Die Straßen des Nordviertels
#1
Die Straßen des Nordviertels

Sauber und sicher. Diesen Eindruck vermitteln die Straßen dieses Stadtteils
Die Stadtwache zeigt hier stete Präsenz und tut alles, damit die Mächtigen dieser Stadt hier in Ruhe leben können. Doch auch die Wohlhabenden Bewohner kommen gern in den nördlichen Stadtteil um in den wenigen – dafür aber exklusiven - Läden ihr Gold auszugeben.
Die Bewohner dieses Stadtteils haben Gold und sie zeigen dies auch jedem. Die Straße wird regelmäßig ausgebessert und so findet man vom Stadttor bin zum Marktplatz kein einziges Schlagloch in diesen Straßen.

(Was sich bisher auf den Straßen des Nordviertels zugetragen hat, kann hier nachgelesen werden.)
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#2

Die Nymphe Arons

Nymphe
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Die kleine Gruppe erregte bei weitem mehr Aufmerksamkeit als ihnen lieb war. Überall drehten sich Damen nach den kleinen rotgoldenen Füchsen um, die mit ihren kleinen, huschenden Schritten über die Straße gingen. Ihre Nasen waren gereckt, während ihre Körperhaltung zum zerreißen gespannt war. Die Nymphe beruhigte sie mit ihrer Kraft und ihrer Gegenwart und dennoch waren die kleinen Wesen es zumeist nicht gewöhnt, Aufmerksamkeit von Menschen zu bekommen.
Manche Männer mochten lieber ihre Aufmerksamkeit den beiden vermeintlichen Elfen widmen. Die eine eine geschätzte Person in der Stadt, die Erzmagierin selbst, die mit ihrem langen Stab kaum ein weiteres Kennzeichen benötigte. Die andere mochte eine Edeldame mit sonderbarem Geschmack sein – und scheinbar ohne dem Wunsch Schuhe zu tragen.
Schon bald würde der Klatsch die ungewöhnlichen Neugigkeiten weit tragen, sei es in der guten Stube mancher Adeligen oder aber in der Küche so mancher Magd.
Vielleicht würde sich auch noch so mancher an das Auftreten der Dame vor dem Palast Rutgars erinnern. Wer wusste, wie weit und schnell Informationen in einer Stadt wie Aron reisen konnten?
Die Füchse blieben vor einem großen Tor stehen. Sie waren über Umwegen zu einem Gebäude gelangt, das wohl vom Innenhof aus zu den Stallungen mancher städtischer Kutschen führte. In dem von außen schön gestalteten Haus gab es zudem noch ein Gasthaus, das in aller Munde war und in den oberen Geschossen des Gebäudes waren viele Stadtdiener untergebracht. Jene, die mit unangenehmen aber wichtigen Aufgaben konfrontiert waren. Jene, die es kaum wert waren, eine eigene Wohnung für sich und ihrer Familie zu besitzen, aber aus unerlässlichen Gründen einen Platz im Nordviertel finden mussten.
Jene, die die Straßen säuberten, Pferde bereitstellten, Botendienste erledigten, vermittelten – oder aber auch anscheinend in der Befehlsgewalt waren, Bäume im Gründerpark zu fällen.
Ein kleiner Junge erschien im Torbogen, ein wenig eingeschüchtert von der Präsenz von zwei so hohen Damen. Sein Kniefall fiel kurz aus und seine Überwältigung hütete ihn davor die Füchse zu streicheln, die unsicher direkt bei den Beinen der Nymphe standen, als suchten sie dort Schutz vor dem Unbekannten.
„Meine Damen, kann ich euch behilflich sein?“, fragte der Junge in dem Versuch möglichst vornehm zu klingen. Seine Kleidung war sauber und seine Fingernägel geschnitten, aber im Vergleich zu den Kindern des Ostviertels sah er nicht unbedingt reicher aus.
„Ich schätze“, sagte die Damen mit den Ästen in den Haaren: „dort müsst Ihr mit Eurem Einfluss uns Zugang verschaffen.“
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#3

Rhionaan ip Eltan

Erzmagierin und Ratsvorsitzende Arons
Elf
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Die Elfe war schweigsam neben der Nymphe hergegangen. Auch die beiden Füchse nahm sie nur am Rande war. Sie überlegte. Luran hatte Geschichten über die Nymphen der Eichen erzählt und wenn sie sich nicht irrte wurden diese Wesen Dryaden genannt. Nachdem diese Information in ihr Gedächtnis gesickert war, rollte sie den Begriff stumm auf ihrer Zunge. Im Grunde war es auch nur eine weitere Bezeichnung, doch daraus konnte man leichter einen unverfänglich klingenden Namen ableiten als aus Nymphe.
Vielleicht war es besser das die Nymphe sie gerade jetzt aus ihren Gedanken gerissen hatte. Zwar hatten die Elfen bei weitem kein so starres Korsett aus Regeln und Moralvorstellungen wie die Menschen, doch selbst für ihr Volk waren die Gedanken der Erzmagierin mehr als nur gewagt.

Erst jetzt realisierte Rhionaan wo die beiden Tierchen sie hingeführt hatten. Die beiden Frauen standen vor einem Haus für die Diener der Stadt. Doch anders als die Wache bezogen sie keinen festen Sold, sondern wurden nach dem nutzen ihrer Arbeit bezahlt. Auch erhielten sie keine freie medizinische Versorgung.
„Aber natürlich“, sagte die Ratsvorsitzende mit einem kleinem Lächeln. Dann zog sie drei Pergamentbögen aus ihrem weiten Ärmel. „Dürften wir das Haus betreten?“, fragte sie den Jungen.
„Weshalb sollten solch hohe Damen wie Ihr zu uns einfachen Leuten kommen?“, die Stimme des Jungen klang zögerlich und sein Blick ruhte misstrauisch auf den Pergamentbögen.
„Wie ist dein Name?“ Die Erzmagierin wich bewusst der Frage des Kindes aus und versuchte das Gespräch in in eine unverfängliche Richtung zu lenken.
„Ich heiße Ulf!“, antwortete der Junge sofort. Rhionaan ließ ihm jedoch keine Zeit für eigene Fragen. „Und wie alt bist du?“ „Ich bin...“ Ulf zögerte einen Moment und zählte dann mithilfe seiner Finger und leisem Gemurmel. „... ich bin fast zehn!“
Die kindliche Unschuld ist das erste was wir verlieren, dachte die Elfe mit einem traurigem Lächeln. Wir verlernen die Welt als Ganzes zu sehen und gewöhnen uns an in Schubladen zu denken. Das ist immer böse, das ist gut. Dieses ist falsch und jenes richtig.
„Na gut Ulf, du könntest etwas ganz wichtiges für uns erledigen“, sagte die Erzmagierin mit gedämpfter Stimme. Ihr Gesichtsausdruck wirkte so ernst als ginge es um das fortbestehen der Stadt. Nun, in gewisser Weise traf das ja auch zu. „Kennst du einen dieser Männer?“ Die Frage klang sanft und nur ein Magier konnte erkennen das die Elfe den Jungen mental beeinflusste. Das stellte keine Herausforderung für die Versierte Zauberin dar. War der Wille des Jungen doch noch weich und formbar. Außerdem tat sie nichts was Ulf schaden könnte. Sie zerstreute lediglich sein Misstrauen.
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#4

Die Nymphe Arons

Nymphe
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Mit einer Spur von Neugier beobachtet die steinalte Nymphe wie die ebenfalls ältere Erzmagierin mit dem Jungen umging. Kleine Kinder erinnerten das Naturwesen gerne einmal an die Säuglinge der Tiere. Erst, wenn sie groß wurden, waren sie so fremd wie Menschen es nur sein konnten. Dann sorgten sie sich um so weit entfernte Begriffe wie Ehre, Stand und Ansehen... oder aber auch um die bekannten drei: Freundschaft, Liebe und Sicherheit.
Der Junge war leicht skeptisch, bis er sich ganz auf die schöne Elfe einließ. Nur wenig danach war er wieder skeptisch und schaute von der einen Dame zur nächsten: „Ich verstehe nicht.“, sagte er leise und schüttelte seinen Kopf, hielt sich einen Finger hoch an die Schläfe und zog die Augen zusammen. Dort, wo er die Männer gesehen hatte. Gerade konnte er den Fremden zwar nicht Misstrauen und dennoch hatte er ein ungutes Gefühl im Bauch, wie, wenn er zu viel von der heißen Suppe seiner Mutter gegessen hatte: „Was möchtet Ihr von meinem Vater? Und Bob? Und Herr Grünwald?“
Seine Blicke glitten von einer Dame zur anderen. Fast hektisch, als wäre er sich immer unsicherer über sein neu gefundenes Vertrauen: „Mein Papa ist gerade nicht da. Bob ist beim Gerichtssaal, irgendwelche Bänke richten. Aber Herr Grünwald ist draußen und spielt mit den anderen Kindern Ball.“
Nachdem er (von der Erzmagierin) um Einlass gebeten wurde, trat er beiseite und ließ die beiden durch den Torbogen hinein kommen. Die Nymphe beugte sich zu ihrer Freundin hinüber: „Ich verstehe nicht, warum du seine Gefühle ändern durftest, ich aber die Soldaten nicht in ihren besten Schlaf der Welt versetzen durfte.“ Vielleicht war die Frage rein rhetorisch gewesen. Vielleicht war es wirklich etwas, was sie nicht verstand. Soweit sie es sah, gab es kaum einen Unterschied zwischen den beiden Handlungsweisen.
Herr Grünwald zeichnete sich als älterer Herr aus, der in der aufbeschworenen Erinnerungen recht gut mit einer Axt umgehen konnte. Sein stämmiger Körper wurde im Moment dafür genutzt, einem Jungen den Ball mit ein paar Fußbewegungen abzunehmen und nach Spielart in die Hand zu nehmen und einem kleinen Mädchen abzugeben, die reichlich überfordert war.
Als er die Ankömmlinge bemerkte, entschuldigte er sich bei den Kindern, drehte sich mit misstrauischem und vorsichtigem Blick zu den beiden um und verbeugte sich tief. Etwas in ihm erklärte ihm, dass er gerade in tiefen Schwierigkeiten steckte: „Meine Damen“, sagte er. Er kannte die Erzmagierin vom Sehen. Manchmal schritt sie an den Stellen entlang, bei denen er arbeitete. Er bewunderte sie für ihren geraden Gang, die Ehre, die sie genoss und das Wissen, dass sie trug. Doch genauso beunruhigte es ihn nun, plötzlich mit ihr zu tun zu haben: „wie kann ich euch zu Diensten sein?“
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#5

Rhionaan ip Eltan

Erzmagierin und Ratsvorsitzende Arons
Elf
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„... da gründeten sie mit Gond das heilige Bündnis.“ Die Elfe blickte zu ihrer Freundin und überlegte. Die Schritte der beiden Frauen wurden vom leisen Pochen des Zauberstabs der Elfe begleitet. „Ihr Gott ist Kusor. Ihm ordnen sie alles unter und der erstrebenswerteste Tod für einen Angehörigen ist der auf dem Schlachtfeld.“ Die Magierin schüttelte den Kopf und strich sich dann mit der rechten Hand eine Strähne hinters Ohr. „Eine abstruse Wertvorstellung, ich weiß“, sagte sie und hob die Hand um etwaige Einwände zu unterbinden. „Aber mein Vorschlag warum wir die Paladine mit dem Schutz deiner Heimat beauftragen sollten fußt auf der einfachen Tatsache, dass du bei den Paladinen als Nymphe einen neutralen Status genießt. Außerdem hast du mich als Fürsprecherin.“ Sie lächelte der Nymphe aufmunternd zu und nutzte deren nachdenkliches Schweigen für einen weiteren Einwand. „Ruthgars Zugriff auf den Park würde durch diesen Schritt abgeschnitten und nur der Befehlshaber der in Aron stationierten Legion dürfte dem Orden diesbezüglich Befehle erteilen.“

Die Elfe blickte ihre Freundin mit einem zufriedenem Lächeln an. „Dieses Angebot kann ich dir machen und wenn du es möchtest werde ich mich dafür einsetzen“, sagte sie ruhig. „Wichtig ist, das es dir mit der Lösung gut geht.“
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#6

Die Nymphe Arons

Nymphe
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„Der Orden des roten Greifen“, murmelte die Nymphe leise vor sich hin, während sie sich geschmeidig im Gleichschritt zu dem Takt des Magierstabs bewegte: „ich habe so manche seltsame Kreatur gesehen und noch seltsamere Kreaturen erahnt, doch der Anblick eines rötlichen Greifens ist mir bisweilen verwehrt geblieben...“
Egal wie lange ihre Worte über den Namen der seltsamen Gruppe nachsinnen konnten, ihre Gedanken beschäftigten sich mit der Frage der Notwendigkeit. Menschen begannen so manche interessanten Lebensweisen zu erahnen und Moralvorstellungen zu entwickeln, die sich kein Wesen jemals ausgedacht haben könnte.
Selbst wenn sie nicht ihre Hilfe annehmen würde, es gab einen Funken Neugier in der Nymphe, diese neue Denkweise kennen zu lernen und vielleicht einiges zu verstehen.
„Wisst Ihr...“, begann die Nymphe langsam, nachdem sie eine Weile in Richtung der Festung der Paladine gegangen waren: „...dass ich zwar weit ab meines Reiches bin, aber ich die Wurzeln noch immer fühlen kann? Würde jetzt etwas meinen Bäumen widerfahren“ Sie schauderte kurz, suchte aber die Augen der Erzmagierin: „so würde ich es dennoch fühlen.“
Sie warf ihren Blick gen Himmel. Das sanfte Blau des Abendhimmels verfing sich in ihren Augen und tauchte sie kurz ein: „Die Wahrheit ist, dass ich an dem Tag, an dem die Bäume gefällt worden sind, einen Schritt aus meiner Selbst getan habe. Ich verließ mein Reich um für eine größere Sache einzustehen, um etwas anderes zu beschützen, das nicht ich war. Ich verließ sogar die bekannte Welt, um eine Übelkeit zu verhindern, die nicht nur mein bescheidenen Park in Schatten gestürzt hätte.“
Das Vertrauen ihrer Freundin gegenüber war gestiegen und der Wunsch nach einem Gesprächspartner hatte sich hineingelegt: „Ich wusste nicht, dass ich in der Lage war, meine Wurzeln nicht mehr zu fühlen. Ich verließ meine Kraft und wurde fast wie eines der Wesen, die...“ Sie stoppte sich, schaute zu Rhionaan und lächelte leicht: „soetwas wie eine Elfe, vielleicht. Im metaphorischen Sinne.“
Sie richtete wieder ihren Blick auf die Straße und fuhr fort: „Ich habe nie in den Geschichten gehört, dass ich dazu in der Lage sein sollte. Nie verlassen die Hüter ihren Bereich. Ich habe es getan.“
Sie lachte leise das glockenhelle, fast unmenschliche Lachen eines mystischen Wesens: „vielleicht bin ich einzigartig.“

Nach ein paar Herzschlägen ließ sie das Thema aber wieder fallen und besann sich auf das Ziel ihres Spazierganges: „Rhionaan, ich danke Euch für das Angebot. Es wird mir ein Vergnügen sein, jene Paladine kennen zu lernen. Ich glaube nicht, dass mein Park Bewachung braucht, solange, wie ich meinen Lebensbaum pulsieren fühle und ich bemerke, welche Vorkommnisse so weit von uns entfernt sich zutragen.“ Sie blickte kurz zu den Füchsen, die noch immer um ihre Beine liefen, als wären sie im Bau ihrer Mutter: „doch ich habe schon eigenartige Zufälle gesehen und ich befürchte, dass ich in etwas viel schlimmeres als eine offensichtliche Auseinandersetzung geraten bin. Ich fürchte, hier geht es nicht mehr um Verträge, ich fürchte, dem Herzog geht es um Politik.“
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#7

Rhionaan ip Eltan

Erzmagierin und Ratsvorsitzende Arons
Elf
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Die Elfe lächelte leicht über die Verwunderung der Nymphe. Es wäre ihr ein einfaches gewesen ihre Freundin bezüglich dieses Mysteriums aufzuklären, doch sie genoss in diesem Augenblick die Ratlosigkeit der uralten Wesenheit.

Es war schön einfach einmal einen entspannten Spaziergang durch die Stadt zu machen. Und wenn Rhionaan die Gedanken bezüglich ihrer Position und des augenblicklichen Zwecks dieses Spaziergangs aus ihren bewussten Gedanken verbannte - so tat sie dies um ein wenig Kraft zu schöpfen.
Sie verweilte in Gedanken bei Luran und bedauerte es, dass die Nymphe nicht einen Augenblick länger schwieg. Sie war der Nymphe nicht böse. Die eigenen Erinnerungen waren wichtig. Konnte man doch aus dem erlebten aufschlussreiche Erkenntnisse ziehen und dem Schmerz der Wirklichkeit einen Moment entfliehen. Doch der Erzmagierin lag ungewöhnlich viel an den Belangen der Nymphe. Sicher mochte hier die Tatsache, das sie in dieser Dryade eine gute Freundin gefunden hatte, einen gewissen Einfluss haben. Es machte sie angreifbar und sie mochte aufgrund dieser Tatsache etwas die Rationalität ihrer Entscheidungen außer acht lassen.
Es war ihr egal. Sie hatte so viel für die Menschen hier - für diese Stadt und ihren verfluchten Grafen - geopfert, dass sie diese kleine Eigenheit als ihr privates Recht ansah.

Kurz begegneten sich die Blicke der beiden Frauen, ehe die Nymphe wegsah. Die Elfe versuchte einen Moment lang den Blick ihrer Freundin zu fangen, denn sie glaubte Angst darin erkannt zu haben. Und mit diesem Verdacht gewannen auch die vorangegangenen Worte der Nymphe ein neues Gewicht.
Doch die Dryade gewährte der Elfe zunächst keine Gelegenheit ihre Gedanken zu ordnen. Sie sprach von einer abgewendeten Bedrohung die außerhalb dieser Welt lag. Und davon, dass sie ihre Wurzeln verlassen hatte und von einer metaphorischen Existenz.
Rhionaan erwiderte das Lächeln ihrer Freundin und schmunzelte leicht. „Von den meisten Dingen die wir vollbringen können wissen wir nichts“, sagte sie gelassen und ließ einige Augenblicke verstreichen ehe sie weitersprach. „Jedenfalls bis wir sie getan haben.“
Die Ratsvorsitzende wollte noch etwas erwidern, doch die Nymphe ließ legte entweder keinen gesteigerten Wert auf eine Antwort, oder die Geschehnisse waren doch etwas zu viel in zu kurzer Zeit.

Die Erzmgierin war einen Moment verunsichert, ehe sie es begriff.
„Wenn du Ruthgar meinst, dieser Mann ist ein Graf und ihm geht es immer um Politik“, sagte sie müde. „Doch im Gegensatz zu mir besteht seine Politik darin sich selbst zu bereichern und seine Position zu festigen.“ Der Griff um ihren Stab wurde fester und man sah wie sich die Hand der Magierin anspannte. „Und genau deshalb benötigen wir die Paladine als unabhängige Instanz!“ Rhionaan atmete einmal tief durch und zwang sich zur Beherrschung. Heute werde ich alles unternehmen damit sich das Morgen nicht wiederholt!, dachte sie grimmig und erinnerte sich daran was sie getan hatte als sie diese Situation zum ersten mal erlebte.
Optionen die sie vor jener Begegnung und den überwältigenden Offenbarungen abgelehnt hatte, wurden nun akzeptabel. Und die Nymphe würde ein kleiner Teil dieser Lösung sein! Außerdem fühlte sie sich wohler wenn sie sich nicht jeden Schritt von politischen Interessen diktieren ließ.
„Du hast recht“, antwortete sie schließlich und suchte nach unverfänglichen Worten. „Normalerweise wirft die Vergangenheit ihren Schatten auf die Zukunft, doch dieses mal könnte es umgekehrt sein.“ Eigentlich sollte der Gesichtsausdruck der Elfe einen würdevollen und überlegene Eindruck vermitteln, doch als sie ihre eigenen Worte einmal im Geist wiederholte, wurde ein Grinsen daraus. Und schließlich lachte die Erzmagierin laut.

Weiter geht es in der Feste der Paladine
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#8

Mèowýn

Waldläuferin
Mensch
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Schon längst erschrak Mèowýn nicht mehr, wenn irgendeine Fee plötzlich aus dem Nichts vor ihr Auftauchte. Sie hatte Monate im Feenreich verbracht und trotz der ständigen Schabernacks irgendwie ihren gesunden Menschenverstand behalten. Aber Überraschung lag ihr noch immer nahe und so folgten ihre Augen der plötzlich erschienen Fee, dessen Farben und deren Tracht ihr doch ein wenig fremd vorkam.
„Nimm dir ruhig ein wenig“, bot sie willig an. Ein so gutes Geschenk war bestimmt nicht dazu gemacht, von den hungrigen Mäulern einfach verschlungen zu werden, ohne es zu teilen. Wobei die Dryade wirklich freigiebig wirkte, normalerweise hielten die alten Baumschwestern meist mit allem zurück und verteidigten ihr Hab und Gut wie ein Drache seinen Schatz – so jedenfalls hieß es in den Geschichten.
Ihr Blick folgte Taurs zur Sonne und ihre Augen brauchten danach eine Weile, um sich wieder auf den Dächern orientieren zu können. Es war schon bewundernswert, dass Taur den Weg kannte. Ihr Gesicht verhärtete sich nur kurz, als sie von dem Schuldnerturm hörte und ein fast schon neugieriger Ausdruck legte sich in ihr unbekümmertes Gesicht, als sie von der Schmiede hörte. Wenn sie sich richtig erinnerte, hatte sie dem Schmiedssohn ihr Wort gegeben und war doch nie aufgetaucht.
Es schmerzte ein klein wenig, dass sie ihr Versprechen gebrochen hatte. Mèowýn wollte nie einer jener Menschen sein, deren Wort und Tat niemals übereinkamen. Eigentlich wollte sie noch nicht einmal ein Mensch sein.
„Der Dunkle aus dem Wald kennt sich hier gut aus“, sagte sie zu Seraphina, nachdem sich alle vorgestellt hatten und die Luft von fliegenden, glitzernden Feen voll war: „Ich glaube, wir finden unseren Weg.“ Die Waldläuferin hatte genug Erfahrung mit Feen, um einer Wegbeschreibung von eben jenen nicht wirklich vertrauen zu können.

Mèowýn nahm ebenfalls ein wenig mehr von den Früchten. Ihre letzte Mahlzeit war ein Keks gewesen und auch das war schon viel zu lange her. Sie mussten unbedingt Brote kaufen, wenn sie schon hier waren. Und vorher an Geld kommen, verstand sich...
„Keine gelbe Zunge“, lachte sie etwas zu laut auf: „Aber es schmeckt fa-bel-haft!“
Sie hielt ihn kurz, als er wankte, aber interessanter Weise störte es sie auch nicht, dass er anscheinend ein wenig komisch war.
„Weißt du wirklich nicht, dass das da oben die Sonne ist?“, fragte sie lachend und zeigte auf den gelben Kreis, der Brutstätte so vieler Legenden war. Die drei Feen, die Taur neuerdings begleiteten, schienen ebenfalls so viel lustiger zu sein und ganz besonders hübsch zu sein.
Sie folgte ihm lachend, aber noch ohne irgendein Taumeln, und schaute dann zu Seraphina: „Du trägst eine Blume auf dem Kopf.“
Aus irgendeinem Grund erschienen ihr alle normalen Kleinigkeiten gerade besonders witzig. Sie hob die Bündel hoch und bedauerte, dass sie dann keine Frucht mehr essen konnte.
Aber so konnte sie noch der werten Eriana auch etwas abgeben.
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#9

Seraphina

Tunichtgut/Heilerin
Windling/Fee
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Ganz besonders freute sich Seraphina, als sie drei andere Feen in der Luft vor sich sah! "Oh, das ist aber schön ein paar andere Feen zu treffen!", freute sich Seraphina und umarmte eine jede in der Luft, so wie es dem Brauch der Feen entsprach, dann griffen die vier sich an den Händen und tanzten erstmal eine Runde durch die Luft, wobei sie sich immer schneller in der Luft drehten, bis alle vier kichernd auseinanderstoben. "Nö, ich komm aus Amirith, bin eine Fee auf Forschungsreise. Naja, eigentlich wollte ich zu einer Freundin."
Nachdem sich alle an den Früchten, die die Menschenfrau und Dunkelküken dabei hatten, gestärkt hatten, kicherte Sera leise. Ganz genau wusste die kleine Fee, was diese Früchte bei Großen bewirkten, auch die anderen Feen mussten das wissen, so unschuldig sie im Moment aussahen. Die Großen nannten diesen Effekt Rausch, die Feen nannten ihn 'lustig werden', was wohl beides zutraf. Wenn die Großen dann noch gelbe Zungen bekamen, dann waren sie den ganzen Tag lustig!
Bei Feen wirkte das Ganze leider nicht, aber das war egal, Feen waren sowieso immer lustig und zu streichen aufgelegt. Bei Taur und Méowyn funktionierte dieser Effekt scheinbar ganz ausgezeichnet. Obwohl sie etwas traurig war, dass dieser Rausch nicht lange vorhalten würde, da sie noch keine gelben Zungen hatten. Aber was soll's, ein bisschen Spass kann nicht schaden!
"Oh ja, ein schöner Hut, findest du nicht?", fragte Seraphina und possierte, als sie Méowyn auf ihren Hut, oder besser ihre Blume ansprach. "Eine Blume auf dem Kopf zu haben ist sehr geschickt! Dann kann man immer an was Gutem riechen, wenn's stinkt, man kann vorzüglich Kekse darunter verstecken - Oh nein, ich hab keine drunter versteckt, aber das kann man gut!", sagte Sera schnell, als sie die anderen Feen böse ansahen. Warum böse? Na, Feen teilten normalerweise alles. So war schon immer gewesen. Tradition oder sowas, dann wandte sich die Fee wieder an Méowyn, " - und natürlich sehen Blumen viel schöner aus, als so olle Hüte, wie ihr Großen sie tragt!"
Sera kicherte und flog in der warmen Luft umher, dabei zerzauste sie nicht zufällig Méowyns Haare, so eine Sturmfrisur stand ihr doch viel besser!...das fand zumindest sie.

Sie hatten ein wenig auf den Dächern gespielt, dann machte sich die kleine Gesellschaft, nun um ein Mitglied reicher, denn Sera hatte einfach entschieden, mitzukommen, wieder auf den Weg. Sera residierte mit den anderen Feen in der Tasche des Elfen. Im Moment hatte Sera den Kopf noch rausgestreckt, es befand sich noch niemand anderen in der Nähe, sonst hätte sie sich, wie die anderen Feen, in der Tasche versteckt...oder rausgeflogen, um einen Streich zu spielen.
"Ihr wollt zur Heilerin? Ist jemand verletzt?", fragte Sera...und kam nun zu dem, was ihr auf der Zunge brannte, "Können wir auf dem Weg beim Bäcker an der Ecke haltmachen und was Süßes kaufen?" Natürlich stimmten ihr die anderen Feen sofort zu mit "'Ja, was Süßes!", "Oh ja, ich will auch was Süßes!", "Süßigkeiten!" und "Ja, lasst uns was Süßes mops...kaufen!", was nun wieder von Seraphina kam, die sich einfach hatte mitreißen lassen.
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#10

Taur

Druidenlehrling
Dunkelelf
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»Au ja, etwas Süßes mopsen...« kicherte Taur. Er schaute halblind durch den Stoffstreifen über die gleißenden Dächer des auslandenden Nordviertels. Hier an den Randstraßen drängten sich die Häuser der edleren Manufakturen, so dass es für einen geübten Kletterer möglich war, ein Wegstück oberhalb der Stadt zurück zu legen. »Dort drüben ist die Konfiterie... Konfass... ähm Süssbäckerei von Meister Rondalf. Der hat oben auf dem Dach einen Verschlag, in dem er seine kandierten Früchte trocknet und seine Kleinkuchen auskühlen lässt. Das Schloss ist nicht kompliziert und nachts konnte man immer gut mal vorbeischauen. Da war immer soviel drin, dass kann er und seine Gesellen gar nicht alles alleine essen.«
Taur guckte grinsend zu den Feen in seiner Tasche runter. »Kekse kaufen wird schwierig. Ihr könnt mal nachgucken, ob darin noch ein Stück Kupfer findet, aber das bezweifel ich.« der junge Elf war viel zu gut gelaunt und es war im zu leicht im Kopf, als dass er sich an Mèowýns Standpauke über das Konzept von Eigentum erinnerte.
»Sonne. Stimmt, so hieß das Ding. Es könnte nur etwas dunkler sein. Man kann ja garnichts mehr sehen, wenn es so heftig leuchtet. ’Großes Auge am Himmelszelt. Wachst über die Taten der Rechtschaffenden und der Schurken. Schenkst deine Gaben, den Armen und Reichen...’ Das ist das wo die Ode von Hermann von der Rabenweide also handelt. Macht das Ding wirklich mehr als warm und hell zu sein?«

Taur balancierte spielerisch auf dem Dachfirst, rutschte etwas ab, fing sich aber lachend. »Nein, nein. Schlimm verletzt sind wir nicht. Zur Heilerin müssen wir zum einen, weil wir bei unserer Kletterpartie durch das verzauberte Baumköniginschloss ein paar Verwünschungen abbekommen haben.« Er tippte mit seinen schmalen Fingern an die kleinen Hirschhörner, die zwischen den silbrigen Haaren aus seinen Schläfen wuchsen. »Hoffentlich wird sie nicht zu sehr schimpfen, und was dagegen tun können.« Taur streckte sich und proklamierte: »Die Meisterin Eriana ist nämlich nicht nur eine kunstfertige Heilerin, sondern auch in magischen Dingen äußerst bewandert. Und sie hat sich bereit erklärt, meine Ausbildung zu überwachen, während der alte Mann wichtige Geschäfte in Amirith nachgeht. Und vielleicht hat sie neue Aufgaben oder Übungen für mich. Moment...« Taur schaute die kleine Fee angestrengt an. Er versuchte Krampfhaft zwischen der wohligen Watte, die sich in seinem Verstand breit gemacht hat klar zu denken. »Ja, normalerweise kümmert sich der alte Wurzelsturz um den Wald,« erklärte Lilienschein. »Aber dann ist er Hals über Kopf in einen kurzen Weg und hat alles Dunkelkücken überlassen. Der hat Nerven. Naja, da müssen wir jetzt eben ein bisschen mehr mit aufpassen.«

»Moment..« fing Taur nochmal an. »Wenn Du aus Amirith bist, hast Du A’ir...« Welchen Namen hatte der Alte Mann nochmal unter den Elfen geführt? Hammer- und Stollenbruch, der muss mehr Namen führen als er an Wintern erlebt hat. Wie merkt der sich nur die alle? »den alten Wurzelsturz... Hihi... Hast Du ihn gesehen? Haha, was macht er er so, der alte Wurzelsturz... Prfttt Hihi« Taur konnte ein alberndes Kichern nicht zurück halten. Wenn er sich vorstellte wie der alterwürdige Mann wohl zu so einem Namen bei den kleinen Volk gekommen war. Da hatte er es mit ’Dunkelkücken’ nicht so schlecht getroffen. »Aber so eine Blume für den Kopf hätte ich auch gerne.« Wenn er etwas klarer im Kopf wäre, würde ihm vielleicht in den Sinn kommen, dass das bei einem Jungen etwas lächerlich aussehen könnte, aber im Moment war im das egal. »Nur so große Blumen, hab ich noch nicht gesehen. Pilze gab damals in der Binge in der Größe.« Er musste sich gerade einen Zwerg mit einem Pilz auf dem Kopf vorstellen und kicherte wieder.

Aus einem Reflex heraus griff er nach Mèowýns Hand, die gerade leichtfertig schwankend am Dachrand tänzelte. »Vielleicht ist da noch ein Flugtrank dabei. Was meinst Du?« schlug er leichtfertig vor. »So ein paar Feenflügel würden Dir gut stehen.« Dann zeigte er mit der Hand auf das Nachbardach. »Da ist Meister Rondalfs Verschlag. Ich kann aber nicht erkennen, ob sich welche seiner Gesellen da rumtreiben.« Von unten konnte man das geschäftige Rumoren der der edlen Werkstätten hören, die kostbares Backwerk, Delikatessen, aber auch erlesene Kunstgegenstände und Waren hier am Rande des Nordviertels anboten. Der Geruch von diversen Delikatessen, wertvollen aromatischen Hölzern wurde durchzogen von den Ausdünstungen von heiß geblasenem Glas und geschmolzenem Messing.
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