Der Magierturm
#51

Meister Sarnalidas

Magier
Mensch
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Sarnalidas schreckte verwundert auf als das Ende der Gespräche verkündet wurde. Kein Wort von dem Grund ihn nach Aron zurückzurufen. Keine Rede von der Gefahr aus Nathilion. Weltliche Probleme und die Banalität einer Auseinandersetzung mit der Nymphe. Zugegeben es konnte fatale Folgen haben die Kreatur zu vernachlässigen aber wichtiger als die Existenz Arans konnte sie nicht sein. Seit wann versuchte man im Magierturm sich von den Problemen der Welt abzuschotten? Oder hatte man etwa beschlossen nur noch im Verbund der Orden wirkliche Entscheidungen zu treffen. Doch selbst dann hätte die Erzmagierin doch Anweisungen weitergeleitet. Sarnalidas Kopf wurde langsam freier. Die mentale Müdigkeit, die der Magieverlust in ihm ausgelöst hatte schwand langsam und er wurde wieder Herr seiner Sinne. Er begann bereits bewusst die Verbindung zu der alten Feste zu suchen um sich noch rascher zu regenerieren. Rhionaan hatte Jaethur einen Grund gegeben nicht zurückzukehren, doch früher oder später würde diese Barriere zerbröckeln ode rpulverisiert werden, wie es alles tat, dass dem Magier in die Quere gekommen war. Zumindest lag dies in Ancragors Erinnerung. Er erhob sich und verließ mit einer der ersten Wellen den Saal. Es gab einiges, dass zu tun war. Sein Interesse war geweckt. Zunächst würde er sicher stellen müssen, das Jaethur blieb wo er war, dann musste er Kontrolle über den Zauber erlangen, den die Maestra über ihn gelegt hatte. Freiwillig würde sie ihn verständlicherweise nicht zurücknehmen, doch selbst wenn er der Schwester Zandurs trauen würde, wäre es ihm zuwider gewesen einem Sklaven ähnlich einem anderen Magier ausgeliefert zu sein. Dann würde er herausfinden, warum er gerufen wurde und welche Figuren wirklich auf dem Spielfeld bewegt wurden. Er war sich bereits sicher, das der weltliche Herrscher Arons eine davon war, doch welche konnte er nicht nachvollziehen. So aufschlussreich war der Konvent nicht gewesen obwohl es bezeichnend war, dass der Magierturm sich geschlossen der Blutszeremonie unterworfen hatte. Genauso bezeichnend war es, das mit Steiner und Avenar gleich zwei Mitglieder des neuen Herzes des Turmes nicht an den Schwur gebunden waren. Avenar hatte den Turm dafür kritisiert und von Steiner würde sich niemals solch einer Einschränkung unterziehen.
Ancragor folgte der Menge durch die Gänge des Turm. Wieviele Jahrzehnte hatte er hier verbracht und er war den Anblick trotz allem nicht leid. Sein Weg führte ihn in die Bibliothek und nicht in die Eingangshalle die er ursprünglich nutzen wollte um dem neuen Kastellan abzufangen. Stattdessen entschloss er sich ihn später aufzusuchen. Etwas an der Art des bestimmten und vorsichtigen Mannes zog ihn an, in diesem Fall jedoch umsomehr die Expertise in der Theorie fragwürdiger Zauber und in der Erfahrung mit Kreaturen weit jenseits der Macht des Freiherren. Das tiefgründige Wissen um Aroner Politik war lediglich ein überzeugender Zusatz. Doch nun galt es zunächst sich in einer Sammlung an Büchern zurechtzufinden, die selbst selbst Ethanon niemals hätte durcharbeiten können. Doch zurechtfinden konnte sich Sarnalidas rasch, hatte er doch bereits zwei Leben in diesen Räumen verbracht, die sich nie zu ändern schienen abgesehen davon, dass sie wuchsen.
Die alten Folianten und Schriften erweckten des Meisters Jugendlichen Zuge und Euphorie und schon bald war er tief in der Studie vertieft.
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#52

Rhionaan ip Eltan

Erzmagierin und Ratsvorsitzende Arons
Elf
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„Herr von Steiner, Meister Avenar, Meister Hougenoord“, sprach sie die drei Mitglieder ihres Zirkels direkt an. „Ich schlage vor, dass wir die erste Sitzung des inneren Zirkels in drei Tagen abhalten. So könnt Ihr Euch in eure Themengebiete einarbeiten und Euer Wissen auf den aktuellsten Stand bringen.“ Sie zögerte einen Moment und brachte ein wenig Ordnung in ihren müden Kopf. „Meister Avenar, mit Euch würde ich morgen Abend gern persönlich über diese kleine Exkursion sprechen und Meister Hougenoord würde sich bestimmt über einen kleinen Bericht bezüglich des historischen Kontextes freuen. Des weiteren müsstet Ihr Lurans wenige Besitztümer sichten. Vielleicht findet Ihr ja etwas brauchbares in seinen persönlichen Aufzeichnungen.“
Ohne eine lange Pause Blickte sie zu dem Archivar.
„Blutschwüre“, sagte sie knapp. „Irgendwo in den Tiefen des Archivs muss doch etwas darüber zu finden sein. Kratzt alle Informationen zusammen und vielleicht finden wir ja eine Möglichkeit diese Krux loszuwerden!“
Einige Herzschläge lang blickte sie ihren neuen Kastellan an. Nur allzu deutlich sah man ein gewisses Unbehagen bezüglich der Thematik die Rhionaan nun ansprechen würde. „Der Magierturm und die Synode müssen beliebter beim Pöbel werden“, flüsterte sie beinahe. „Es gefällt mir zwar nicht zu solchen Mitteln greifen zu müssen, aber es gibt da gewisse Persönlichkeiten die um so etwas betteln.“ Wieder zögerte sie einen Augenblick. „Ich will keine Gewalt“, stellte sie unmissverständlich klar. Die Stimme der Erzmagierin wurde noch ein kleines bisschen leiser. „Keine Aufstände, keine Hetzreden gegen die Wache und keine Morde! Doch sonst lasse ich Euch in dieser Angelegenheit freie Hand – wenn Ihr versteht was ich meine.“
Mit der Spur eines feinen Lächelns nickte sie ihren Beratern zu und wandte sich dann ab. Ein kaum wahrnehmbares und rieselndes Geräusch verriet dem Kundigen das Ende eines schallisolierenden Zaubers.

Nur noch ein paar Minuten, dachte die Erzmagierin, während sie den Mittelgang entlang schritt und hier und da noch einige Wörter mit diesem und jenem Magier wechselte. Die Elfe konnte und wollte nicht mehr. Es war genug für einen Tag gewesen! Dennoch blieb sie kurz vor dem Portal noch einmal stehen und vollführte einen kleinen Zauber. Ja, es wird definitiv Zeit für eine kurze Pause. Reflexartig griff sie nach ihrem plötzlich aufgetauchten Stab. Auch wenn er nur ein Werkzeug war, so fühlte sie sich mit ihm doch gefasster und vielleicht auch ein klein wenig vollständiger.
„Ich werde dich noch begleiten“, sagte die Elfe und wirkte bei dem Gedanken einige Zeit aus dem Turm zu kommen wirklich erleichtert. „Und wenn ich dich so ansehe, hege ich den Verdacht dass du noch einige Fragen hast.“
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#53

Die Nymphe Arons

Nymphe
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Ähnliche Gedanken wie die Ihren mussten der Erzmagierin durch den Kopf gegangen sein. Sie wirkte ebenfalls ausgelaugt und schwer beschäftigt, aber beide naturverbundenen Geschöpfe waren sich darüber einig, dass es kaum etwas Besseres gäbe, als der lauten Versammlung mit den vielen Stimmen und Gesichtern erst einmal den Rücken zu kehren. Dennoch blickte die Nymphe besorgt in die erleichterten Augen Rhionaans und stutze kurz die Lippen: „Ich hoffe Ihr werdet Euch noch die nötige Ruhe an diesem Tag nehmen“, sagte sie leise und wandte sich nun ebenfalls um, um den hohen Gewölben und dem harten Stein den Rücken zu kehren. Sie sehnte sich nach dem Sonnenlicht auf ihren Blättern – und ihrer Haut.
Geradezu erleichtert und glücklich war sie dann endlich, als ihre Zehenspitzen das erste Geflecht zwischen den Pflastersteinen vor dem hohen Turm der Magiergilde erreichte. Das sanfte Moos schmiegte sich an ihren Fuß und die Dryade beeilte sich, abseits des Weges zu gehen, wo die Gärtner den anschaulichen Rasen mit den imposanten Hecken pflegten. Die Erde war nachgiebiger als der Stein und die Nymphe konnten sich und ihren Baum zwischen die (für eine der ihren) geringe Distanz hinweg fühlen. Nichts war passiert. Die Paladine hatten sich bewährt.

Für einen Moment gab die Sagengestalt nach und senkte ihre Knie, berührte das Gras und lächelte leicht, als dort, wo ihre Finger das Grün berührten, kräftige rote Blumen unbekannter Natur hervorsprießen. Es war ein Begleiteffekt. Sie hatte so lange keine Zeit mehr in dunklen Hallen verbracht, sie hatte nicht vor, es demnächst zu wiederholen.
Dann kehrte sie zu ihrer Begleiterin zurück und nickte nun, als hätte das zeitlose Geschöpf jetzt erst die Bemerkung ereilt, die ihre kluge Freundin bereits fallen gelassen hatte.
„Tatsächlich beschäftigen mich einige Fragen und Anregungen.“ Sie zögerte. Etwas unheimlich Verletzliches bereitete sich auf ihren Zügen aus und so senkte sie die Stimme, um selbst etwaige spitzohrige oder der magiekundigen Lauscher das Verfolgen des Gespräches zu erschweren: „Es ist mir kaum entgangen, mit welcher Kraft und Majestät Ihr auftretet, wie viel von dem Lebenssaft der Erde durch Eure Adern fließt“, wagte sie ihr erstes Bedenken zum Ausdruck zu bringen. Ihr Gesicht war weich, fast wie das einer besorgten Mutter zu seinem kleinen Kind: „Doch vergesst bitte nicht, dass auch ein kraftvoller Bär sich in seiner Höhle zum Schlafen niederlegt, dass selbst ein großartiger Adler zum Schlafen sein Nest aufsucht und dass selbst die Bäume ein Viertel des Jahres ruhen, um die Kraft für den kommenden Sommer zu erhalten.“
Wieder ging sie ein paar schweigende Schritte und hörte sich die Antworten der Erzmagierin an.
Das nächste Thema fiel ihr umso schwerer, es wand sich in ihr und die Nymphe wusste, dass sie selbst dieser alten Freundin nicht das nötige Vertrauen entgegenbrachte, um das Unsagbare über das Verlassen ihres eigenen Baumes und ihres Reiches zu erzählen.
Stattdessen versuchte sie die Worte so zu wählen, dass sie jene Unmöglichkeit unerwähnt ließ und die Dinge mit jener Besorgnis vorbrachte, die ihr zeitloses Herz erschweren ließ.
„Ich werde kein Wort über Euren Simon Avenar verlieren“, sagte sie leise: „Ich werde meine Meinung nicht ändern, aber es steht Euch natürlich frei, über ihn anders zu urteilen, solange wie Ihr nicht weiterhin versucht, mich eines Besseren zu belehren“ Sie lächelte mit einem freundlichen Schalk in den Augen, der sofort wieder verschwand: „Aber es gibt etwas, das mir tatsächlich Besorgnis bereitet. Mir sind die Verhandlungen Eurer Synode nicht ans Herz gewachsen und doch bin ich mit wachem Auge durch die Menge gegangen…“
Sie schluckte schwer. Die entsetzlichen Erinnerungen wollten wieder nach ihr greifen, aber das warme Sonnenlicht auf ihrer Haut hinderte sie daran, der Dunkelheit besonders viel Beachtung zu schenken: „Ich bezweifle nur, dass die Wahl Eures Kastellans klug gewesen sei…“
Sie schwieg wieder eine Weile, während sie mit den Worten rang. Dann kamen sie, langsam, sorgfältig, aber tief, als würden sie gar aus einer anderen Zeit stammen: „Er trägt eine dunkle Macht in sich, die nicht die eigene ist. Ich habe zu einem anderen Zeitpunkt selbst einmal eine erschreckende Begegnung mit einer solchen Kreatur ausgetragen…“
Sie brach ab. Ausgetragen außerhalb ihres Reiches. Ausgetragen außerhalb ihrer Kräfte. Fast war sie daran gestorben. Fast daran zerbrochen. Sie sammelte ihre Worte von neuem: „…und ich würde niemals behaupten, dass dies keine Macht wäre, die leichthin kontrolliert werden könnte. Weder von dem Freiherrn selbst, noch von denen, die ihn überwachen wollen.“
Sie schwieg wieder und ganz langsam legten sich ihre Haare und die Farbe kehrte in ihr Gesicht zurück: „Ich würde mir einfach wünschen, ein solches Wesen nicht in Eurer Nähe zu wissen, wenn Ihr nicht beabsichtigt, es zu zerstören.“
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#54

Rhionaan ip Eltan

Erzmagierin und Ratsvorsitzende Arons
Elf
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Rhionaan lächelte und schwieg. Was sollte sie auch erwidern, wenn ein Jahrtausende altes Wesen begann sie zu bemuttern? Natürlich würde sie ihrem Körper die Ruhe gönnen die er brauchte – aber auch nicht mehr. Den Luxus des Müßiggangs konnte sie sich in dieser Situation nicht erlauben.
So nickte sie nur und genoss die frische Luft außerhalb der Mauern des Turms.
Auch sie war ein Geschöpf der Natur. Und manchmal fragte sie sich selbst, ob die Menschen ein Ziel in Ihrer Entwicklung hatten. Das war auch der Grund warum so viele ihres Volkes in den Städten der Menschen lebten und aktiv den Kontakt zu dieser doch recht unsteten Rasse suchten. Die Neugierde und Sturheit auferlegte Grenzen zu Ignorieren und immer wieder an diese zu stoßen. So lange bis sie ausgehebelt wurden und sie sich der nächsten Herausforderung stellen konnten. Dabei war diese Grundeinstellung – denn so musste man dieses Verhaltensmuster nennen – wirklich gefährlich! Was, wenn es einmal eine Grenze gab die sie nicht überwinden können? Was geschieht dann?

Die Augen der Elfe verengten sich und ihr Lächeln wurde deutlich breiter. „Ach, und warum schneidest du dann dieses Thema an?“, fragte sie mit einem übertriebenem Unterton. „Aber ich verstehe.“ Sie zwinkerte der Nymphe zu und musste dann selbst lachen. „Nein, ich werde nicht versuchen dich von seiner Rechtschaffenheit und seinen hehren Zielen zu überzeugen.“
Nach diesen Worten tauchte vor ihrem inneren Auge ein Bild Simons auf, dass ihre Selbstkontrolle schwinden ließ. Der junge Magier hatte in ihrer Vorstellung das Klischeebild eines Adligen Herren angenommen. Eines Herren von dem ledige, verträumte Adelsdamen behaupten er wäre ihr sogenannter Traumprinz. Genau so, nur komplett überzogen!
Dennoch schaffte es die Erzmagierin nicht laut loszulachen und hielt sich die linke Hand vor den Mund. So verbarg sie auch die Spuren dieser Erheiterung.
Als sie sich eine einige Atemzüge später wieder im Griff hatte, blickte sie entschuldigend zu ihrer Freundin. „Verzeih, das war wirklich unpassend. Doch ich hatte einen wirklich erheiternden Gedanken.“ Sie verzichtete darauf der Nymphe die Einzelheiten ihrer Eingebung zu schildern und ging langsam weiter.

„Ja, die Synode zu Aron. Es gibt viel zu viele die sich selbst gern reden hören“, antwortete die Elfe teilweise resigniert nachdem ihre Freundin ihre Befürchtung geäußert hatte. „Und morgen höre ich dasselbe von mindestens dreißig anderen Magiern.“ Der Blick mit dem sie die Dryade nun ansah war dankbar.
„Ich weiß, dass irgendetwas mit diesem Steiner nicht stimmt. Ob es nun ein Dämon oder eine Besessenheit ist weiß ich nicht. Er interessiert sich scheinbar für Dinge die besser unerforscht bleiben. Doch ich zweifle nicht an seinen Fähigkeiten.“ Die Elfe wurde nachdenklich. „Doch in Zeiten wie diesen ist der Magierturm auf seine Stellung und Kontakte angewiesen – so bedauerlich dies auch sein mag.“ In ihrem Gesicht zeigte sich für einen Augenblick jene Härte die sie bis an die Spitze des Magierturms und der Stadt gebracht hatte.
„Halte deine Freunde nah bei dir“, begann sie leise. Die Stimme der Magierin war in diesem Moment nichts weiches mehr. „Und deine Feinde noch näher!“

Schweigend entfernten sich die beiden Frauen Schritt für Schritt vom Magierturm und der Moment verging. Wieder kehrten ihre Gedanken zu Simon zurück. Sie hoffte inständig, dass er wusste was er tat. Doch sein Plan war es sich Lurans Arbeit zunutze zu machen und sie den gegebenen Umständen anzupassen.
Doch es viel der Elfe immer schwerer ihre Freundin über die wirklichen Beweggründe des Magiers im Dunkeln zu lassen.
Würde es etwas ändern, wenn sie der Nymphe die Wahrheit offenbarte, oder gefährdete sie damit den Erfolg seiner Maßnahmen? Sie mochte diese verzwickte Situation nicht!

„Aber genug davon“, sagte sie unvermittelt. „Wir sollten uns mehr auf das Schöne im Leben konzentrieren!“ Sie hob den Blick und seufzte. „Morgen zum Beispiel werde ich bei Sonnenaufgang in meinem kleinen Garten sitzen und endlich mal diesen einen Reisebericht lesen den Luran mir empfohlen hat. Es geht um den Fluss Quara in Bryar. Und die drei Stätte die an seinem Lauf liegen - Jod, Telamir und Qârtan.“ Rhionaan zog die Augenbrauen kraus. Kannst du dir vorstellen, dass behauptet wird, die Handwerkskunst der dort lebenden Menschen, könne der zwergischen das Wasser reichen?“
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#55

Die Nymphe Arons

Nymphe
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Das leichte Nicken der Erzmagierin reichte der Nymphe durchaus. Wenn es nach ihr gehen würde, so sehnten sich manchmal ihre Finger danach, die Menschen und Elfen, die Zwerge und Feen und auch die Katzenmenschen mit solcher liebevollen Aufopferung durch ihr Leben zu begleiten, wie sie es mit den tierischen Freunden gerne tat. Doch unpassend war es, einem Elfen den Schlafzauber aufzuerlegen, wenn er sich überarbeitet hatte. Ungerecht, einem faulen Mann das Obst in den Schoß fallen zu lassen und falsch eine junge Frau blindwütig in einen Werber verliebt zu machen.
Ihre Sorge war gehört worden. Mehr konnte sie nicht verlangen.
Für einen Moment erhellten sich dann doch ihre Züge, als sie den Witz in den Augen ihrer Freundin war und das Kichern durch die Luft glitt und die Fröhlichkeit dieses Momentes anhob. Nur zu gut erinnerte sich die Nymphe daran, dass sich Rhionaan geschworen hatte, Simon und sie wieder auf einen freundlicheren Ton zu bringen. Dass sie jene Gedankenspiele wohl in der Hektik dieses Tages schon wieder aufgegeben hatte, erfreute die Nymphe. Es schien, als würden auf sie wenigstens wieder ereignislose Tage warten.
Nicht, dass ihr Zorn auf den Grafen in irgendeiner Weise verraucht wäre. Es brodelte noch in ihren Zweigen und Gliedern, zwischen den Ästen und der kahlen Narbe in ihren Reihen. Aber ihre Gefühle waren nicht mehr die eines wildgewordenen Ebers. Sie würde warten können - vielleicht auf den Fall der Blätter im Herbst – und dann erneut nach den Dingen sehen.
Sie würde warten, wie lange noch die Hilfe der Paladine von Nöten wäre und sich überlegen, welche Wege sie nun einschlagen wollte, nachdem der Pakt für nichtig erklärt worden war.
Es eilte nicht. Wenn sie es richtig betrachtete, eilte nie irgendetwas wirklich.

Außer das eine vielleicht. Ihr Blick verzog sich wieder und sie nickte schwermütig, als die Elfe von ihrem Umgang mit dem von Steiner berichtete: „Was auch immer er in sich trägt“, versuchte sie es erneut, das Wissen um jene seelenlose Kreatur hatte sich in ihr Herz gebrannt: „ob Dämon, ob Geist, ob Dunkelheit – es wird nicht eher ruhen, bis es den größtmöglichen Schaden angerichtet hat. Unbewusst werden seine Hände nur das größte Übel vollbringen und wer weiß wie hinterlistig das Wesen sein mag, ob es planen kann, um größeres Verderben über weitaus mehr Orte zu strecken. Mir ist es einerlei, ob der Freiherr an sich ein guter oder schlechter Mensch sei. Doch ich fürchte um das, was er in sich trägt.“
Es war nicht so, dass die Nymphe überhaupt nicht verstehen konnte. Sie verstand sehr wohl etwas von Beziehungen, von Kontakten, von den Netzwerken, die so vielfältig sein sollten. Die Sprachbegabten wurden dabei lediglich von den Ameisen und den Bienen überboten, deren Zusammenleben um ein vielfaches komplizierter und ausgereifter war – was es aber tatsächlich auch ein wenig leichter machte, denn bei ihnen funktionierte wenigstens alles so perfekt.
„Ich halte lieber meine Freunde nahe“, entgegnete sie dann, gewillt, das Thema fallen zu lassen: „und meine Feinde so weit wie möglich entfernt.“

Das Schweigen der beiden Freundinnen war entspannend. Wie eine sanfte Brise legte es sich zwischen die beiden und hüllte jeden in seinen eigenen Gedanken ein. Die Nymphe überlegte sich zum wiederholten Male, ob sie die Narbe in ihrem Reich lassen wollte, oder ob sie diese mit sprühenden Farben und Pflanzen wieder zu einer neuen Schönheit verhelfen wollte, als die Elfe wieder über ein glückliches Thema redete.
„Ich kann mir vieles vorstellen“, sagte die Nymphe und lachte leise: „leider habe ich keinerlei Geschmack, was Handwerkskunst anbelangt. Meiner bescheidenen Meinung nach sind die Elfen und die wenigen naturverbundenen Katzenwesen die wahren Meister, aber noch nie habe ich eine der ihren Städte betreten, um mir nur ein Bild aus den vielzähligen Geschichten zu machen.“
Sie lachte leise glücklich, als sie stehen blieb und ihren Blick an einem der herrschaftlichen Häusern hängen blieb. Angestrengt erstarrte sie, dann breitete sich ein Lächeln auf, durchbrach die wenigen Ellen zu dem zierlichen Zaun und legte ihre Hand fast achtlos in das dahinterliegende Blumenmeer. Eine Schlange wand sich um ihr Handgelenk, zog sich hoch und verharrte glücklich an ihrem Oberarm.
„So eine habe ich noch nie gesehen“, sagte die Nymphe fast verträumt: „Und seltsam ist es dennoch. Ihr Gift müsste für euch alle sehr schädlich sein.
In der letzten Zeit hatte sie so manches Tier geborgen. Alle waren sie hungrig und verwirrt gewesen und hatten bizarre Erinnerung an den immerzu gleichen Menschen, der ihnen sorgfältig das Gift nahm. Spinnen wie Schlagen gleich.
Dann wandte sie sich wieder der Elfe zu lächelte die Sonne an und seufzte glücklich, den friedlichen Fund an ihrem Arm gänzlich vergessend.
„Ich hoffe, Eure Befürchtungen über die Synode wurden nicht bestätigt“, begann sie dann wieder und lächelte leichthin. Die Anspannung war der Erzmagierin vorher nahezu abzulesen: „Ich habe zwar dem Größtenteil gelauscht, als würde eine mir unbekannte Sprache gesprochen werden“ Die Nymphe lachte leise, weil sie nun einmal alle Sprachen beherrschte: „aber niemand hat irgendwen in seiner Ehre unerbittlich verletzt und keiner hat feine Gläser gegen die Wand geschlagen…“
Sie dachte an ein sehr eskaliertes Fest vor vielen Jahrhunderten und schüttelte halb belustigt den Kopf.
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#56

Frank Theodor von Steiner

aristokratischer Gelehrter
Mensch
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Von Steiner lauschte aufmerksam und steif dastehend als die kommenden Aufgaben angesprochen wurden.
»Blutschwüre. Eine radikale, aber durchaus effektive Praktik. Solche Pakte vermögen allerdings gelegentlich mit der Macht eines Höhergestellten aufgebrochen werden. Allerdings begibt man sich oft damit von einer despektierlichen Abhängigkeit in eine höchstwahrscheinlich noch drückendere Lehnsschaft. Allerdings erstrecken sich einfach formulierte Schwüre meist nur über die Lebensdauer einer der Vetragspartner.« Der Freiherr lächelte zweideutig. Dann verlor sich der kalte Blick des Gelehrten in der Ferne als seine wanderten, und um das schwere Erbe kreisten, dass auf die Geschichte seiner Familie drückte.
»...wobei das natürlich rein akademische Betrachtungen sind, über die meine Person bei ihren erkläglichen Studien gestolpert war.« Mit einem knappen Kopfnicken verabschiedete er sich von der sich entfernenden Erzmagierin die der Nymphe hinterher eilte.

Pöbel!? Von Steiner wunderte sich. Es sah der Erzmagierin gar nicht ähnlich, abschätzige Worte für die unteren Gesellschaftsschichten zu verwenden. Eine etwas plumpe Anbiederung. Sei es drum. Trotzdem wunderte sich der Freiherr über die ihm zugedachte Aufgabe. Von allen Anwesenden fiel ihre Wahl ausgerechnet auf ihn, eine Charmoffensive auf das gemeine Volk zu konzipieren und durchzuführen? Wo von Steiner sich eher darin übte, bei seinen Forschungen möglichst nicht von den unnützen Umtrieben des einfachen Gesindels behelligt zu werden. Zuneigung ist eine flatterhafte Gunst. Im Gegensatz zu Angst und Furcht. Und Furcht verlangt beim einfachen Volk nach einem Retter. Nun gut verehrte Erzmagierin. Von Steiner hätte da eine Idee...

Aber zunächst galt es ein paar näherliegende Dinge zu erledigen. Ich sollte bald mal nach den Fortschritten dieser Elfe Mina sehen, die ich auf Feldenbach angesetzt hatte. Aber zunächst noch eine Kleinigkeit. »Meister Avenar!« Mit festen Schritten ging er auf den eigentümliche Neuankömmling der Synode zu. »Könntet Ihr einen Moment Eurer kostbaren Zeit für mich erübrigen?«

George A. Hougenoord

oberster Archivar
Halbelf
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Der alte Bibliothekar schüttelte den Kopf als er gemächlichen Schrittes aus der Versammlungshalle schlurfte. Von Steiner als Kastellan. Das kann einfach nicht war sein. Schon lange hatte er herum manövriert um den undurchsichtigen Freiherrn von den gefährlichen Bereichen der Büchersammlung des Turms fern zu halten. Das würde nun bedeutend schwieriger werden. Er seufzte und ging weiter gemächlichen Schrittes zu den Hallen in denen die ihm anvertrauten Schätze gelagert wurden. »Hohe Politik, Blutschwüre und so weiter. George in was bist Du da nur reingeraten.« Erschöpft ließ er sich in einen der abgewetzten aber gemütlichen Lesesessel fallen und führte eine in seiner Hand erschienenen Tasse dampfenden Kakaos zu seinen Lippen. Ein Buch schwebte herbei, öffnete sich und legte sich in seine Hand. Aber die kurzweilige Novelle der ’Nymphen vom Argensee’ vermochte nicht, seine Gedanken und Sorgen zu beruhigen. Ärgerlich klappte er den Folianten zu, der daraufhin wieder zu seinem Platz in den Regalen flog. Er brauchte jetzt etwas anderes um seinen aufgebrachten Geist zu beruhigen. »Ah Meister Sarnalidas. Welch angenehmer Besuch in unseren Hallen. Kann ich Euch auf irgendeine Weise zu Diensten sein?«
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#57

Meister Sarnalidas

Magier
Mensch
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Auf seinem Weg einen weiteren Folianten zu holen, dessen Referenz er gleich zu Beginn seiner ersten Studie gefunden hatte wurde er angesprochen. Verwundert wurde er aus seinen Gedanken gerissen. Sein Verstand war doch noch verschachtelter als er zugeben wollte. "Entschuldigung, Meister" antwortete er dem alten Greis der ihn angesprochen hatte. "Kennen wir uns?" Doch noch im selben Moment sprang ihm ein Bild von einem Mann in den Kopf, der einige Jahrzehnte jünger war als der Mann vor ihm doch bereits eine beachtenswerte Kinnpracht in leicht anderer Farbe aufzuweisen hatte. Das schelmische Blitzen in den Augen verriet ihn letztendlich.
"Meister Hougenoord?" Sarnalidas musste lächeln, wenn auch ein wenig bitter. Er hatte den Archivar doch zuvor bereits in den Hallen sprechen gehört. Warum hatte er dort nicht realisiert, dass er den Mann kannte. Sehr gut sogar. Zumindest vor einigen Jahrzehnten. "Ja ich komme zurecht. Ich war schon eine Weile nicht mehr hier, so sind mir die Neuzugänge nicht besondes bekannt, doch ansonsten ist alles an seinem Platz, wie es sich gehört. Wie geht es euch? Ich gratuliere zu dem Fortbestehen eures Titels, Archivar. Ich dachte nicht jemand würde sich an mich erinnern."

In seinem Hinterkopf beschäftigten sich die anderen damit die Gedanken zu ordnen und alle Informationen zusammenzusammeln, die es zu dem Mann in dem Ohrensessel gab. Schnell begann das Herz langsamer zu schlagen und Ruhe kehrte ein im Körper des Magiers. Keine Gefahr ging von dem Menschen hier aus. Nachdem er mit einer Handbewegung um erlaubnis gebeten hatte ließ er sich in dem Sessel nieder, der schräg gegenüber stand ließ seinen Gedanken ihren freien Lauf während er dem anderen Zauberer lauschte.
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#58

Simon Avenar

Lehrmagier im Magierturm zu Aron
Mensch
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Simon schaffte es seiner Miene einen neutralen Ausdruck zu verleihen.
'Was maßt sich diese Elfe an?', dachte er verbittert und voller kurzweiligem Zorn.
'Du magst ja die Erzmagierin und Ratsvorsitzende sein, doch was verleitet dich zu der Annahme ich würde einen Bericht verfassen? Bin ich einer der Novizen, oder möchtest du mich beschäftigt halten?'
Der Magier gedachte in keinster Weise eine Unterredung mit dieser Rhionaan zu führen – erst recht nicht wenn diese privat war. Er hatte wichtigeres zu tun als den Launen einer Elfe zu folgen. Einer Elfe, die er in die Wälder zurückschicken würde die sie ausgespuckt hatten!
Und trotz all seiner Aversionen gegen diese Frau nickte er lediglich. Ein kleines unverbindliches Nicken von einem zurückhaltenden Lächeln begleitet.

Aufmerksam beobachtete der Kampfmagier wie die Elfe den Saal verließ und wollte sich ebenfalls abwenden.
„Natürlich Freiherr“, erklang seine Stimme beinahe jovial. „Doch gestattet mir zunächst Euch noch einmal zu der Berufung als Kastellan zu Gratulieren.“
Simon deutete eine Verbeugung vor dem Adeligen an und blickte dann demonstrativ in die schwindende Menge.
„Sie versucht um jeden Preis das Gleichgewicht zu wahren, doch das wird ihr das Genick brechen.“ Die Miene des Magiers wurde ernst. „Verzeiht meine Worte. Ich hege keinerlei Fachliche Kompetenzen gegen Euch, doch ich bezweifle das uns dieses Vorgehen große Sympathien einbringen wird.“
Der Magier wandte den Blick wieder zu dem Freiherren. „Aber bitte, wie kann ich Euch behilflich sein?“
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#59

Frank Theodor von Steiner

aristokratischer Gelehrter
Mensch
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Auch Von Steiner verabschiedete sich mit einem ehrerbietigen Kopfnicken von der Erzmagierin, dass diese allerdings vertieft in das Gespräch mit der Dryade nicht wahrnehmen dürfte. Aber es gab hier durchaus noch viele andere Augen, unter deren Beobachtung man stand.
»Jaja, habt Dank,« antwortete Von Steiner ungeduldig auf die Glückwünsche von Simon Avenar. »Wenn ich die Worte unserer geschätzten Erzmagierin richtig deute, kommt es nicht unbedingt auf Sympathie, sondern auf den letztendlichen Erfolg an. Sympathie des einfachen Volkes, mag eine rührige Errungenschaft sein, stellt aber selten eine beständige Wertanlage dar. Ich erlaube mir allerdings die Warnung, Wesen, die dem erbarmungslosen Griff der Zeit trotzen zu unterschätzen.« Frank Theodor von Steiner wandte sich nun vollends Simon Avenar zu und bedachte ihn mit einem hintergründigen, berechnenden Lächeln. »Womit ich auch gleich zum Thema schreite, verehrter Meister Avenar.« Von Steiner grüßte steif kurz einem vorüber gehenden Magier zu, der verlegen zurück lächelte und dann soweit es die Höflichkeit nicht überstrapazierte, seinen Schritt beschleunigte, um aus dem kalten Blick des Freiherrn zu entkommen.

»Wie mir zu Ohren gekommen ist, mag es Euch ein Stück gelungen sein, den Mechaniken der Zeit Euren Willen aufzuzwingen. Ich muss freimütig gestehen, dass mich wissenschaftliche Neugierde dazu drängt, Euch in der Art nahezutreten, Eure Erfahrung darin mit meiner Person zu teilen.« Der Freiherr gestattete sich einen grimmigen Blick hinter der Erzmagierin und der Dryade hinter her zu schicken. »Einige sind leider von Schicksal nicht derart verschwenderisch bedacht worden,« grummelte er leise vor sich hin.

George A. Hougenoord

oberster Archivar
Halbelf
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»Meister Sarnalidas, ich bin empört!«, beschwerte sich mit gespielter Beleidigung der alte Halbelf. »Wie konntet Ihr nur vergessen wie wir damals...« George hielt inne und räusperte sich, als ein paar junge Novizen vorübergingen und sichtlich die Ohren spitzten. Der alte Archivar schaute streng, wobei die angehenden Magier schnell weiter gingen. »Ihr scheint auf jeden Fall interessante Zeiten im Windschatten Eurer Schritte mit zu bringen. Es war hier im alten Aron jedenfalls recht beschaulich, bevor Ihr Eure Nase wieder hier herein stecktet.« George seufzte und ließ sich in seinem Sessel zurück sinken. »Mir geht es wie immer. Kleine Zipperlein, um genüsslich darüber klagen zu können, aber zum Glück nichts ernstes. Und wie Ihr schon mitbekommen habt, wird es wieder nichts mit meinem Ruhestand. Wie soll ich da meine Anthologien vollenden, wenn ich immer wieder mit Aufgaben aufgehalten werde. Ach ja. Wie gehen Eure Forschungen voran? Habt Ihr das Buch vollenden können, über das wir damals die Abende über diskutierten?«
Der alte Archivar biss von einem Nusskeks ab, den er plötzlich in der Hand hielt und schielte auf den Gang hinaus, auf dem sich ihre Magierkollegen verteilten, die die Synode verließen.
»Der gruselige Griesgram als Kastellan. Was immer sich die Erzmagierin dabei gedacht haben mag.«
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