Der Schankraum
#51

Zaida

Geschichtenerzählerin
Waldelfe
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Als die Wachen hereinkamen und ein paar ziemlich gewalttätige Streithähne in Gewahrsam nahmen, kletterte Zaida unter dem Stuhl hervor, unter beziehungsweise hinter dem sie sich versteckt hatte. Ihr Rücken schmerzte von der unbequemen Position unter dem Stuhl und im nachhinein fragte sie sich, wie sie es überhaupt darunter geschafft hatte. Aber es war nun nicht der Richtige Zeitpunkt, um darüber nachzudenken. Schnell versuchte sie, sich einen Überblick im Chaos zu schaffen. Sie suchte nach ihren Freunden. Aline hatte sie schnell gefunden, nur Nagakura und die Zwergin waren im Getümmel verschwunden. Obwohl... Nein, die Zwergin suchte wohl gerade das Weite, wurde aber von den Wachen gehindert, die Schänke zu verlassen. Gab es hier irgendwo einen Hinterausgang? Sie wollte besser so schnell wie möglich verduften. Eigentlich hätte sie das schon lange machen wollen, doch sie wollte auch ihre Freunde nicht im Stich lassen.

Einer der Wachen, ein noch recht junger Bursche mit Sommersprossen und Segelohren, kam auf Zaida zu. "Könnt Ihr mir sagen, was hier passiert ist?" Auf Zaida wirkte er ziemlich nervös und sie fragte sich, was dieser Junge bei der Stadtwache zu suchen hatte.
"Kneipenschlägerei", erwiderte Zaida achselzuckend. 
Der Junge seufzte. "Das Übliche also." Zaida tat er beinahe Leid. "Ja, das Übliche."
"Enrico, komm her", herrschte ihn einer der erwachsenen Wachen an. Der Junge befolgte die Anweisung schnell. 

Nun musste sich Zaida entscheiden: wollte sie möglichst schnell die Kneipe verlassen und so ihre Freunde im Stich lassen oder wollte sie ihren Freunden beistehen, dabei aber Ärger mit den Stadtwachen riskieren? Da Zaida eine treue Elfe war, entschied sie sich für letzteres.

Da Zaida für die Zwergin nicht sonderlich viel übrig hatte (sie fand sie etwas zu schweigsam, praktisch veranlagt und rauflustig) und sie Nagakura einfach nicht finden konnte, ging sie zu Aline und dem Fremden, der bei ihr war. "Guten Tag", versuchte sie es freundlich, obwohl sie von der ganzen Lage mittlerweile ziemlich genervt war.
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#52

Kars (Neunfinger)

Gesetzloser
Mensch
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Der Blick der bernsteinfarbenen Augen der sich auf die Elfe richtete war nicht feindseelig, nur wach und kalt. Das schmale Gesicht mit der gebrochenen Nase und der Narbe auf der Stirn, in dem sich Spuren eines bewegten Lebens abzeichneten, zeigte aber erkennbare Abneigung sich von der Unbekannten stören zu lassen. Erst nach einer ungenierter Musterung milderte sich der dieser Ausdruck.

Kars war drauf und dran der Elfe zu empfehlen sich davon zu scheren, aber etwas hielt ihn zurück. Vielleicht war es das schmale, feingeschnittene Gesicht mit den großen blauen Augen, vielleicht das lange schwarze Haar, vielleicht ihre Anmut, vielleicht aber auch bloße Neugierde. Er hatte in seinem Leben nicht viel mit Elfen zu tun gehabt und auf den zweiten Blick verstärkte sich die Faszination noch, die von der Unbekannten ausging. So schluckte Kars seine giftigen Worte hinunter und setzte sogar ein Lächeln auf.

Das Lächeln, daß sich auf dem Gesicht des Mannes vor ihr ausbreitete war durchaus freundlich, aber es erreichte seine Augen nicht. Die Stimme war etwas rauh, aber wohlklingend, als er ihren Gruß erwiderte. „Auch euch einen schönen Tag.“ Kars war es nicht entgangen, daß sich zuvor die Elfe und die Diebin mit dem theatralischen Adeligen unterhalten hatten. „Wollt ihr euch denn nicht zu uns setzen?“: erkundigt er sich in freundlichen Tonfall bei der Elfe. „Ich bin sicher, daß Aline nichts dagegen hat.“

Einladend wies Kars auf einen freien Stuhl an seinem Tisch. Die kleine Diebin war ihm im Moment nicht mehr so wichtig. Selbst wenn sie sich jetzt aus dem Staub machte, würde er sie finden. Aber der gierige Glanz in ihren Augen deutete nicht darauf hin, daß sie die Möglichkeit sich ein paar Münzen unter den Nagel zu reißen so einfach in den Wind schießen ließe. Ohne Zeichen von Ungeduld wartete er ob die Elfe seine Einladung annehmen oder ablehnen würde.
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