die kleine umgedrehte Pyramide
#1
Tief unter den ehemaligen Zwergengängen, die das Fundament der Stadt Aron stützen, befindet sich schon seit unzähligen Generationen ein kleines, unbeachtetes Bauwerk. Kaum eine sterbliche Seele kennt die verschlungenen Gänge die derart tief in die Eingeweide der Erdmutter führen. Hier hat vor jahrtausenden ein exotisches Haus des nachtschwarzen Volkes einen Vorposten errichtet, um über die Energielinien, die sich tief unten durchs Gestein winden zu wachen.









[Bild: egyptdrow.jpg]

Isu verließ ihre Trance und öffnete die violetten Augen. Missmutig blickte sie über die arkanen Hieroglyphen und glimmenden Artefakte die über den Knoten wachten. »Jeathur. Bei den Flüchen Mah’s wer soll das sein?« Ein Name, der wie ein Geist durch das zarte Netz der arkanen Energien gewabert war.

»Neothep. Begib dich in die oberen Gefilde und bringe in Erfahrung, mit welchen Mächten diese unwürdigen Würmer wieder meinen herum spielen zu müssen.« Die schwerfällige Mumie nickte stumm und schlurfte von dannen. Viel intelligenter war Isus Bruder auch vorher nicht gewesen, aber nun führte er wenigstens anstandslos ihre Befehle aus.

Sie versenkte sich wieder in ihre Trance. Es war nur ein kleine Flux. Nichts was das Gleichgewicht der Laylinien beeinträchtigen würde. Ihr Geist wachte weiter über die Energien, die geordnet zur großen umgedrehten Pyramide flossen, die weit weg und tief unter dem ewigen Sand in Bryar ruhte.
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#2
[Bild: egyptdrow.jpg]

Mirago vom Sinwellturm bist Du also. Ein siegesbewusstes Lächeln spielte über die dunklen Lippen. Es fügte sich alles ineinander. Die Fäden des Schicksal verbanden sich zu den Knoten, die Isu angelegt hatte. Sie sind alle so leicht zu benutzen. Der durchaus mächtige Zauberer, der seinen Körper weit über dessen Zeit in dieser Welt hielt, genau so wie ihr hitzköpfiger Bruder. Die Zwergenkönige die über ihren Stützpunkt gehaust hatten und die eingebildeten Würmlinge, die sich Könige und Weise nannten. Sie hatten alle die gleichen Schwächen und damit auch die gleichen Nützlichkeiten. Es hat schon so seine Ordnung, dass die Männer auf dem Spielfeld stehen und die Frauen die Regeln und die Züge lenken. Die naturgegebene Ordnung, nach denen ihr Volk sich so erfolgreich seit Äonen organisierte. Kurz öffnete sie einen Spalt die Lider über den violetten Augen und beobachtete den Strom der Insekten, der in einen der bereitstehenden Sarkophage strömte. Willkommen zurück, du kleiner Versager von einem Bruder. Aber er war nützlich. Und solange er ihr nützlich war, würde sie ihn nicht in die Ewigkeit des Keku-semau entlassen. Kurz strich ihr Blick noch über die Kanopen, die die Innereien ihres Bruders enthielten bevor sie sich wieder ihrer Trance widmete und das weitere geschehen weit über sich verfolgte. Zu den nächsten Spielzügen.
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#3
[Bild: egyptdrow.jpg]
Was war das? Isus Geist schwebte aus den Tiefen ihrer Trance wo er über den Abgründen der unwirklichen Existenzen schwebte, hinauf in die profane Enge der sterblichen Sphäre, die derzeit ihren Körper umschloss. Irgend etwas hatte sie berührt. Wie leichte Stupser eines umher suchenden Insektes, das mit seinen hauchzarten Fühlern an ihre Wahrnehmung tippte. Oder wie eine feine Nadel, die kaum bemerkbar über die Haut strich. Fein und zerbrechlich wie eine Kompassnadel.

Scheint so, als wäre deine Ruhe nur von kurzer Dauer, armer kleiner Bruder. Du wirst dich beeilen müssen und mir wieder Auge, Ohr und hm... ihre feinen geschminkten Lippen verzogen sich zu einem diabolischen Lächeln. ...Klinge sein müssen.

Ruckartig hob sie die feingliedrigen ebenholzschwarzen Arme in die Höhe, intonierte einen disharmonischen Gesang aus unheilvoll klingenden uralten Worten und zwang die Energien auf deren Quelle diese Pyramide erbaut worden war in den verzierten Sarkophag neben ihr. Erwache, mein kleiner Bruder! Erwache! Und diene mir!

Verderbnis und Unheil troff über die alten ehrwürdigen Steine. Energien des Kosmos und dieser kleinen Welt wurden von dunklen zarten Fingern und goldbesprenkelten Lippen unbarmherzig geschändet und in vertrocknetes Fleisch und mürben Bandagen gezwungen.

Knirschend schob sich der schwere Deckel des Sarkophages ein Wenig zur Seite. Stück für Stück öffnete sich langsam das Totengefäß. Wallende, dunkle Nebel waberten aus den Ritzen. Flackernd erglimmten in kränklich grünlichem Licht zwei leuchtende Punkte im Schatten des kunstvoll verzierten Sarges. Halt suchend klammerte sich eine mit bräunlichen Bandagen verhüllte Kralle an den goldverzierten Rand und ein guturales Stöhnen hallte in dem alten Gemäuer.
Erwache, mein kleiner Bruder! Und höre meinen Auftrag!
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