Auf der Straße
#41

Elise Heimbruch

Bäuerin
Mensch
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Nur einige kurze, doch umso wertvollere Momente dauerte es an, jenes so eigene Gefühl unausgesprochener Verbundenheit zwischen den beiden Frauen, deren Lebenswege an so unterschiedlichen Orten ihren Anfang nahmen und sich nun wie durch eine höhere Fügung kreuzten. Aus diesem Schicksal entspann sich ein zarter Faden, den sie sorgsam, Wort um Wort, zu einem sanften Band aus Vertrauen verknüpften. Einen Wimpernschlag lang fühlte sich alles so leicht an, so unzweifelhaft, als ginge Elise über einen vertrauten Pfad, sicher und ohne einen einzigen unerwarteten Stolperstrick. Allein, sie erfuhr nur allzu bald, wie sehr sie sich täuschte. Eine kleine Unbedacht, nur eine einzelne törichte Frage, gestellt in Überschwang und Torheit, ließ das dünne Garn zerreißen und machte alles zunichte. Wäre die Bäuerin nur in jenem Augenblick, da Dia flüsternd von einem Brief ihres alten Meisters und seinem fraglichen Verbleib erzählte, ein klein wenig achtsamer gewesen und hätte sie nicht eine ebenso naive wie romantische Vorstellung geblendet, all dies würde vielleicht einen anderen Verlauf nehmen.

Doch ganz gleich wie sehr Elise ihren Ausspruch nur einen Herzschlag später bereute, es vermochte nichts mehr zu ändern. Ihre Frage ließ sich nicht mehr zurücknehmen und so sah sie nunmehr mit stummer Bestürzung, wie die junge Gesellin angesichts ihres Vorstoßes entsetzt zurückwich und abwehrend das Haupt schüttelte, als sei der Gedanke, ihrem Mentor nachzufolgen, nicht nur eine groteske Geschmacklosigkeit, sondern eine geradezu maßlose Verfehlung. Die Bäuerin verstand in der Einfachheit ihrer Vorstellung zunächst nicht, weshalb die Glaserin mit solcher Fassungslosigkeit reagierte, ehe Dias Antwort, so leise und zurückhaltend sie ausfiel, die Verwerflichkeit ihres Anliegens doch unmissverständlich darlegte. Es traf Elise ebenso heftig wie der Schlag eines stumpfen Schwertknaufs, welcher ihr in finsterer Vergangenheit zum Verhängnis wurde. Gewiss doch, Dia hatte im Grunde erst soeben vom Fortgang des Meisters Mawerda erfahren. Für sie bedeutete dies zweifelsohne einen schweren Schicksalsschlag, ganz gleich wieviel Zeit bereits verstrichen war, seit der Elf die Straßen der Stadt Aron verließ. All diese Dinge zu fassen, geschweige denn zu begreifen, musste für sie so unendlich schwer sein. Doch anstatt ihr in dieser Lage Zuspruch und Trost zu spenden, verstieg sich eine einfältige Bauerngans zu einer gleichermaßen taktlosen wie albernen Bemerkung. Und so gingen Elises Hoffnungen und ihr Sehnen ungehört dahin. Zurück blieb nur ein tief empfundenes Gefühl der Schuld, das dem Antlitz unter der weißen Haube jede Farbe raubte, während ihre Hände angstvoll ineinandergriffen.

Es war dennoch kein wahrhaftiger Tadel, den die vornehme Dame der achtlosen Gemeinen angedeihen ließ, als vielmehr ein verneinender Gedankengang, den sie mit spürbarem Unbehagen in die kalte Nachtlauft hauchte. Im Grunde verlieh sie nur jenen Dingen Ausdruck, die Elise mit nur ein wenig mehr Einfühlsamkeit hätte erkennen können, ja müssen. Fürwahr, Dia wusste nicht einmal genaueres über den Aufenthalt ihres Meisters, wie käme sie also dazu, auch nur an die Übernahme seines Geschäfts zu denken? Allenfalls eine raffgierige, von Neid zerfressene Gesellin, eigensüchtig und undankbar, sähe sich imstande, solcherart zu denken. Und Elise begriff, nicht nur ein törichtes Anliegen geäußert, sondern, weit schlimmer, eine fürchterliche Beleidigung ausgestoßen zu haben. Das plötzliche Wissen um diese, doch eigentlich unbeabsichtigte Niedertracht ließ gar die Gestalt der Bäuerin einen Wimpernschlag lang schwinden. Sie wünschte sich, eine Entschuldigung vorbringen zu dürfen, die ihr Vergehen womöglich mindern würde, doch ihre Lippen blieben versiegelt, als sie schuldbewusst in das enttäuschte Gesicht der Glaserin sah und so schwieg sie in stummer Pein, ungewiss, wie diese nun mit ihrer unschicklichen Begleiterin zu verfahren gedachte.

Dia verunsicherte diese Vorstellung jedoch offenbar noch weit mehr, als es den Anschein erweckte. Nicht zum ersten Male rang sie im Stillen mit sich, als wisse sie nicht recht mit Elises unbedarfter Rede umzugehen. Etwas hielt die Maid im blauen Mantel davon ab, deren Worte in ihrer Abwegigkeit ganz einfach zu verwerfen, als wohne ihnen vielleicht doch ein wenig mehr Bedeutung inne. Elise jedoch fürchtete nun jenen ihr so bekannten verachtenden Blick und wagte kaum mehr, zu der Gesellin aufzuschauen. Diese aber verweilte in Gedanken an einem fernen Orte und sprach sodann in sanfter Wehmut, als sei es ganz und gar unwahrscheinlich, Meister Mawerda hätte sie für seine Nachfolge in Betracht gezogen. Allenfalls eine kurze Nachricht für diesen kaum denkbaren Fall wähnte sie womöglich in den Räumen seines Ladens oder in den Händen der städtischen Verweser. Allein, ihre Stimme stellte in Frage, ob sie hieran überhaupt glauben konnte oder wollte.

Gerade als Elise schon innerlich die Hoffnung aufgab, den gemeinsam mit Dia gegangenen Weg unter dem hell leuchtenden Mond durch die verwinkelten Gassen Arons und ihrer Herzen noch einmal wiederzufinden, da geschah etwas, worauf sie in all ihrer Verzweiflung nicht mehr zu hoffen wagte. Die Glaserin sah ihr eindringlich in die Augen und als sie den schuldbewussten Ausdruck der Bäuerin erkannte, kehrte wie durch eine wundersame Wandlung die Milde in das Gesicht der anmutigen Schönen zurück. Ihr kurzer Blick in vergangene Tage zwischen Trauer und Glück nahm all die Bitterkeit hinfort, ließ letztlich nichts zurück als jene Güte, welche der jungen Frau ein steter Begleiter zu sein schien. Ohne Elise irgendetwas übelnehmen zu wollen, ließ sie die Bäuerin wissen, es sei nach Ansicht ihrer Brüder, offenbar gab es derer zwei anstelle von nur einem, wohl nicht schicklich für die jüngste Tochter des Hauses, einer Beschäftigung nachzugehen, die eine Bedürftigkeit derselben nahelegte. Sanft glättete sie mit einer Hand die Wogen ihres im Lichtschein so herrlich blau schimmernden Umhangs, gleich den unsteten Wellen eines tiefen Ozeans unter dem Glanz der Sterne. Hiernach verlor sich der letzte Funke Ungewissheit, die so nachsichtige Dia gab Elise gar das Versprechen, zumindest über ihren Vorschlag nachdenken zu wollen. Immerhin sei ihr Lehrer zur damaligen Zeit der geschickteste Glaser der Stadt gewesen, wie sie nicht ohne Stolz betonte, und zumindest gäbe es an ihrem Heim das ein oder andere Fenster zu ersetzen. Dies musste natürlich in Anbetracht ihrer Verhältnisse, hieran bestanden für Elise kaum Zweifel, lediglich ein aufmunternder Scherz sein.

Dieser jedoch verfehlte seine Wirkung ebenso wenig, wie es die gelöste und freimütige Art tat, zu der die vermutliche Kaufmannstochter nunmehr fand. Zwar wahrte Elise tapfer und aller Gefühlsregungen zum Trotz den Anschein, vermochte jedoch kaum zu verbergen, welch große Erleichterung nun über sie kam. So stand sie da, die gefalteten Hände noch immer fest an ihren Bauch gedrückt, und betrachtete Dia voller Dankbarkeit, die sich deutlich sichtbar in ihrem gesunden roten Auge spiegelte. Noch immer berührte sie ihre Verfehlung peinlich, Elise wagte es also nicht, ihre Ergebenheit zu bekunden, doch während sie zusammen weiter dem Weg folgten, schwor sie in aller Eindringlichkeit, sich kein weiteres Mal eine solche Einfältigkeit zuschulden kommen zu lassen. Vorsichtig regte sich in ihr die Hoffnung, jenen Fehltritt vielleicht doch noch vergessen machen zu können.

Wie aus dem Nichts erschallte das ausgelassene Bellen des trotz der späten Stunde noch vollauf lebendigen Merix, welches Elise aus ihren Gedanken riss. Die Bäuerin bemerkte, wie der so liebevoll zerzauste Kamerad der ehemaligen Gesellin sich flinken Beines an die Spitze des Trosses setzte, während seine freudige Stimme durch die Straße hallte. Als sie sich schließlich besann, wurde sie bald der Tatsache gewahr, an diesem Orte von reich verzierten Geschäften und kunstvoll errichteten Bauten umgeben zu sein, deren prachtvolle Giebel sich stolz in den nächtlichen Himmel erhoben. Ganz gleich wie verloren sich Elise soeben noch glaubte, nun erkannte sie das nördliche Viertel dieser bemerkenswerten Stadt, welche so viele verschiedene Gesichter ihr Eigen nannte. Doch jener im Grunde so ersehnte Anblick verhieß nicht nur die schützenden Tore der Feste, er kündete von dem nun unvermeidlichen Ende einer außergewöhnlichen nächtlichen Wanderung.

Elise begriff diese schmerzliche Wahrheit, noch ehe sie sich in Gestalt der jungen Glaserin offenbarte, die noch mitten im Trott innehielt und ihr sanftmütiges Antlitz nach der Gemeinen wandte. Ihr Herz, der freundlichen Gefährtin so angetan, wollte es leugnen, wünschte sich nichts mehr als nur eine Gelegenheit, um wieder gut zu machen, was sie an respektlosen Dingen gesagt hatte. Dias so feine Züge jedoch verrieten bereits, was sie nunmehr sagen würde. Ein wenig vernehmlicher, doch noch immer ebenso höflich und zurückhaltend wie vormals verkündete sie, ihr Heim erreicht zu haben und dankte aufrichtig für die Hilfe. Dann hob sie die Kapuze des markanten Überwurfs und bedeckte ihr goldblondes Haar, wobei nun ein Schatten auf ihre Fassade fiel, der sie unwiederbringlich vor Elise verbarg. Die Bäuerin spürte es. Eine unsichtbare Grenze, die sich gleich einem dunklen Schleier zwischen die beiden Frauen schob, sie gemäß ihres Standes voneinander trennte, wie es die Gesetze der Welt unabänderlich verlangten. Elises letzter kleiner Wunsch verlosch wie das Licht auf Dias Wangen. Nun endlich erinnerte sie sich jener unumstößlichen Wahrheiten, mit denen sie ja im Grunde von Kindesbeinen an aufwuchs. Die besagten, ein Bauernmädchen oder eine Dienstmagd habe in dem Leben einer Bessergestellten nichts zu suchen. Ihr geboten, sie solle sich der albernen Träumereien von Freundschaft entledigen und wieder die altbekannten Pfade einschlagen.

Mit Trauer akzeptierte Elise diese Tatsache und wartete darauf, eine einfache Verabschiedung aussprechen zu dürfen. Zunächst jedoch richtete Dia ihr Augenmerk auf den so bescheidenen Canis Lanistis, der seine Anbefohlenen vorbildlich durch die zwielichtigen Gassen geführt und sich trotz der ungewöhnlichen Situation während des vergangenen Gesprächs höflich zurückgehalten hatte, ganz wie es einem Ehrenmann gebührte. Das Glasermädchen ließ ihn dementsprechend in freundschaftlichen Worten wissen, gern beizeiten eines seiner Tiere erwerben zu wollen, sollte dies in naher Zukunft erforderlich werden, wobei natürlich Merix‘ lebhaftes Verhalten in Frage stellte, ob derartiges in Bälde zu erwarten stand. Dessen ungeachtet wandte sich die junge Dame nunmehr der Bäuerin zu, welche sie mit in Demut gesenktem Blick erwartete. Nun aber nahmen die ohnehin schon bemerkenswerten Ereignisse dieses Abends von neuem eine kaum zu erwartende Wendung. Als Elise verzagt aufblickte, schien sie Dias tiefblaue Augen einen Herzschlag lang in der Finsternis zu erkennen. In ihnen schimmerte eine vorsichtige Hoffnung, zurückhaltend und doch stark genug, die Schwärze um sie herum zu vertreiben. Und dort war etwas, worauf die Bäuerin nach allem nicht mehr zu hoffen gewagt hätte. Ein Lächeln, ebenso verletzlich, doch zugleich aufrichtig wie es nur der reinsten Seele entspringen kann. In ihrer Brust erbebte Elise, gefangen zwischen Hoffnung und Furcht. Und zunächst klangen Dias Worte fürwahr wie ein unweigerlicher, doch zugleich herzlicher Abschied. Nach so langen Jahren, in denen die gestrauchelte Gemeine nichts anderes als Ablehnung und Hass kennengelernt hatte, bekundete jemand, es sei eine Freude gewesen, ihr begegnet zu sein. Es musste Jahre her sein, seit sie etwas vernahm, das dem in irgendeiner Art gleichkam. Doch es geschah noch weit Unglaublicheres.

Elise wusste nicht, ob sie Dia recht verstand, als diese den Wunsch äußerte, ihre gemeinsame Zeit nicht an diesem Orte enden lassen zu wollen. Doch während sie noch in Zweifel zog, was sie vernahm, wies jene mit einer eleganten Geste auf ein wundervolles Gebäude, vielleicht einen Steinwurf weit entfernt. Es war ein wenig kleiner als die Herrenhäuser, derer sich Elise erinnerte, besaß jedoch einen verspielten, ja trotz seines zweifellos in den Augen einer Bäuerin unermesslichen Wertes geradezu bescheidenen Charakter. Es gab eine überdachte Terrasse, Fenster mit bemalten Läden und, was sie besonders beeindruckte, gar einen kleinen Turm am südlichen Ende des Anwesens. Einzig einige Gebilde oberhalb des Firstes, die in den nächtlichen Schatten kleinen zinnenbewehrten Wachtürmen glichen, schreckten sie für eine Sekunde, doch mochte dies gewiss nur der Nachhall einer bösen Erinnerung sein, denn im Ganzen wirkte die Villa wie ein Heim, das ganz und gar dem Naturell seiner mutmaßlichen Bewohnerin entsprach und demzufolge gab es nichts daran zu entdecken, was furchteinflößend gewesen wäre. Und wenn es die kleinen Mängel, welche die Glaserin erwähnte, wirklich gab, so gingen sie, wenigstens was die Bauersfrau betraf, in der Liebenswertigkeit dieses Gebäudes vollends unter.

Im Vorgarten des Hauses schien ein Licht zu flackern, womöglich das einer Laterne oder Fackel. Merix schien längst dorthin entschwunden, einzig sein in der Ferne erschallendes Bellen ließ ihn noch erahnen. Fraglos wurde Dia bereits von den Ihren erwartet, nahm sich jedoch für diesen einen Augenblick noch Zeit. Mit ruhiger Stimme fuhr sie weiter fort, wenn auch die ein oder andere Silbe noch immer eine eigenartige Ungewissheit enthüllte, deren unergründlicher Ursprung jedoch keinerlei Bedeutung mehr erlangte. Wie zu erwarten enthüllte Dia, unter jenem Dach zu wohnen und teilte nunmehr ihre tatsächliche Absicht mit. Diese jedoch stellte eine solche Großherzigkeit dar, es überstieg geradezu Elises Verständnis und nun schien sich ihr ganzes Dasein in diesen fremden Landen vollkommen zu verändern. Die edelmütige Nachkommin aus wohlhabender Gesellschaft bot einem ärmlichen Weib niederen Standes vollkommen frei von Vorurteilen und Bedenken die heimische Tür an, um sie als Gast auf eine Tasse Tee einzuladen. Elise erinnerte sich so vieler fröhlicher Stunden, die sie in der Vergangenheit mit geliebten Menschen auf solche Weise verbrachte. Angebote wie jenes, das Dia ihr unterbreitete, bedeuteten unter engen Freunden etwas vollkommen Gewöhnliches und doch zugleich unendlich Kostbares. Unter keinen Umständen aber hätte sich Elise vorstellen können, solch eine Offerte in dieser noch so unbekannten Stadt zu erhalten und das von einem Menschen, den sie doch erst seit kaum mehr als einer Stunde kannte. Noch immer pochte ihr Herz vor Aufregung hinter jener Stelle, die früher das gestickte Schandkreuz bedeckte und wo nun der silberne Greif thronte. Gab es jemanden, der sich willens zeigte, ihr eine Chance zu geben, nach so langer Zeit? Der sie nahm, wie sie sich gab, mit all ihren kleinen und großen Fehlern, den so zahlreichen Schwächen, die sie mit sich trug. Und trotzdem etwas in ihr sah, das eine Freundschaft wert zu sein schien.

Die Bäuerin hörte etwas entfernt einige undeutliche Stimmen, die sie aus ihren Gedanken weckten. Wem immer sie gehörten, vielleicht den Verwandten oder Bediensteten der einstigen Gesellin, sie verhießen das Ende ihres nächtlichen Aufeinandertreffens. Es war an der Zeit, voneinander zu scheiden. Doch würde dieser Abschied keiner von Dauer zu sein und diese eine Gewissheit erfüllte Elise mit einem unsagbaren Glück. Im Dunkel unter Dias Kapuze glaubte sie einen kurzen Lichtschein jener Hoffnung zu sehen, die sie aus tiefster Seele teilte. Doch die Gefühle überwältigten Elise und versagten ihr eine rechte Antwort.

„Ihr meint, ich sollt‘, nein, bitte verzeiht“, wisperte sie ungläubig und noch immer ein wenig verunsichert, allzu unvorstellbar erschien die Schönheit dieses Moments. Nein, sie träumte nicht nur einen wundervollen Traum. Und mit einem Male fühlte es sich an, als flüsterte ihr eine unsichtbare Stimme alles zu, was sie sagen musste, um den Wunsch zu erfüllen, welcher sie mit Dia verband.

„Einen Tee?“, wiederholte sie leise, während sich ihre Züge im fernen Lichtschein langsam aufhellten. „Aber gewiss doch, das ist eine wundervolle Idee. Habt tausend Dank, ich fühl‘ mich zutiefst geehrt.“

Die Aufregung ließ Elise gar neuerlich ein wenig erröten, wobei sie es eher wie ein leibhaftiges Glühen empfand.

„Und ich komm‘ von Herzen gern. Sowie es meine Pflichten erlauben“, versprach sie mit einem schüchternen Lächeln.

Dann schließlich war doch die Zeit gekommen, voneinander zu scheiden. Elise schmerzte es ein wenig, nun von dannen gehen zu müssen, doch sie wusste, es würde nicht von Dauer sein. Demütig neigte die Bäuerin das Haupt, so tief sie es nur vermochte.

„Es war mir ebenfalls eine Freude, Fräulein Dia. Ich wünsch‘ ergebenst eine geruhsame Nacht. Kusor schütze Euch.“

Nie zuvor wählte Elise, welche im Grunde ein Leben lang dem Glauben an alle Götter folgte, derartige Worte, um jemanden zu verabschieden und doch hätten sie nicht von ehrlicherer Absicht sein können. Große Veränderungen waren geschehen und niemand, abgesehen von den tapferen Kriegern selbst, verdiente in ihren Augen den Segen des himmlischen Herrn der Paladine mehr als die großmütige Gastgeberin.

Dia erwiderte jenen Abendgruß in edler Sanftmut und die Bäuerin wärmte sich ein letztes Mal an ihren wohligen Worten, ehe sich die beiden im stillen Einvernehmen den Rücken kehrten und ihrer Wege gingen. Als sich Elise einen letzten Blick über die Schulter gestattete, sah sie, wie die Gestalt des Glasermädchens, gehüllt in den wehenden Umhang, das Tor ihres Anwesens durchschritt. Beruhigt wandte die Bäuerin wieder den Blick auf die sie umgebende Straße, welche noch immer in Stille vor sich hinschlummerte.

Nunmehr von allen Ängsten und Zweifeln befreit, ging sie zu Canis, dem Hundezüchter, der Dia und ihr noch immer wachsam in einiger Entfernung beigewohnt hatte. Es gab nicht viel, womit sich Elise erkenntlich zeigen konnte, doch sie bestand darauf, ihm zum Dank zumindest einen besonders glänzenden Apfel aus ihren nachmittäglichen Markteinkäufen zu schenken. Dieser nahm die kleine Aufmerksamkeit als Lohn seiner bereitwilligen Hilfe mit beinahe schon gewohnt spielerischem Wohlwollen an, ehe auch er sich der Bauersfrau auf die herzlichste Weise empfahl und anschließend das nördliche Viertel wohlgestimmt verließ.

Elise erinnerte sich der späten Stunde und suchte nun ihrerseits, endlich die schützenden Mauern der Feste zu erreichen. Doch ehe sie sich auf den Weg machte, blieb sie für eine kleine Weile an Ort und Stelle stehen, um den Blick gen Himmel zu richten. Hoch oben erstrahlte der Mond neben unzähligen funkelnden Sternen und tauchte das Firmament in hellen Schein, ein Anblick, den die Bäuerin tief in ihrer Seele bewahrte. Dann endlich machte sie sich auf. Und während ihre ruhigen Schritte der Straße folgten, legte sich ein Ausdruck vollkommener Seligkeit auf ihr Gesicht. Der Kummer über vergangene und künftige Dinge besaß in dieser einen Stunde keine Macht mehr über sie. Unbeirrbar schritt die Bäuerin voran und ließ alles weit hinter sich. Bald schon würde sie sich zur Ruhe betten und im Schoß dieser, ihrer neuen Heimatstadt in einen langen wohlverdienten Schlaf fallen.
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#42

Rugor von Lichtfels

Magier
Elf
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(kommt vom Stadttor)

„Ah, du bist also Schmied und Händler. Und als was möchtest du dann hier in Aron arbeiten? Hier in diesem Stadtviertel sind übrigens die meisten Geschäfte, irgendwo da hinten ist auch die Handelsgilde, aber mit denen habe ich eigentlich nichts zu tun. Ich bin meistens dort drüben zu finden“, erzählte Rugor und wies auf einen mächtigen Turm, der neben ihnen hinter den Häusern aufragte. „Das ist unsere berühmte Magierschule!“, sagte er stolz. „Ich selbst bin übrigens ebenfalls Magier, nicht der Hausmeister des Turms oder so!“, fügte er kichernd hinzu. „Aber bei meiner Arbeit kannst du mir wahrscheinlich nicht helfen. Ich versuche gerade, Glaskugeln mit magischem Leuchten zu füllen, sodass man diese statt Fackeln durch die Gegend tragen kann und keine Angst haben muss, damit sein Haus abzubrennen. Und natürlich würden sie auch nicht rauchen und rußen, wären also die perfekte Beleuchtung für Häuser! Ich bin mir sicher, dass alle Bewohner diese Kugeln kaufen würden, aber im Augenblick zerspringen sie mir immer. Und die Idee dahinter war ja eigentlich, Magie für nicht magiebegabte Wesen nutzbar zu machen. Momentan kann ich also nicht einmal garantieren, dass du bei der Hilfe vor einem plötzlichen Tod sicher wärst. Aber vor Mundgeruch müsstest du dich wahrscheinlich nicht fürchten!“, meinte er lachend.

„Solltest du hier eine Handelsstation oder ein Geschäft aufmachen und ich jemals meine Leuchtkugeln fertig bekommen, könntest du sie ja verkaufen. Wenn du eine Schmiede errichten möchtest, machst du das übrigens am besten im Ostteil der Stadt, da sind die ganzen Handwerker, da ist zum Beispiel auch die Glasbläserei, bei der ich in letzter Zeit sehr viele Glaskugeln kaufen muss ...“ Missmutig verzog Rugor das Gesicht. Er hatte sich das Experiment viel einfacher vorgestellt, aber das würde schon noch klappen!

Er wies mit dem Finger auf ein großes Gebäude, welches in hundert Metern sichtbar wurde. „Jetzt haben wir es fast geschafft, das Haus dort ist das berühmte ‘Gasthaus zum Drachen’. Sieht von draußen zwar ungemütlich groß aus, aber das liegt daran, dass der Wirt viele Zimmer hat, die er vermietet. Und an der Seite ist noch ein großer Stall, in dem die Pferde der Reisenden untergebracht werden können. Aber der eigentliche Schankraum ist sehr gemütlich, du wirst es ja gleich sehen!“
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#43

Rugor von Lichtfels

Magier
Elf
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Der alte Magier lief voraus und plauderte fröhlich vor sich hin. Dabei wies er auf die eine oder andere Sehenswürdigkeit. Irgendwann fiel ihm auf, dass der Zwerg überhaupt nicht mehr antwortete. "Ich hoffe, ich rede dir nicht zu viel. Wenn ich hungrig bin - nanu, wo bist du denn hin? Viktor?" Rugor rief nach seiner neuen Bekanntschafft, doch niemand antwortete. "Verflixt, ich weiß ja, dass ich manchmal etwas schnell rede, aber so schnell gehe ich doch eigentlich nicht, dass ich so einen jungen Zwerg einfach abhänge!", kicherte Rugor und schlurfte dann die Straße wieder zurück.

Er blickte rechts und links in die Gassen und in die Schaufenster der Geschäfte, aber die Schmied war nirgends zu erblicken. "Tja, sieht so aus, als müsse ich mein Bier heute alleine trinken. Schade, ich hatte schon gehofft, dass Viktor mich zu einem Humpen einlädt. Zwergenbier schmeckt bekanntlich am besten, wenn es kühl ist und von jemand anderem bezahlt wird! Na gut, wird schon auch schmecken, wenn es nur kühl ist!" Kichernd wandte sich Rugor wieder in Richtung  Stadtmitte und ging alleine weiter zum 'Gashaus zum Drachen'.

(weiter im Gasthaus zum Drachen)
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#44

Vikram Steeltounge "Viktor"

abenteuerlicher Händler/Schmied
Zwerg
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„Na am liebsten als Schmied, aber ohne Schmiede ist das Schwer, außerdem habe ich meinem Onkel versprochen einen Handelsposten zu eröffnen, am optimalsten wäre natürlich eine Kombination von beidem. Also wartet SEHR viel Arbeit auf mich“ lachte Vikram als sie die Straße entlang schlenderten. Vikram sah sich die Geschäfter auf der Straße genauer an und bemerkte nicht wie sich Rugro von ihm entfernete. „Oh, ihr seid Magier? Ihr seid der erste denn ich treffe! Da könnt ihr mir sicher sagen ob ich auch Magie erlernen kann oder? Mein Vater hat mir einmal von Magischen Schwertern erzählt, die nie ihre Schärfe verlieren. Dazu muss man selbst vermutlich Magier beherrschen.“ Vikram war überaus begeistert, einen Magier kennen zulernen, und vor allem einen so netten, er drehte sich um und bemerkte das Rugor gar nicht mehr an seiner Seite stand. Er nahm seine Beine in die Hand und versuchte Rugor zu finden.

Der Turm auf den Rugor deutete war sehr imposant und Vikram war deutlich daran interessiert mehr von diesem imposanten Ort zu erfahren. Eine Glaskugel mit Licht? Großartige Idee! Solltet ihr das schaffen würden sich das sehr gut für die Minen und Höhlengänge der Zwergenstädte verkaufen! Ich würde mich freuen, euch dabei zu unterstützen. Vikram war sehr begeistert von der Idee, Licht in Kugeln zu fangen und diese als Ersatz für Fackeln zu nutzen. Es würde die Luft in den Minen wesentlich verbessern dachte sich Vikram.

Als er endlich wieder auf der Straße wahr bemerkte er wie Rugor ins Gasthaus ging. Das Gasthaus war sehr groß und bereits aus der Ferne sah es so aus als gingen viele Leute ein und aus. Vikram war gespannt auf die Inneneinrichtung und die Leute, die er treffen würde.Das Gasthaus kam näher und der Geruch von Essen hängt in der Luft, Vikram bemerkte wieviel Hunger er hatte.  Vikram beschleunigte seine Schritte und hielt auf das Gasthaus zu.

Mit erwartungsvollen Blick öffnet Vikram das Tür zum Gasthaus, trat in den Schankraum ein und suchte seinen Gefährten.

(weiter im Gasthaus zum Drachen)
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