Das Haus der Heilerin
#1
Das Haus der Heilerin

Aron beherbergt so manch kräuterkundige Frau, erfahrene Hebamme oder langjährigen Apotheker. Den Militärärzten der Kaserne kann man nichts vormachen, geht es um das Schienen von gebrochenen Knochen, das Nähen von geteiltem Fleisch oder das Versorgen einer Platzwunde. Trotzdem kommt den meisten Bewohnern dieser Stadt nur ein Ort in den Sinn liegt jemand im Fieber. Im östlichen Stadtteil findet sich das Heim und gleichzeitig die Praxis von Eriana Sternfeuer.

Die Türe ist nie versperrt, weder bei Tag noch des Nachts, tritt man herein, wird man vom Duft mannigfaltiger Kräuter begrüßt, in den sich der saubere Geruch frischen Leinens und gereinigten Fettes mischt.
Im Erdgeschoss befindet sich ein großer Behandlungsraum, an dessen Wände unterschiedlich hohe Schränke stehen, ein schwerer Eichentisch nahe des großen Fensters ist der Ort, an dem Eriana die meisten ihrer Arzneien herstellt, auch wenn das Haus ein kleines Labor beherbergt. Der Kamin ist Sommer wie Winter mit Holz bestückt um schnell angefacht werden zu können. Zwei Behandlungstische stehen bereit, auf welchen sich die Patienten niederlassen können. Alkoholische Pflanzenauszüge schwappen in dunklen Flaschen an langen Wandbrettern, in den Laden verstecken sich von einem hochtalentierten Feinschmied angefertigte Gerätschaften, dessen Sinn und Zweck sich nicht sofort erschließen mag. Kleine Säckchen mit gebrannten Mandeln stehen für die kleineren Patienten bereit. Der angrenzende zweite, wesentlich kleinere Behandlungsraum, bietet auch ein Bett und einen Waschtisch.
Weiters finden sich im Erdgeschoss die Küche, eine enge Speisekammer sowie ein kleines Studierzimmer. Im ersten Stock befindet sich Erianas Schlafzimmer, mehrere Krankenzimmer und inzwischen hat auch die menschliche Heilerin Mizara d'Gni dort einen Raum bezogen, den sie ihr eigen nennen kann. Die blonde Heilkundige ist besonders geschickt mit Kräutern und dementsprechend oft im Wald zu finden. Abschließend ist noch der Dachboden zu erwähnen, welcher mit allerlei Dingen vollgestopft ist. Alte Möbel und Erinnerungsstücke teilen sich den Platz mit Nahrungsvorräten, Heilpflanzen die hier trocknen oder Zubereitungen die von den Heilerinnen auf Vorrat angefertigt wurden.
Ein Garten liegt seitlich und vor allem hinter dem Haus. Man kann durchaus erkennen, dass Beete angelegt wurden, dass die Elfin ihren Garten pflegt. Doch an sich lässt man hier der Natur die Hand, die Pflanzen wachsen dort wo es für sie gut ist, selten nur greift Eriana in das Gefüge ein. Eine stattliche Weide steht im vordersten Drittel des kleinen Reiches, fast wie ein Wächter breitete sie ihre Äste aus. Bevor Eriana hier hergezogen war, stellte dieser Baum das einzige gesunde Gewächs des ganzen Gartens dar. Sie erinnert sich noch daran, wie sie ihr das erste Mal etwas Rinde genommen hatte, für einen fiebersenkenden Tee. Von manchen der hier gedeihenden Pflanzen wissen selbst die Kräutergelehrten der Menschen nicht, welche Gifte oder welche Heilung in den Wurzeln, Blättern, Rinden und Blüten verborgen liegt. Oder sie haben es schon längst vergessen.

Im Haus der Heilerin ist ein jeder willkommen, egal welcher Rasse angehörig, gleichgültig ist Volk oder Stand. Die Frau bietet ihre Dienste zu einem angemessenen Preis, gelegentlich vergisst die vielbeschäftigte Heilkundige jedoch auch ihr Können in Rechnung zu stellen.


(Was sich bisher im Haus der Heilerin zutrug, kann hier nachgelesen werden.)
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#2

Eriana Sternfeuer

Heilerin
Elf
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<----  Südliche Stadttore

Die vertrauten Straßen des Ostviertels waren der Heilerin eine Wohltat. Der Duft frischgebackenen Brotes lag in der Luft, mischte sich mit dem Geruch von Sägespänen, einer Ahnung von Essig und der Farbe eines frisch getünchten Hauses in das Parfüm des Handwerkerviertels. So schnell sie es unter Berücksichtigung auf Mizaras Zustand konnte, schritt die Elfin aus während das eigentliche Kutschpferd ruhig hinter seiner Herrin drein schritt. Selten nur brach der stete Takt der auf Kopfsteinpflaster aufkommenden Hufe, zumeist da das Tier Alwina zu Nahe gekommen war. Zum Glück scheute das Pferd nicht sondern trat lediglich einen schnellen Schritt auf die Seite. Offenkundig war ihr das nach Raubtier riechende Wesen unangenhem, doch das Vertrauen in die den Zügel führende Frau überwog.
Endlich stand die kleine Gesellschaft vor den Türen der Praxis. Beinahe hatte die Heilerin schon befürchtet dort geduldig wartende Patienten vorzufinden, doch zur Erleichterung der Langlebigen waren es nicht Kranke oder Verletzte welche grüßend die Hand hoben als sie den Garten betrat, sondern nur die Äste ihrer Weide, welche sich im warmen Wind eines voranschreitenden Sommertages wiegten.

"Geschafft." sprach Eriana schlicht.
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#3

Alwina Eamonstochter

Wolfselfe
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Die Blicke saßen Alwina noch immer im Nacken, als sie die Oststraßen entlang gingen. Noch vor ein paar Augenblicken war sie darauf vorbereitet gewesen, die Tasche fallen zu lassen und mit überhöhter Geschwindigkeit das Weite zu suchen. Vorzugsweise in die Stadt hinein als hinaus. Umso überraschter war sie, dass der Elf sie erkannte und ziehen ließ und wie positiv alle auf die ihr noch unbekannte Elfenheilerin zu sprechen waren. Aber Eamon hatte auch eine gewisse Zuneigung von allen im Dorf erhalten, es wäre nicht verwunderlich, wenn das bei Eriana ähnlich wäre.
So legten sich ihre Befürchtungen ein wenig, als sie endlich die Stadttore hinter sich hatten und so musste die Wolfselfe nur darauf achten, den anderen Wesen immer auszuweichen. Wenn diese es nicht von selbst taten.

Als Erianas Haus in Sicht kam, bellte sie kurz auf vor Freude und verschreckte so das arme Pferd noch ein wenig mehr. Es störte sie kaum. Vor dem Haus waren frische Gerüche von anderen Menschen, aber die waren hier schon so alltäglich, dass Alwina sie kaum mehr wirklich wahrnahm.
„Das habt Ihr gut gemacht, das mit den Wachen“, sagte Alwina anerkennend: „Die mögen richtige Elfen sehr. Der Soldat hat mich auch nur gehen lassen, weil wir dieselbe Muttersprache sprechen.“ Sie öffnete die Türe und half der tragenden Eriana so hinein: „ich dachte schon, ich müsste wieder weglaufen, aber sie rochen alle so, als würden sie Euch respektieren.“
Im Haus angekommen verhielt sich der Gast wie selbstverständlich.
Sie klopfte Mizaras Bett aus und half der Elfe das Mädchen ohne Schuhe und Umhang hinein zu legen. Als Eriana sie wie Wild getragen hatte, hatte Alwina ein wenig gebraucht, um sie nicht gleich anzugreifen. Aber dann bemerkte sie, dass es nur zum tragen diente. Ob das alle Zweibeiner so taten?
„Du riechst auch müde“, sagte Alwina in der Elfenzunge. Sie war eines der wenigen Wesen, die die Sprache freudig und locker sprechen konnte, ohne allzu viele Floskeln hinein zu versetzen: „Möge die Nacht dir gute Träume bescheren“, sagte sie feierlich und schaute dann etwas verwirrt in die Morgensonne. Dann erinnerte sie sich und übergab der Frau noch schnell ihre rote Tasche. Die roch fast so wie die von Eamon. Nur ein paar Pflanzen unterschieden sich und irgendwie konnte Alwina auch kaltes Metall unter dem Leder riechen.
Sie selbst würde jetzt erst einmal ein wenig die Küche plündern. Brot war schnell gefunden. Die Wolfselfe hatte die Fleischbestände in den letzten Tagen drastisch reduziert, da wollte sie nicht noch das letzte nehmen. Der Umhang, den sie getragen hatte, landete an dem Ort, an dem sie ihn her hatte: an dem Kleiderständer mit Erianas Roben.
Dann fand sie ihre Nische, die nur so aus Decken bestand, entkleidete sich, rollte sich zusammen und versuchte gesättigt doch zu schlafen.

Es war schon merkwürdig, dachte sie dort während sich ihre Gedanken verlangsamten. Sie hatte den Stein zu ihrem Schmuck gelegt, aber jetzt konnte sie fühlen, wie er gleichmäßig pulsierte. Dabei hatte der Mann ihn doch nur vor den Stadtwachen bewahren wollen. Und Mizara hatten sie wiedergefunden und obwohl sie keinen Kratzer hatte, wirkte sie doch ziemlich verletzt. Und die fremde Elfe war plötzlich wieder die Herrin des Hauses, indem Alwina schon lange ohne ihre Erlaubnis verweilt hatte. Und sie hatte einen Mann gebissen und niemand hatte mit ihr geschimpft. Es war wirklich viel geschehen.
Und ich habe vergessen im Wald zu jagen., waren ihre letzten Gedanken, als der Schlaf sie selbst übermannte.
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#4
[Bild: Rukal_eisenfels.jpg]
Rukal und Drokan Eisenfels saßen im Wartezimmer des Hauses. Dort wo kein Bart und die zerissene Kleidung die Sicht verdeckten, waren Blessuren und notdürftig verbundene Verletzungen zu erkennen. Ihre Unterhaltung, die in tiefer Stimmlage und zwergentypischer Lautstärke geführt wurde, dröhnte durch das kleine Haus.

„Beim großen Amboss, das war ein Festchen, was?“ Rukal lachte kehlig, griff sich dann aber mit schmerzverzehrtem Gesicht an die Brust und hustete. „Ich hab' mich nicht mehr so schön geprügelt seit Arkoshs Beerdigung. Uff.“ Er atmete ein paar mal heftig. „Gaukler hin oder her, der ein oder andere hatte einen ganz schön kräftigen Schlag.“ Die beiden Zwerge stießen brüderlich die Fäuste gegeneinander, lehnten sich zurück und kicherten grummelig, wie zwei Lausejungen, die in der Klosterschule gerade zum Abt beordert worden waren und auf seine Standpauke warteten.

Rukal wurde ernst. „Hammer- und Stollenbruch. Wir sind aber leider nicht hier um uns zu amüsieren, Drokan.“ Er seufzte aus tiefsten Herzen. „Beim großen Amboss. Ich war mir so sicher, dass die kleine schwarze Kröte sich das nicht entgehen lassen würde. Gaukler, Geschichtenerzähler, Zaubertricks. Das hätte ihn anziehen müssen wie Licht eine Motte. Bei dem was er immer alles angestellt hatte um irgendwie dabei zu sein, wenn ein Skalde in der Halle auftrat – Da hätte ihn kein Adamantschloss davon abhalten können.“ Die beiden grobschlächtigen Zwerge lehnte sich in stiller Erinnerung zurück. Ein seltsamer wehmütiger Blick stahl sich in ihre harten Züge. „Wie zum Beispiel als er die Grottenolmrotte zur Ablenkung ins Vorratslager gescheucht hatte. Der alte Grogrimm hatte geschrien wie ein kleines Mädchen. 'Meine kostbaren Vorräte. Meine kostbaren Vorräte' “ äffte der Zwerg in einem schlecht nachgemachten Falsett den ehrwürdigen Alchemisten seines Clans nach. Drokan hielt sich den Bauch und versuchte vergeblich ein Kichern zu unterdrücken, was seinen gebrochen Rippen nicht gut tun würde.

„Aber in diesem wuseligen Ameisenhaufen werden wir ihn in dreißig Wintern nicht finden.“ seufzte Drokan. „Die Kanalisation wimmelt von Rattlingen und Zombies. Da ist er nicht mehr. In einigen Geschäften wie Corilles Allerlei oder bei diesem alten Krämer hat er Unfug angestellt. Im Bonzenviertel wurde er gesehen. Selbst in diesem dreimal verhexten Wald waren Spuren von ihm. Aber immer war er uns drei Bartlängen voraus. Es ist zum Haareraufen. Beim großen Amboss, wir sollten das aufgeben. Wir vertrödeln hier nur sinnlos unsere Zeit mit diesem dreimal verfluchten Spitzohr.“ Drokan stöhnte auf und setzte sich wieder hin. „Und das hier?“ Rukal zog einen der Steckbriefe hervor, auf denen unscharf eine dunkelhäutige kleine Person gezeichnet war. „Willst Du Moria unter die Augen treten und ihr beichten, dass der Kleine das ungewisse Schicksal eines Vogelfreien angetreten hat, weil wir ihn nicht sicher abgeliefert haben?“ Mit absoluten Horror in den Augen, wie man es bei einem Zwergen selten sieht, verstummte Drokan und senkte den Kopf.
„Schlagwetter nochmal. Du hast recht. Also gut. Lass uns uns von dieser Eriana zusammenflicken und dann spüren wir weiter. Und wenn es Jahrzehnte dauert.“

„Hoffentlich taugt die Heilerin auch was. Ich wäre ja lieber zu einem ordentlich Feldscherer wie dieser Barbier überm schwarzen Schaf gegangen. Aber dieser Knilch meinte diese Eriana wäre brauchbarer. Mal sehen. Oh, da kommt wer.“ Die beiden Zwerge standen höflich von den etwas zu großen Stühlen auf, stützten sich aber zähnezusammenbeissend ab.
„Glückauf. Meisterin Eriana...“ Rukal verstummte verlegen, als er noch hektisch den Steckbrief in eine seiner Gürteltasche nestelte. „Schlagwetter nochmal. Ein Spitzohr. Wir hätten doch zum Feldscherer...“ brummelte Drokan leise in seinen Bart. „Schscht“ zischte ihn Rukal zurecht.
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#5

Mizara d'Gni

Heilerin
Mensch
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Mizara war deutlich müder als sie sich selbst eingestehen wollte. Das einzige, was sie wohl noch wach gehalten hatte, waren Aufregung und Angst gewesen. Doch dann kamen die ganzen Soldaten und machten Jagd auf die Räuberbande und währenddessen tauchte die alte Heilerin Eriana wie aus dem Nichts auf und nahm sie in ihre Obhut. Dies, und die unerwartete Begegnung mit der Wolfselfe Alwina hatten das zurückhaltende Mädchen noch einmal aufgewühlt, aber irgendwann machte sich Geborgenheit und Sicherheit in ihr breit und gaben den Weg frei für die unglaubliche Müdigkeit, die diese ereignisvolle Nacht in ihr hinterlassen hatte.

Sie musste irgendwie auf dem Weg nach Aron eingeschlafen sein. Im Halbschlaf bekam sie mit, wie helfende Hände sie zuerst stützten, danach trugen und jetzt in ein Bett legten. Sie fühlte sich in der Gesellschaft der Elfe und des Mischlingswesens so sicher, dass sie nie vollständig erwachte, was sicherlich auch an dem leichtfüßigen Gang ihrer Kollegin lag. Jetzt, da sie in ihrem Bett lag, fiel sie die junge Frau in einen so tiefen Schlaf, der sicherlich den einen oder anderen beunruhigt hätte. Aber Eriana hatte genug Verwundete von Schlachten und Überfällen versorgt, sie würde sie einfach schlafen lassen. Nicht, weil ihr Körper den Schlaf bräuchte, sondern vor allem ihr Geist. Es würde wohl einige Zeit dauern, bis dessen verletzungen Verheilt war und sich die Kräuterkundige wieder alleine in den Wald trauen würde.
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#6

Eriana Sternfeuer

Heilerin
Elf
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Mit Alwinas Hilfe war es ein leichtes gewesen Mizara die Treppe hinauf und in ihr Bett hinein zu befördern. Die Blonde atmete tief und ruhig. Manchmal war die junge Heilkundige kurz am Weg erwacht, doch die Erschöpfung hatte sie schnell wieder zurück in die wohlwollenden Arme des Schlafes gezogen. Eriana schloss leise die Tür hinter sich. Der Geruch von getrockneten Kräutern und gereinigtem Fett umfing sie dabei wie ein wärmender Mantel. Sie verlagerte das Gewicht und das leise Knarren der Bodendielen sang dazu. Die helle Hand der Elfe glitt wie nebenher über ein niedriges Beistelltischchen am Gang. Ein sanftes Lächeln lag in den Zügen der Heilerin als die Wolfselfe ihr gute Träume wünschte. „Schlaft wohl Alwina. Ich muss mich nur noch rasch um das Pferd kümmern, dann werde auch ich etwas Ruhe suchen.”

Eriana trat in den Garten und sah kurz der Stute zu, wie sie selektiv die kleinen Kleeinseln im Gras abfraß. Eine Aura von simplen Glück und Frieden umhüllte das grasende Tier. Das Heim der Heilerin kam ohne Stall aus, denn ihre Pferde waren stets bei einem alten Freund untergestellt gewesen, ebenso ihr ausladender Wagen. Der Gedanke nun durch das halbe Ostviertel laufen zu müssen um ebendiesen Freund aufzusuchen, schien der müden Elfe augenblicklich zwar nur wenig verlockend, doch sie konnte die Stute schlecht mehrere Stunden an ihre Weide binden. Alwina rollte sich eben in ihre Decken, als die Hausherrin das Kutschpferd nochmals am Zügel nahm und die Straße betrat.

Keine Stunde später kehrte die Elfe schon zurück. Sie stieß ihr Gartentor auf und übertrat mit einem langen Schritt die Grenze aus Stein, welche das wilde Meer, das die Stadt Aron darstellte, vom ruhigen Hafen ihres Heimes trennte. Eine kleine Insel wo ein jeder willkommen war der Hilfe suchte.
Es ist sicher klug vor meinem Besuch in der Bibliothek einen Blick in die Vorratsschränke zu werfen. Mizara wird eine leichte Gemüsesuppe gewiss wohltun sobald sie erwacht. Ich muss sehen das mir jemand meinen Wagen holt und … Der rumpelnde Bass eines ziemlich laut sprechenden Mannes rollte durch das Haus und unterbrach so die Gedanken der sich nähernden Heilerin. „Hoffentlich taugt die Heilerin auch was. Ich wäre ja lieber zu einem ordentlich Feldscherer wie dieser Barbier überm schwarzen Schaf gegangen. hörte es die Langlebige selbst durch das geschlossene Holz der Tür schallen. Ah, so viel zu tun. Die Augen der Elfe glimmten und ein unleugbarer Ausdruck von Amüsement lag darin. Es war als sei sei nie fort gewesen. Die schlanken Finger umschlossen den Türknauf und verrieten so den Wartenden dass sich jemand anschickte einzutreten.

Kaum war sie in den Flur getreten, korrigierte die hochgewachsenen Gestalt ihren Blickwinkel nach unten. Lautstärke und Dialekt waren so zwergentypisch gewesen, dass die Elfe nicht im Ansatz darüber erstaunt war nun zwei des Schmiedevolkes vor sich zu sehen. Andersherum war die Überraschung eindeutig größer, die beiden Krieger hatten wohl eine Menschenfrau erwartet. Eriana neigte den Kopf zum Gruß und lies den routinierten Blick über die lädierten Männer und ihre nicht zu übersehenden Verletzungen schweifen. Blattgrüne Augen blieben an einem schon etwas abgegriffenen Stück Papier hängen, das eilig weggepackt wurde, während die feinen Ohren gekonnt das gebrummelte Kommentar des etwas weiter weg stehenden Zwerges überhörten.
„Ich Grüße Euch, Söhne der Berge. Wie ich sehe wurdet ihr verwundet.” Die Heilerin trat an ihren Gästen vorbei ... „Gewiss nur Kleinigkeiten für einen gestandenen Zwergen, doch es war klug zu mir zu kommen” ... und öffnete die Tür zum großen Behandlungsraum. „Bitte, meine Herren.”

Eriana folgte ihren Patienten in den sauber aufgeräumten Raum, durch dessen große Fenster die Sonne ihren freundlichen Schein warf. Getrockneter Salbei hing von der Decke, mehrere ordentlich gefaltete Leinentücher lagen bereit und sogar der Kamin war mit Holz bestückt, sollte schnell heißes Wasser gebraucht werden. Die Elfe lächelte und ihre Gedanken flogen kurz zu der schlafenden Maid im ersten Stock hinauf.
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#7
[Bild: Rukal_eisenfels.jpg]
Humpelnd,aber stolz darum bemüht sich nichts anmerken zu lassen folgten Rukal und Drokan der Aufforderung einzutreten. „Höflich ist sie ja.“ murmelte Drokan.
Kurz hielten sie an und streckten ihre Fäuste in einem Stein-Axt-Balken-Spiel, welches entschied, das Drokan sich als erster auf den Behandlungsstuhl setzte.

„Ouh. Schlagwetter nochmal! Das brennt wie ein Schluck Steigerbrand...“ fluchte Drokan, als ihm die erste Wunde ausgewaschen wurde. Wütend blickte er die Elfe an. Dann besann er sich, dass es nicht sehr stattlich wirkte, wenn er vor einer Frau, einer Elfe noch dazu, derart quengelte. Er brummte noch etwas und ertrug die restliche Behandlung steif und schweigend. Vielleicht biss er die Zähne knirschend zusammen, aber das war unter dem zotteligen langen Bart nicht auszumachen. Die beiden waren kräftig zugerichtet. Prellungen, Abschürfungen, die ein oder andere angeknackste Rippe und Splitter von Tonkrügen oder Holzmobiliar in den Wunden. Sie gaben ein reichhaltiges Zeugnis davon, das es auf dem Gauklerfest später kräftig zur Sache gegangen sein musste. Ab und zu brachen sie ihr mürrisches Schweigen und murmelten etwas wie „Das hab ich diesem betrunkenen Hurensohn Arim zu verdanken“ oder ein „Das bekommt dieser einfältige Wachmann zurück, wenn ich ihn nochmal treffe.“ Ob sie Gehirnerschütterungen davon getragen hatten, war zwergentypisch schwer zu diagnostizieren, aber immerhin schienen sie sich bei jeder Verletzung zu erinnern, von wem sie sie erhalten hatten.

Im Laufe der Behandlung gab sich Rukal einen Ruck. Er erwartet eigentlich nicht Erfolg zu haben, aber besser zu oft, als einmal zu wenig gefragt. „Meisterin Eriana...“ begann er drucksend, während er das Blatt Papier aus der Gürteltasche hervorzog und mit seinen schwieligen Händen glatt strich, bevor er es ihr präsentierte.

„... seid Ihr vielleicht dem Kleinen hier in letzter Zeit begegnet? Der ist uns ausgebüxt, und wir würden ihn gerne in Sicherheit wissen, bevor noch irgend etwas Schlimmes passiert.“ Er räusperte sich verlegen. „Entschuldigt, wenn das jetzt auf irgendeine Art beleidigend gewesen sein sollte. Das ist eine schwierige Angelegenheit mit den Schwarzen von Eurem Volk, soweit haben wir das mit bekommen. Beim großen Amboss, wir ham ja auch unsere Händel mit denen.“
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#8

Eriana Sternfeuer

Heilerin
Elf
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Ihre bärtigen Patienten waren offensichtlich in eine Schlägerei geraten, oder hatten eine angezettelt, bei Zwergen wusste man das nie so genau. Sie losten und jener der lieber die Hände des Feldscherers zu seinem Wohl hätte arbeiten sehen, war als erster an der Reihe nun die Heilkünste der Elfe zu probieren. Eriana versorgte die Verletzungen schnell und offenkundig routiniert. Fischte mit Hilfe einer Pinzette kleine Tonscherbenstückchen aus offenem Fleisch, spülte die Wunden, beobachtete die Bewegungen der Männer und lauschte ihren Worten. Es klang, als hätten sie ihre Sinne noch soweit beisammen, was wohl weniger den metallenen Helmen als den darunter liegenden Dickschädeln des Schmiedevolkes zu verdanken war. Man könnte einen ausgewachsenen Bock gegen solch einen Zwergenkrieger rennen lassen und die Chancen stünden hoch, das dass Tier daraufhin wesentlich größere Kopfschmerzen hätte als sein Kontrahent.

Nach einer kurzen Weile, bat einer der Verletzten um eine etwas ungewöhnliche Auskunft und präsentierte ihr im Zuge dessen das vorhin so eilig weggepackte Papier. Erianas Blick verweilte kurz auf dem Bild eines vertraut gewordenen Antlitzes, huschte über die wenigen Zeilen und gewann einen deutlich kälteren Ausdruck als sie das Ende erreicht hatte. Der letzte Satz schlang sich um ihr Herz wie ein hungriger Lindwurm und biss zu. Nicht nur das sie derlei Maßnahmen generell aus tiefster Seele verabscheute, sondern auch weil die Worte ihre rotglühende, schmerzvolle Verheißung nach einem Jungen ausstreckte, der gerade erst begann die Jahre der Kindheit hinter sich zu lassen. Ein Dunkelelf welcher aus ihrem Fenster gesprungen war, hinaus in eine stürmische Nacht, um einen einzelnen Schmetterling zu retten der in seinem Kokon zu ertrinken drohte.
Die Elfe seufzte und schüttelte leicht den Kopf „Mir scheint ein jeder hat -so seine Händel- mit den schwarzen Brüdern. Nicht zuletzt auch sie selbst.” Man mochte ihr Verhalten, ihre Worte, für die einer Frau nehmen welche es Leid war. Leid das die verachtete Brut Zandurs auch ihr Blut teilte und ihre Existenz einen hässlichen Schatten auf das sonst so strahlende Dasein der Elfen warf.

Was hatte Taur über seine Vergangenheit erzählt? Der geprügelte Küchenjunge mit dem Zwergenstahlhalsreifen, der ihm langsam aber sicher zu ersticken drohte.
Die Heilerin tastete über den Brustkorb ihres Patienten welcher, spätestens als es zum ersten Mal leise knirschte, merklich die Luft einsog und danach erst Recht zu tun bekam, den dadurch provozierten Schmerz zu verstecken. „Eine eurer Rippen ist durch-, zwei weitere angebrochen. Doch es hätte weit schlimmer ausgehen können. Schont Euch einige Wochen und die Fraktur wird von alleine heilen. Solltet ihr Atemschwierigkeiten bekommen oder die Schmerzen schlimmer werden, kommt jederzeit zu mir. Tag oder Nacht. Doch nun gebt mir einen Augenblick, eine heilungsfördernde Salbe ist schnell zubereitet und ihr werdet froh darum sein.” Mit ihren Worten erhob sich die Heilkundige. „Außerdem könnt ihr damit auch gleich die Blutergüsse versorgen.”
Eriana war sich sicher, dass Mizara raue Mengen einer solchen Zubereitung auf Vorrat hergestellt hatte. Immerhin lebten sie im Ostviertel. Jeden zweiten Tag kam ein Handwerker zur Türe herein, der sich etwas geprellt oder verstaucht hatte. Mancher Lehrlinge Finger und Arme hatte sie schon in allen Farben schillern sehen. Doch die Elfe brauchte diese Salbe nun mindestens genauso sehr wie ihr Patient, nur auf andere Weise. Sie bedurfte etwas an Zeit denen sie den Zwergen nicht in die Augen sehen musste. Nur wenige Minuten die ihre Hände tun konnten ohne das der Kopf es kontrollieren musste, so das sie Gelegenheit zum nachdenken bekam. Tausende male schon hatte sie exakt diese Zutaten aus den Schränken gezogen und Mizara hatte ihr Ordnungssystem nicht um einen Zoll verändert. Lediglich als die hochgewachsene Frau an den Eichentisch trat, auf welchem sie die Utensilien zur Medikamentenbereitung aufgereiht hatte, merkte sie dass doch jemand anderes hier gearbeitet hatte. Die Menschenfrau war um einiges kleines als sie selbst, hatte anders gelernt. Die verschiedenen Mörser standen näher bei, sodass ein kürzerer Arm sie leichter erreichen konnte. Manche Gerätschaft war von links nach rechts gewandert. Die langen, dünnen Eisenstäbe mit dem flachen Enden aller Größen welche sie selbst doch recht oft benutzte, waren in einem Bündel zusammengefasst ganz zum Fenster hin geschoben worden und lagerten dort in einem irdenen Gefäß wie ein seltsamer Blumenstrauß. Dafür lagen viel mehr Baumwolltücher bereit und... natürlich, das Nähwerkzeug. Eriana brauchte es nur sehr selten, doch die junge Heilerin musste sämtliche Wunden, nicht nur ein paar, mit Nadel und Faden verschießen.

Mit wenigen Handgriffen war alles so wie die Langlebige es brauchte und so begannen ihre Finger und ihr Kopf voneinander unabhängig zu arbeiten, ohne das man es bemerken mochte. Eine ganze  Weile lang hörte man nur das Atmen und gelegentliche brummeln der Männer, wie das mahlen des Pistills in der Patene. Ob ich -dem Kleinen- begegnet bin... sie wollen ihn gerne in Sicherheit wissen... Fragt sich nur ob -in Sicherheit- nicht mit - fest in einen runenversiegelten Käfig eingeschlossen- gleichzusetzen ist. Eriana strich den Stößel ab, füllte einen Teil der Salbe in einen kleinen Tiegel ab und wand sich schließlich wieder ihrem Patienten zu. Mit leichten, geschickten Bewegungen verteilte sie die restliche Zubereitung auf den lädierten Stellen des massigen Brustkorbes „Sagt, wie kommt es das ein Dunkelelf zwei Zwergen ausbüchsen kann? Ich spreche nur für mein Volk, doch wenn zwei Krieger der Elfen einen der Schwarzen gefangen hätten, gewiss wären sie nicht um seine Sicherheit besorgt gewesen, sondern hätten ihn schlicht schnellstmöglich getötet.” Kurz dachte sie an Silberblatt zurück. Er hatte nur im letzten Moment verhindern können seiner langen Liste an getöteten Dunkelelfen einen weiteren Strich hinzuzufügen. Vorsichtig legten sich kühle Finger auf eine geringe, schon gereinigte Platzwunde an der Schläfe ihres Patienten. Als die Hand wieder zurückgezogen wurde, war die Verletzung vergangen.
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#9
[Bild: Rukal_eisenfels.jpg]
Skeptisch verzog der Zwerg seine Miene, sagte aber nichts. Vermaledeite Hexerei. Da verliert man nur den Respekt vor den Schmerzen. Er wollte nicht undankbar erscheinen, und diesmal war es nützlich, dass sie nicht zu viel Zeit verlören.

„Den Kleinen umbringen?! Beim großen Amboss, sicher hat er oft genug ein paar hinter die Löffel verdient, aber umbringen? So eine Grubenolmkacke.“ Rukal hob den Kopf und blickte Eriana mit zusammengekniffenen Augen durchdringend an. „Moment. Hammer- und Stollenbruch. Mir gefällt nicht, was Ihr da andeuten wollt, Spitzohr. Lasst Euch mal was gesagt sein. Diese Axt hier,“ Er schlug auf das wuchtige Werkzeug, das an seinem Rucksack baumelte, „Diese Axt hat mehr dunkelelfisches Blut gekostet, als Ihr an Euren feinen Patschepfötchen abzählen könnt.“ Der stämmige Kerl redete sich sichtbar in Rage. „Nur weil ein paar Eures Volkes endlich mal begriffen haben, an welcher Seite man ein Schwert anfässt, gibt es Euch das nicht das Recht, hier die Kampfkraft und Entschlossenheit eines Zwerges anzuzweifeln. Wir haben die große Halle unserer Binge mit dem Blut und den Eingeweiden dieser Dunklen Brut aufgewischt. Der ehemals weiße Marmor unserer großen Halle ist immer noch schwarz davon und kündet von den großen Heldentaten und der wiederhergestellten Ehre unseres Volkes. Viele gute Zwerge sind damals aus unseren Reihen gerissen worden. Gaskar, mein Freund aus früher Jugend, Holfir mein Mentor, Fjord, mein Waffenbruder und Gemahl der immer noch trauernden Moria, Hjulnir, Grout und viele mehr, deren Andenken ich nicht geringer achte, obwohl ich ihre Namen jetzt nicht nenne.

Vierhundertzwölf der besten Krieger des Clans Eisenfels stiegen hinab, um die Hallen unserer Ahnen zu befreien und nur fünfzig von ihnen blieben um davon zu berichten. Neunundvierzig um genau zu sein, aber Arkosh wurde vor drei Wintern von der Last der Zeit gefällt. Wir haben nicht gezählt wie viele Kadaver der dunklen Brut diese verfluchten Hauses wir den Scheiterhaufen übergeben haben, aber es müssen über siebenhundert gewesen sein. Ich habe damals zwar einen verfluchten Blitzstrahl abbekommen so dass jetzt meine Hände zittern nach längerer Anstrengung. Ausdauerndes Schmieden und Stollen vortreiben geht nicht mehr leicht von der Hand, so dass ich mich nun um Esel und Loren kümmere. Drokan hier hatte eine verfluchte Klinge die Kniescheiben zerschmettert, und das Gift daran seine Beinmuskeln verätzt. Er humpelt und kümmert sich seitdem darum, das in den Lagern alles seine Ordnung hat. Aber wir wissen immer noch eine Axt zu schwingen, also hütet Euch vor vorlauten Annahmen.“


Der Zwerg schnaufte noch mal aufgewühlt. Er trug sichtbar tiefere Narben mit sich herum, als die, die er nun behandeln ließ. Und nicht nur Körperliche. Die tiefe Stimme wurde leiser. „Über sechzig Winter ist das nun her, aber ich erinnere mich als wäre es der gestrige Tag. Diese dunkle, weißhaarige Hexe wollte sich mit erhobenen Dolch auf diese Schale stürzen, aber meine Axt spaltete ihr knirschend das Rückgrat. Sie wollte wohl verhindern, das es uns in die Hände fiel.“ Der Zwerg hielt kurz inne, sein Blick ging entfernt über den Graben der Jahre. „Er lag in dieser kunstvoll geschmiedeten, mit hellem Samt ausgeschlagenen Silberschale. Er nuckelte an seinen klitzekleinen Fäustchen und schaute mich mit großen, neugierigen Augen an, die fast das ganze Gesichtchen einnahmen.“ Die Augen des Zwergenveteranen fingen an zu glänzen. „Seine versabberte kleine Hand streckte sich und griff in meinen blutgetränkten Bart und er gluckste fröhlich. Der Kleine hatte in seinem kurzen Leben wohl noch keinen ordentlichen Bart gespürt. Richtig fest konnte er zupacken.“ Rukal räusperte sich ausgiebig. „Damit das klar ist. Wir hatten dem großen Amboss und der Erdmutter geschworen, keine Seele dieser verfluchten Brut zu schonen und ihr Schicksal Mahnung an alle zu sein, die Halle eines Zwergengeschlechts zu entehren. Aber was immer auch gesagt wird, auch das Herz eines Zwergen besteht nicht komplett aus Stein.“

Rukal löste Drokan auf dem Behandlungsstuhl ab und fuhr fort zu erzählen. „Aber in letzter Zeit wurde immer deutlicher, dass die Binge kein Platz für ihn war. Er wurde immer aufsässiger und brachte immer mehr Unruhe in die Hallen. Eigentlich wäre es schon längst an der Zeit gewesen, dass der Kleine seine Flausen in einer ordentlichen Handwerkslehre ausgetrieben bekommt. Aber dem spitzohrigen Volk wachsen keine ordentliche Bärte, die anzeigen, wann es an der Zeit ist, einen Mann aus dem Jüngling zu schmieden. Und was sollte er lernen? Schmieden? Steinmetzerei? Stollenbau?“ Rukal lachte, bis aber schnell die Zähne zusammen, als der reinigende Alkohol in seinen Wunden brannte. „Nichts für ungut, aber die dünnen Ärmchen und die typische elfische Ungeduld. Hammer- und sprichwörtlicher Stollenbruch, das wäre eine Katastrophe geworden. Das dunkle Volk neigt ja zur Hexerei, aber der alte Grogrimm, unser Runenmeister und Alchemist, weigerte sich vehement. ’Sprengpulver in einen Vulkan kippen, den ich bisher mit Mühe ruhig halten konnte?! Nicht mit mir.’ hatte er wütend erwidert. Ich muss zugeben. Der Kleine ist bis dahin nicht unbedingt mit der Verantwortung und Gewissenhaftikeit aufgefallen, die man zum Alchemiestudium mitbringen muss.“ Er kicherte bei dem Gedanken. „Naja Grogrimm sah nach einigen missglückten Experimenten auch schwarz aus, das hätte der Kleine gleich mitgebracht.“ Rukal wurde wieder ernst. „Geschichten und Lieder waren seins. Vielleicht hätte man einen Skalden auftreiben können, der ihn auf seine Reisen mitgenommen hätte. Aber mit dem dünnen Stimmchen hätte er sich in einer Halle kein Gehör verschaffen können. Wahrscheinlich hätte ihm sogar eine Wurfaxt den Schädel gespalten, eher man ihm gestatte hätte, den Mund zu öffnen.“

Der stämmige Zwerg zuckte mit den Schultern. „Was tun? Uns wuchs er über den Kopf. Also kam der Rat zusammen und unser Clanführer entschied, dass die berühmten Magister von Aron sicher mit ihm fertig werden würden und etwas aus ihm machen könnten. Tja, so war der Plan.“ Rukal lächelte gequält. „Wir sahen den Turm schon ganz nah im Osten aufragen. Fast wäre es geschafft gewesen und wir hätten zurück in unsere Binge heimkehren können. Aber das Volk, das sich hier im derart schlecht gebauten Westen rumtreibt, meinte ein paar Münzen abstauben zu können, wenn es vor unseren Bärten mit ein paar schartigen Klingen rumwedelt. Hoho, beim großen Amboss, da sind sie aber an die Falschen geraten, was Drokan!“ Der angesprochene grinste und nickte. „Diese Axt hatte schon Dunkelelfenhäuser ausgelöscht und ein paar Rumtreiber mehr oder weniger... aber das hatte ich ja schon. Nunja. Irgendwie hatte die gute Lotte in dem Gerangel was abbekommen, legte die langen Ohren an und ging durch.“ Der Zwerg seufzte. „Das Chaos hatte der Kleine dann genutzt um auszubüxen. Darin war er immer schon gut. Und so streifen wir nun durch diese verfluchte Stadt, um ihn aufzugreifen, bevor noch was passiert. Hammer- und Stollenbruch, genug Dummheiten hat er ja schon angestellt. Vielleicht wird er sich sogar noch mit irgendwelchen Weibsbildern einlassen. Vor seiner Gesellenprüfung. Pff. Die Spitzohren neigen da ja zu lockerer Moral.“

Er blickte auf den Steckbrief. „Schlagwetter nochmal. Hoffentlich kommt er nicht in schlechte Gesellschaft. Das hier ist ja in diesen Kreisen fast schon ein Empfehlungsschreiben. Naja, nur ein bisschen Gold, aber trotzdem.“ - „Weiches Zeug, gut für Lehrlinge und um Frauen zu behängen, damit sie nicht weglaufen.“ feixte Drokan und Rukal grinste mit. „Beim großen Amboss, Moria wird uns den Kopf abreißen, wenn sie spitz bekommt, dass ihr Kleiner auf die schiefe Bahn geraten ist und Taur Eisenfels seinem Clan noch mehr Schande bereitet.“

Rukal sah Eriana durchdringend an. „Moment mal. Ihr seid ihm begegnet. Leugnet es nicht. Ich hatte über sechzig Winter ein Spitzohr um mich herum, das mir, weiß der Amboss was alles an den Bart binden wollte. Ich hab dieses Jucken in der Nase und ich sehe es am Zittern Eurer Ohrenspitzen. Also....“ Er hielt Erinana seinen schwieligen Zeigefinger unter die Nase. Zumindest in die Richtung, so hoch er eben mit seiner Hand kam.
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#10

Eriana Sternfeuer

Heilerin
Elf
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Die Heilerin hörte zu.

Nachdem ihre Patienten den Platz getauscht hatten, setzte sie zwar sogleich die Behandlung fort, doch das sollte nicht heißen dass der Langlebigen all die kleinen Details entgingen, welche sie mit Taurs Erzählungen zu verknüpfen suchte. Das sie übersah wie die Augen des Zwerges an Glanz gewannen oder seine Stimme schwang. Schließlich schien den Sprechenden eine Ahnung zu packen und seinen Blick heftete sich an Eriana, als sei sie ein Lehrling der gerade ordentlich was ausgefressen hatte. Ein Lächeln erreichte die Augen der Heilerin und setzte sich von dort aus fort.

„Verzeiht, mir steckt die Müdigkeit einer langen Nacht in den Gliedern und so habe ich meine Worte wohl ungeschickt gewählt. Es lag mir fern Euch beleidigen zu wollen.” Auch wenn ich den dadurch ausgelösten Redeschwall als durchaus begrüßenswert empfand. Damit wand sich die Heilerin von dem mit mahnend erhobenen Zeigefinger dastehenden Mann ab, zog schweigend den vorbereiteten Tiegel von der Eichentischplatte und trat danach einen Schritt weiter zu einem der vielen Schränke hin. Leise knarzend schwangen die dunklen Holztüren auf und gaben den Blick auf einige mit Fläschchen, Dosen und anderen Gefäßen voll gestellte Regalreihen frei. Langsam glitten die langen, feingliedrigen Finger der Elfe über die einzelnen Behälter und kamen bei einer dunkelblauen Flasche zum stehen. Vorsichtig nahm sie das gefärbte Glasbehältnis an sich und kehrte zu ihren Patienten zurück. Den Tiegel überreichte sie Drokan. „Tragt diese Salbe mindestens zwei mal täglich auf. Vor dem Schlaf ruhig etwas großzügiger.” Dann drehte sie sich Rukal zu und stellte die zweite Zubereitung vor ihm ab. „Jeden Tag zwanzig Tropfen unter die Zunge. Es wird keine Wunder tun, doch das Zittern sollte zumindest nachlassen. Esst zusätzlich noch wann ihr könnt Walnüsse, Sardinen und Innereien. Dann wird Euer Griff bei Axt und Hacke länger fest bleiben.” Und damit schien es sich zu haben. Eriana tat die Behandlung weiter, zügig und mit von langer Gewohnheit sicher gewordenen Bewegungen. Schließlich war auch ihr zweiter Patient versorgt und die Elfe richtete sich auf.

„Mit dreißig.” Die Zwerge schenkten ihr verständlicherweise irritierte Blicke. „Ihr habt gefragt wann es Zeit ist aus einem Jüngling einen Mann zu schmieden. Bei den Elfen ist es nach ungefähr dreißig Wintern so weit.” Erianas über die Behandlung langsam geschwundenes Lächeln kehrte zurück.”Oh, versteht mich nicht falsch. In so jungen Jahren sind wir natürlich alle noch Kinder, doch die Magie der Elfen muss sehr früh geformt werden. Im Kleinen sogar schon in noch wesentlichen früheren Jahren. Allerdings gehört ein Halsreif, der einen Jüngling in regelmäßigen Abständen fast erstickt, nicht zu den mir bekannten Standartutensilien eines Lehrmeister.” Die Elfe sah sehr wohl das ihr bärtiges Gegenüber ansetzte etwas zu sagen, doch die Frau hob energisch die Hand. Sie hatte mit ruhiger, leiser Stimme gesprochen und genauso setzte die Langlebige nun fort. „Ihr habt eine sehr feine Beobachtungsgabe, Herr Zwerg. Ja, ich bin Taur begegnet und ich habe ihm ebenso rückhaltlos geholfen, wie ich auch Euch behandelt habe.” Eriana lächelte matt. „Er flucht wie ihr es tut und sprach mit angenehmen Erinnerungen von den Tieren.” Die Heilerin hatte eine Entscheidung getroffen, lehnte sich mit der Hüfte leicht gegen den hinter ihr stehenden Tisch und lies den Blick aus dem Fenster gleiten.

„Danke, für Euer offensichtlich nicht ganz granitenes Herz.” Die Heilkundige versuchte sich einen Säugling mit ebenholzdunkler Haut vorzustellen. Wie er in einer aus Silber getriebenen Schale lag, umgeben von den Leichen seiner Familie und lachend in den Bart eines Kriegers griff. Der Geruch von schwarzen Blut musste in der Luft gelegenhaben, während es sich um die Stiefel des Zwergen mit seinem roten Äquivalent vermischte. „Taur ist ein guter Junge, auch wenn er interessante Situationen beinahe magisch anzuziehen scheint. Außerdem ist ihm wohl ein gewisses Talent darin gegeben, Freunde zu finden. Es geht ihm gut und er hat eine ehrenwerte Beschäftigung gefunden die ihm liegt.”
Die hochgewachsene Frau stieß sich leicht von der Tischplatte ab. Selbst jetzt, wo ihr Geist müde geworden war und der schlanke Körper bereits nachdrücklicher nach einem Bett zu verlangen begann, war jede der Bewegungen doch von natürlicher Eleganz getragen die keines Nachdenkens bedurfte. „Eure Clanführer haben einen weisen Entschluss gefasst, als sie an den Magierturm Arons dachten. Doch ich glaube das dieser erst eine spätere Station auf Taurs Reise sein sollte. Verzeiht mir wenn ich Euch, meinen werten Gästen, nicht mehr berichten kann. Gerne könnt ihr noch unter meinem Dach ausruhen, wenn ihr dies wünscht. Aber es ist langsam an der Zeit, dass auch ich mich für einige wenige Stunden zur Ruhe begebe.”
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