einmal gefangen war, dann würde er wieder alle Zeit der Welt besitzen, um das weitere Vorgehen zu erwägen.
Aber die Luft ging ihm aus. Er sah nichts. Er durfte den Leuchtestein nicht hervor holen, damit das Wesen – falls es denn Augen hatte – auch nichts sah. Nicht den Toten berühren. Nicht mit dem Stab einen Hinweis geben, wo er war.
Luft. Er brauchte Luft.
War es soweit, hatte er eine Runde geschafft?
Seine Hände tasteten sich durch den Schlick, hofften, die eher rudimentären Linien nachzufühlen. Wie immer hatte er sich auf sein Gefühl verlassen. Vielleicht, vielleicht wäre es klüger gewesen, einen herkömmlichen Bannkreis zu ziehen?
Belfour musste hoch.
Sein Kopf erhob sich und schon wieder sauste das Schwert auf ihn. Ein dritter Blitz und dann... taumelte er davon. Wenn alles irgendwie funktioniert hatte, dann konnte sich das Ungeheuer nicht mehr bewegen. Hektisch suchte sein Blick die Fackeln der Menschen, während er Schlick spuckte. Die Drecksarbeit hätten ruhig andere übernehmen können.
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#9

Django

Söldner
Mensch
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Django brüllte, als er mit heftigem Schwung mit seiner riesigen Axt aushohlte. Der kehlige Laut des Hünen hallte wie Donner durch die Gewölbe. Seine siegesgewisse Meine schmolz wie Wachs als er mit ansehen musste, wie die Mumie seine Waffe mit einer bandagierten Hand mitten im Schwung an der Stange packte und das kräftige Holz wie einen dürren Ast einfach zerbrach. Aber Django wäre nicht so alt geworden, wenn er sich erlaubt hätte, in den zahllosen Kämpfen seiner Laufbahn seine Instinkte durch Furcht oder Verblüffung dämpfen zu lassen. Kurzerhand rammte er der Mumie einen mächtigen linken Haken mitten in die bandagierte Fresse. Das untote Wesen taumelte nach hinten und schlug gegen die Barriere die mit einem Knistern und Blitzen das Wesen aufhielt.

Stadtwache Aron

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»Schmitt, die Bolzen, schnell!« befahl Broudi. Der angesprochene starrte in kalter Panik, volkommen unfähig auch nur den kleinen Finger zu rühren auf den alptraumartigen Horror vor ihm. »Schmitt! verdammt, die Bolzen.« Broudi scheuerte dem panischen Soldaten kurzerhand quer übers Gesicht. Ungläubig starrte der junge Korporal auf seinen Vorgesetzten. »Die Bolzen, Jawohl.« Mit zittrigen Händen nestelte er an seinem Rucksack.

[Bild: mummy.jpg]
Nochmals holte die Mumie mit dem gekrümmten Kopesh aus. Mit lautem Krachen donnerte die Klinge gegen die vom Runenmeister erstellte Barriere. Die in der Klinge eingelegten Hieroglyphen glimmten zornig, magische Entladungen flackerten entlang der ansonsten unsichtbaren Blockade. Eine Art gehässiges Grinsen formte sich in dem vertrockneten dunklen Mund, der unter den Bandagen hervor lugte. Die glimmenden Augen fixierten den Zwergen. Ein gießender Blitzstrahl schoss aus diesen Augen. Sie verfehlten den Zwergen um Armeslänge. Allerdings verdampfte das Geschoss die verzauberte Kompassnadel, die auf ihrem Brett ein Stück entfernte auf dem schmutzigen Wasser dümpelte.

»Ein garstig kleines Spielzeug führt Ihr da, Hallenwächter.« Die rauchige weibliche Stimme, die aus dem leuchtenden Käferamulett auf der Brust des Wesens drang, sprach in einem uralten Tiefendialekt. Belfour hatte diese antike Sprache sicher in seinen Studien in alten Pergamenten gelesen. Sie jetzt zu hören war eine vollkommene neue Erfahrung. Seine Ohren brauchten ein wenig, um die merkwürdigen Laute mit den alten Hieroglyphen und dann noch mit einem Sinn zu verknüpfen. »Er sollte aufpassen, dass seine Spiele nicht jemand oder etwas unabsichtlich verärgern.«

Das Licht des Skarabäus breitete sich mit einem Mal über die gesamte Mumie aus. Blitze zuckten unter den Bandagen und die Kreatur schrie einen abgrundtiefen Schmerz aus seiner verdörten Kehle. Dann fiel das Untote Wesen in sich zusammen. Die leeren Bandagen schwammen auf dem Schlick und sogen sich langsam mit dem brackigen Wasser der Kanalisation voll. Sie zitterten , als ein Schwarm schwarz glänzender Käfer daraus quoll, über das Wasser paddelte und in die Ritzen und Fugen der Kanalisationsmauern verschwand.

»Was bei den Göttern war denn das?« fluchte Broudi. »Und was immer für einen Zauber das Wesen sprechen wollte. Es ist ihm wohl nicht gut bekommen. Gute Arbeit Meister Belfour.« Der Sergeant streckte sich und steckte seine kleine Armbrust wieder weg. »Immerhin zeigt uns das, dass wir auf dem richtigen Weg sind.« Er wirbelte herum, als er hinter sich Geräusche vernahm.

[Bild: ratling.jpg]
»Es hatte doch nicht hierein kommen können.« zischelte ungläubig der alte Rattling. »Achotoshs Segen liegt doch über diesen Hainen.« Vorsichtig kamen ein paar der gebückt laufenden, grau bepelzten Wesen aus der Deckung hinter den Gewächsen. Angst aber auch Bewunderung spiegelte sich in den schwarzen Knopfaugen, die die kleine Gruppe Geisterjäger beobachteten. »Ihr habt eines dieser unwirklichen Wesen bezwungen!«
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#10

Meister Belfour Isenheim

Runenkünstler
Zwerg
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Es ist noch nicht vorbei, wusste Belfour, als er mitansah, wie der kräftige Schlag Djangos die Mumie gegen den Bannkreis stieß. Sie saß in der Falle und der Zwerg erlaubte es sich, einen Moment die Augen zu schließen, heftig zu atmen und zu hoffen, dass nun alles überstanden war. In der Ferne hörte er den Sergeant nach der Armbrust rufen, aber dem Zwerg entging für den Moment der offensichtliche Zusammenhang.
Dann ließ er den Moment der Erschöpfung an sich vorüber ziehen und stellte sich wieder ganz dem Leben. Die Geräusche wurden lauter, die Atmung langsamer und sein Gesicht entschlossener. Die Klinge holte ein letztes Mal gegen den Bannkreis aus.
Meister Isenheim war zufrieden. Gute Bannkreise konnten Jahrhunderte überdauern und selbst unter ständigem Beschuss von Geistern und Unheilbringer stellten sie doch die wirksamste Methode zum Schließen der Löcher zwischen verschiedenen Welten dar. Der ganze Quatsch, dass es nur eine Welt gab, die sie sich wie Schichten mit den verschiedensten Dämonen, Geistern und Erinnerungen teilten, war eine Erfindung der gradlinig denkenden Menschen. Wenn überhaupt.
Belfours Gedanken sammelten sich schlagartig, als die Mumie ihn musterte. Unter den Tüchern war natürlich keine Regung zu sehen, aber dennoch wusste der Zwerg, dass der Gesichtsausdruck... gehässig war. Nicht ganz das, was er unter einem Besiegten verstand.
Als der Strahl kam, war er so überrascht, dass er sich nicht duckte. Die Augen verbrannten mit ihrem Blitz sein kleines Spielzeug, um das es an und für sich nicht so Schade war, wenn er dafür mit heiler Haut davon kam. Seine Finger umklammerten den Magierstab fester, um ihn wie ein Schild gegen einen weiteren Angriff einsetzen zu können, als eine Stimme wie aus dem Nichts sein Ohr erreichte – und dort beinah bedeutungslos verhallte.

Belfour war nie der gelehrigste gewesen, egal wie viele Bücher er verschlungen hatte. Jetzt schien ihm seine Wahrnehmung einen Streich zu spielen, denn aus längst vergessener Wissensquelle reihten sich die Worte aneinander, verschmolzen und gaben eine uralte Sprache preis, deren Worte wie Runen an ihm vorüberzogen. In der Tat hatte er sie noch nie ausgesprochen gehört. Es waren die Zeichen gewesen, die er damals in mühseligen Stunden gelernt und vergessen hatte. So schaurig war es, dass er die eher einfallslose Warnung der weiblichen Stimme übergehen konnte.
Als die Mumie sich zu sammeln schien und er das magische Beben fast in seinen Bergknochen spüren konnte, er den Griff fester um seinen Stab legte, da verstrich der Moment und der Schmerz, den die Kreatur ausstieß, verhallte in den Gängen.

Erst jetzt wagte der Zwerg es wieder zu atmen. Seine nassen, glitschigen Finger fuhren sich durch den Bart und vollendeten somit das Bild eines dreckigen, stinkenden, kleinwüchsigen Kurzbärtigen. „Was auch immer es war“, sagte Belfour, der das kurze Lob mit einem anerkennenden Nicken in Djangos Richtung weitergab: „Ich bin mir nicht sicher, ob der Bannkreis es gänzlich zerstört hat, oder ob es zurückgerufen wurde.“
Und ob es sich überhaupt lohnte, dieses Etwas zurück zu rufen.
Die drängende Frage, wer mit dieser alten Sprache sich noch verständigte, wurde auf einen späteren Zeitpunkt vertagt. Wenn irgendwann ein kühles Bier seine Kehle hinunter rann, hatte er bestimmt eine passende Antwort parat.
Jetzt waren sie – genau wie der Sergeant sagte – nur auf dem richtigen Weg.

Als die Rattlinge zurück kamen, hatten sie nur die halbe Aufmerksamkeit des Runenkünstlers. Seine Finger hatten die Meißeln aus den schlickigen Manteltaschen hervor geholt. Präzise zog er die Linien auf seinem Magierstab nach und grummelte dabei ein paar unzufriedene Worte. Dort, wo der Schutzauber gewirkt hatte, waren die Muster dünner geworden, fast verblasst. Doch jetzt konnte er sich nicht mit der gesamten Kunst aufhalten. Jetzt musste allein der praktische Aspekt zählen.
Als der Anführer der kleinen Bande Kahlschwänze das Wort erhob, blickte Belfour auf und fuhr sich durch den kurzen Bart. Die Stimmung hatte sich geändert. Die Feindseligkeit schien nicht mehr die Luft zu tränken, auch wenn Vorsicht vermutlich besser war als Nachsicht: „Es wird auch nicht der letzte sein“, brummte Belfour bestimmt. Seine Worte waren normalerweise rar gesät, aber in diesem Moment schien es wie einer Kampferklärung gleich zu kommen: „Wir wollen den Puppenspieler dieser Kreaturen höchstpersönlich gegenübertreten und ihm den Gar ausmachen.“ Sein grimmiges Lächeln verwandelte ihn wohl zum ersten Mal in eines jener zornige Zwerge, denen sich niemand in den Weg stellen wollte: „Auch wenn der Überraschungsmoment uns wohl genommen wurde.“
Der Meister war fertig mit seinem Stab. Wehmütig blickte er zu der noch immer drehenden, schimmernden und total verrauchten Suchmaschine. Er watete hinüber und griff danach. Verschmolzen war alles, das er irgendwie gebrauchen könnte. Nun gut.
Er stapfte weiter zu Django: „Darf ich die Linien deines Amulettes nachziehen?“, fragte er, während er noch immer die Augen auf den Rattlingen ließ. Der Sergeant hatte bereits ein großes Geschick erwiesen, als er vorher mit ihnen verhandeln wollte.
„Wenn ihr den Weg wissen würdet, wäre das uns sehr geholfen“, warf Belfour noch ein: „Auch wenn wir die dunkle Brut so oder so drankriegen.“
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