Der Schankraum
#1
Der Schankraum

Wer vom Marktplatz aus durch die schweren Eichentüren in das „Gasthaus zum Drachen” tritt, findet sich gleich mitten im Geschehen wieder.
Der großzügig geschnittene Schankraum ist zumeist sehr gut besucht, die Luft angefüllt mit einer Mischung aus den Wohlgerüchen der Küche und den Ausdünstungen der Anwesenden. Die Gespräche der Gäste und das Scherzen der Angestellten verweben sich zusammen mit dem Klappern von Besteck, sowie dem beinahe allgegenwärtigen Schaben und Knarzen von Stühlen und Tischen, zu einem dichten Klangteppich.
Die Sitzgelegenheiten stehen recht dicht beieinander und lassen so der geschickten Schankmaid aber auch den Gästen selbst, nur wenig Platz um sich zu bewegen. Zu besonderen Anlässen, gelegentlich aber auch einfach des Abends, wird eine kleine Tanzfläche freigeräumt. Was jedoch nur bewirkt, dass sich die Leute noch leichter gegenseitig auf die Zehen treten. Der Stimmung tut dies allerdings nie einen Abbruch. Was immer möglichst frei bleibt, ist der Weg zum angrenzenden Kaminzimmer und der Tür, welche den Gang zum Badezimmer verbirgt.

Im hinteren Teil des Raumes findet sich die wuchtige Theke, wo stets ein immenser Vorrat an Bierfässern, sowie eine schöne Auswahl an Weinflaschen, vom erschwinglichen Hausgetränk bis hin zum edlen Tropfen, bereit steht. Krüge und Becher türmen sich, aufgrund ihrer schieren Menge teils abenteuerlich arrangiert, auf den an jedem freien Platz angebrachten Regalen.
Unter der von vielen Fingern blank polierten Platte des Tresens hängen die Schlüssel zu den Gästezimmern, welche jedoch nur nach Vorkasse ausgehändigt werden. Aber auch so unelegante Notwendigkeiten, wie ein Putzeimer mit stark riechenden Kräutern, haben hier ihren festen Platz gefunden.

Hat man sich entschlossen, im „Drachen” zu nächtigen, ist die Treppe nahe des Theke der rechte Weg. Im ersten Stock befinden sich saubere Zimmer für fast jeden Geldbeutel. Der zweite Stock ist dem Wirt und seinem Personal vorbehalten.
Folgt man jedoch dem Gang neben den Stufen, gelangt man in den Hof und weiter zu den Stallungen.

(Was sich im Schankraum bisher zutrug, kann hier nachgelesen werden.)
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#2

Lurak Garson

Tagedieb
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Es war schon fortgeschrittener Tag, als Lurak das Gasthaus zum Drachen betrat. Bis er daheim war und schlafen konnte, war doch noch einige Zeit vergangen. Der Abend gestern verlief in vielerlei Hinsicht nicht so wie geplant. Statt des feuchtfröhlichen Abends mit lustiger Unterhaltung und dem einen oder anderen Geldsack, der in seine Hände geriet, hätte er fast sein Leben eingebüßt. Aber immerhin hatte er eine junge Frau kennen gelernt. Eine junge, gut aussehende Frau! Und nett war sie außerdem! Bislang hatte er nicht besonders viel Glück mit Frauen gehabt, aber dieses Mal hatte er ein gutes Gefühl, vielleicht die richtige getroffen zu haben.

Er blickte sich um, konnte Chantal aber noch nirgends erblicken. Das Mädchen war vermutlich von der Nacht so mitgenommen, dass es noch schlief. Lurak überlegte einen Augenblick, ob er zu ihr hochgehen und sie wecken sollte, entschied sich dann jedoch dagegen. Als gerade niemand guckte, griff er schnell in den Blumentopf, in dem er gestern Abend das Amulett versteckt hatte. Es war noch da! Es war nur eine kleine Beute, aber zumindest sollte es für einige Tage Essen und Trinken ausreichen. Er ließ das Schmuckstück unauffällig in einer Tasche verschwinden und ging zur Theke.

Der Wirt guckte ihn etwas irritiert an, als er nur ein Glas Wasser bestellte, dies war er von dem Rumtreiber nicht gewohnt. Aber Lurak war nach dieser anstrengenden Nacht und so früh am Morgen noch nicht nach Alkohol. Außerdem wollte er nicht vor Chantal als Säufer dastehen und schließlich wollten sie sich ja noch die alte Schneiderei ansehen, da war es sicherlich besser, einen klaren Kopf zu haben. Dankend nahm er den Krug mit Wasser entgegen und setzte sich in eine Ecke an einen Tisch, von dem er die ganze Gaststätte gut überblicken konnte.
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#3

Meister Ciaran

Scharfrichter von Aron
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Ciaran betrat den Schankraum und mied den Blick zum Kaminzimmer. Darin war zu viel geschehen und noch waren diese Ereignisse zu frisch um unbeschwert darüber nachdenken zu können.
„Bring mir bitte für vier Personen Frühstück“, sagte er müde. Anstatt des üblichen Bieres den Muntermacher und etwas Obst, ja?“ Die Magd nickte und wollte schon gehen als Ciaran sie am Ärmel festhielt. „Bitte bring mir gleich einen Orkschnaps, ja?“ Während die Magd wieder davoneilte, schlug Ciaran sein kleines Büchlein auf und begann damit die Rechnung für seine Tätigkeit zu schreiben.
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#4

Miray

Straßenmädchen
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Als die schwere Holztür mit einem dumpfen Geräusch hinter Miray zu viel, drehte sie sich ruckartig danach um. Einerseits hatte das Geräusch sie erschreckt, andererseits sah sie ihren letzten Ausweg gerade schließen. Sie zwang sich, tief durch zu atmen. Was sollte schon passieren? Welches Verbrechen könnte man ihr andichten? Immerhin hatte sie die junge Fremde und Veil als Zeugen. Keinen von beiden schätzte sie ein, dass sie deren Worte fürchten müsse. Auch wenn sie sich nicht sicher war, wie die Beiden wohl reagieren würden, wenn ihr eigenes Leben in Gefahr war.

Es war das erste Mal, dass Miray ein öffentliches Gebäude, welches offensichtlich für zahlende Kunden gedacht und im Vergleich zu Mirays üblichen Aufenthaltsorten puren Luxus ausstrahlte, betrat. Auf den Weg hier her hatte sie sich noch eilig über das Gesicht gewischt um möglichen Dreck fort zu bekommen und die Haare mit den Fingern gekämmt und geordnet. Immerhin trug sie gerade ihre beste Kleidung, da sie heute eigentlich auf den Markt hatte gehen wollen. Und wenn sie schon die Chance hatte, musste sie einfach die ein oder andere Brotkante mitnehmen.

Misstrauisch machte sie eher der Anlass dieser Einladung.
Ein Mensch der einfach so Fremde anspricht und einlädt? Vielleicht erhofft er sich etwas von der Blonden und will einen guten Eindruck machen..., grübelte Miray und warf dem Mädchen einen Blick zu. Sie lächelte ihr zu und gönnte ihr von Herzen, dass sie angenehme Aufmerksamkeit des männlichen Geschlechts erregte. Miray empfand sich selbst nicht als hässlich und der ein oder andere Bursche in ihrem Viertel hatte ihr da auch schon zugestimmt, aber nein, sie andere Sorgen als Männer.
Miray entdeckte den Mann an einem Tisch und betrachtete ihn grübelnd und wachsam. Sie war selten Menschen außerhalb der Ruinen begegnet, die ihr freundlich zugetan waren. Als Kind hatte sie sogar eine zeitlang geglaubt, dass die Menschen im restlichem Aron alle von bösen Geistern besessen waren und gar nicht anders als böse, gierig und brutal sein konnten. Mittlerweile kannte sie natürlich auch genügend Menschen in der Weststadt die so waren, aber weniger als in den anderen Stadtteilen.
"Ich heiße übrigens Miray", erklärte sie beiläufig, während sie auf den Tisch zu gingen.
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#5

Aenlin Violare

Herumstreunerin
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Auf meiner Reise hatte ich viele Gasträume und Schanken gesehen, einige waren schöner, andere weniger schön als der Schankraum des Gasthauses zum Drachen, doch ich nahm alles ganz anders war als auf meiner Durchreise, schließlich sollte das hier meine Heimat werden. Ich ließ mir einen Moment Zeit alles auf mich wirken zu lassen, sah dabei sicherlich aus wie Veil, als er mein Pferd so andächtig streichelte. Ich mochte den Geruch, ähnlich wie in den meisten Gasträumen, nach Schweiß, aus der Küche her vor allem nach Bratenfett, doch auch andere Gerüche aus der Küche mischten sich unter, es roch nach Alkohol, aber auch nach Holz. Es war schon etwas los in den engen Räumlichkeiten. Es wurde geredet, klimperte und klapperte, ich mochte diese Geräusche der Hektik, , erinnerten sie mich irgendwie an die großen Feste die meine Mutter ausrichtete. Viele Leute, viel Trubel und immer meine Liebsten um mich herum. 

Wenn ich mich jetzt umsah, dann hatten wir Veil, den ich nicht einordnen konnte, machte er doch eher den Eindruck als würde er alles durch Kinderaugen sehen, so war er doch schnell daran seine Waffen zu zücken, als ich im Stall dazu kam. Nein, ich fand keine passende Schublade für ihn. Ein wenig seitlich von mir stand die andere junge Frau, bei der es mir sofort leicht fiel, sie als freundlich zu kategorisieren, jetzt wo sie keine Schatten hatte, die sie versteckten, konnte man ihr schönes Gesicht sehen. Ich erwiderte ihr freundliches Lächeln "Aenlin", antwortete ich ihr und warf dabei auch Viel einen Blick zu. Dann suchte ich nach dem Herrn der uns die Einladung ausgesprochen hatte, wunderte mich noch darüber warum er das getan hatte, aber ignorierte die aufkeimende Skepsis. Vielleicht war er einfach nur einsam und freute sich über einen so bunt gemischten Menschenhaufen als Gesellschaft? Ich versuchte eine möglichst neutrale Geste aufzusetzen und folgte Maria zu seinem Tisch.
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#6

Lurak Garson

Tagedieb
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Während er so da saß und etwas Wasser trank, füllte sich das Gasthaus langsam. Die meisten Besucher kannte Lurak zumindest vom sehen, einige auch nicht, aber die, auf die er wartete, war nicht dabei. Chantal schien nach der anstrengenden Nacht viel Schlaf zu benötigen. Naja, er würde sich die Zeit schon vertreiben und den Leuten zusehen und vielleicht auch die eine oder andere interessante Neuigkeit aufschnappen.

Soeben kam ein Mann hinein, den zwar alle kannten, von dem die meisten im Gegensatz zu Lurak jedoch nicht wussten, womit er sein Geld verdiente. Es war Meister Ciaran, der Scharfrichter von Aron. Eigentlich kein ungewöhnlicher Anblick, auch er verschmähte die guten Weine des Gasthauses nicht. Ungewöhnlich waren jedoch die beiden jungen Frauen, die kurze Zeit nach ihm das Zimmer betraten und sich zu ihm an den Tisch setzten. Das blonde Mädchen kannte Lurak nicht, die andere jedoch um so besser: Es war Miray, die wie er schon lange im Westviertel der Stadt lebte. Sie war da so etwas wie eine Ersatzmutter für die ganzen herumstreunenden Jugendlichen. Sie war ganz in Ordnung, aber nicht Luraks Typ, dafür war sie ihm doch etwas zu ungepflegt, obwohl sie sich Mühe gab, nicht wie ein Gossenmädchen auszusehen. Aber sie gehörte zu den Leuten im Viertel, die viele Verbindungen hatte und üblicherweise gut informiert war, daher wollte es sich Lurak nicht mit ihr verscherzen. Er nickte der jungen Frau grüßend zu als sich ihre Blicke trafen. Was wollte sie hier? Der Drachen gehörte nicht zu den Orten, wo man sie für gewöhnlich antraf. Eigentlich traf man niemanden wie sie hier sonst an. Und was hatte sie mit Meister Ciaran zu tun? Lurak beschloss, Augen und Ohren offen zu halten.
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#7

Meister Ciaran

Scharfrichter von Aron
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Der Scharfrichter Arons blickte von seinem Rechnungsbuch auf und sah vor sich die beiden Frauen stehen. Gewissenhaft schlug er einen Lappen um den kleinen Kohlestift, legte ihn in das Büchlein und schlug es zu. Dann erhob sich Meister Ciaran und machte eine einladende Geste. „Bitte, setzt euch doch“, sagte er leise und ein Anflug von Müdigkeit lag in seiner Stimme.
In diesem Moment erschien die Magd mit ihrem Tablett. Brot, Speck, ein Ring Dauerwurst und eine irdene Karaffe mit dampfendem Kräutertee  standen darauf. Sorgsam platzierte sie alles auf dem Tisch und lächelte als der Mann das kleine Gläschen an sich nahm.
Kommentarlos kippte der Scharfrichter den Orkschnaps hinunter und genoss das leichte brennen in seiner Kehle. Normalerweise mied er stärkere Alkoholika, doch nach dieser Nacht war es bitter nötig. Und sei es nur als symbolischen Abschluss.
Als die Magd fertig mit dem auftischen war, stand das kleine Gläschen bereits wieder auf ihrem Tablett. „Den Rest bringe ich auch gleich“, sagte sie mit fröhlicher Stimme. Doch anstatt gleich zurück zum Tresen zu gehen, beugte sie sich zu Ciaran. „Jorans Verletzung hat sich entzunden“, sagte sie leise.

Der Scharfrichter nickte. Nur zu gut erinnerte er sich an die kalte Nacht in der sie mit ihrem Mann und den zwei Kindern vor seiner Tür gestanden waren. Beide Knaben hatten tiefe Schnittwunden. Joran an der rechten Schulter und Miro an der Wade. Die Beiden hatten mit den Waffen ihres Vaters gespielt. In ihrer kindlichen Naivität die Gefahren übersehen. „Und bei Miro?“, hakte er nach und die Magd winkte ab. „Bei ihm verheilt alles bestens. Die Narbe ist weich und nässt nicht.“ Ciaran überlegte kurz und nickte dann. „Geh mit deinen Kindern zum Magierturm, oder zu einem Heiler. Ich mag zwar über einiges Wissen verfügen, doch wenn die Wunde brandig wird miss der Arm amputiert werden.“ Ciaran hatte leise gesprochen und doch wirkte die Magd so als hätte er sie angeschrien. Sanft packte er sie an der Schulter. „Zögere nicht!“, mahnte er eindringlich. „Sag den Magiern das ich dich geschickt habe und mir nur noch die Säge bleibt.“ Er hielt inne und seufzte dann. „Bring deine Söhne heute Abend zu mir. Wir gehen dann zusammen zum Magierturm.“
Dieser Vorschlag fand anscheinend ihre Zustimmung, denn sie nickte und lächelte den Scharfrichter dankbar an. Dann entschwand sie wieder zum Tresen.

„Jetzt setzt euch doch endlich“, sagte der Mann. „Ich gehöre schließlich nicht zum Adel.“ Nach dieser Bemerkung grinste er und setzte sich nun wieder auf seinen Stuhl. „Wo ist eigentlich euer Freund? Hat er keinen Hunger?“
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#8

Miray

Straßenmädchen
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Miray erkannte Lurak Garson erst auf dem zweiten Blick. Das lag vermutlich daran, dass seine Anwesenheit für sie sehr überraschend kam. Sie hätte nicht damit gerechnet hier im Gast aus auf ein bekanntes Gesicht zu stoßen. Aber andererseits wirkte es auf sie, als würde seine Erscheinung gut zu dem Gebäude passen. Oder immerhin besser als ihre eigene. Seinen Gruß erwiderte Miray fast schon automatisch, ihr Blick ruhte aber noch einen kurzen Augenblick lang auf ihm, ehe sie sich abwandte und die Aufforderung des Mannes am Tisch nachging.

Miray hatte das Gespräch zwischen ihm und der Magd kaum verfolgen können, da Luraks Anblick hier Aufmerksamkeit kurzzeitig gefesselt hatte. Jetzt aber, nachdem sie sich gesetzt hatte, blickte sie der Frau hinterher und runzelte die Stirn.
Verletzung? Magier?, grübelte sie kurz.
Über seinen Scherz konnte Miray nur müde den Mund verziehen. Selbst wenn ein Angehöriger des Adels vor ihr stehen würde, vermutlich würde sie das nicht einmal erkennen. Sie hatte andere Maßstäbe was Geld anginge. In der Weststadt konnte man gut behaupten, dass Miray eine der reicheren Leute war, immerhin hatte sie eine der Ruinen, verhältnismäßig robuste Kleidung und konnte auch regelmäßig Essen auftreiben. Das sie diese Reichtümer teilte, konnte so mancher Bewohner der Ruinen nicht nachvollziehen und bezeichneten Miray als eine Närrin.
"Ich weiß nicht wo Veil hin ist", beantwortete Miray murmelnd seine Frage: "Und Aenlin hat vergessen ihrem Pferd Wasser zu geben."
Das lief alles nicht so wie sie es sich vorgestellt hatte. Ganz alleine einem Fremden gegenüber zu sitzen war nicht der Plan gewesen. Fremde ließen Miray misstrauisch werden. Nach einem kurzen zögern sagte sie: "Tschuldigung... aber ich schaue lieber nach, wo Veil ist. Vielleicht braucht er Hilfe."
Ohne auf eine Antwort zu warten, sprang Miray von der Bank auf und lief mit schnellen Schritten aus dem Schrankraum hinaus. Aber nicht in den Stall, stattdessen machte sie sich möglichst unauffällig und eilig auf den Weg zurück zum Westviertel.
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#9

Lurak Garson

Tagedieb
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Mittlerweile war der Tag schon sehr weit fortgeschritten, aber von Chantal war immer noch nichts zu sehen. Dafür sah Lurak häufiger den Wirt und dessen grummeligen Gesichtsausdruck. Kein Wunder, er saß hier seit Stunden und nippte von Zeit zu Zeit an seinem Wasser. Zuerst trank er nur Wasser, weil er nüchtern bleiben wollte, aber die Mengen, die er seit dem Mittag schon getrunken hatte, hätte er auch nicht bezahlen können, wäre es Wein oder Bier gewesen. Trotzdem war es zu wenig, um dem Wirt einen wirklichen Reichtum zu bescheren, dementsprechend war er langsam etwas sauer.

Lurak stand auf und ging zu dem Zimmer der jungen Frau, aber auch auf ein mehrfaches Klopfen wurde ihm nicht geöffnet. Aber der Gast aus dem Nebenzimmer schaute aus seiner Tür hervor und grüßte Lurak. „Suchst wohl die Kleine aus dem Zimmer, was? Die hat gestern nach dem Überfall ihre Sachen zusammen gesucht und das Gasthaus verlassen. Naja, wer will schon in einem Zimmer schlafen, in dem gerade noch einige Leichen lagen? Das ist nichts für so junge Frauenzimmer!“ Das wäre auch nichts für Lurak gewesen, da konnte er das Mädchen gut verstehen. Aber wenn man selbst nicht dabei gewesen war, redete es sich ganz anders darüber.

Wieder zurück im Schankraum erkundigte er sich bei dem Wirt nach dem verbleib seiner neuen Bekanntschaft, aber auch dieser wusste nur, dass sie gezahlt und das Haus mit ihren Sachen verlassen hatte. Luraks Stimmung schwankte zwischen Ärger, Besorgnis und Enttäuschung. Warum hat sie sich nicht bei ihm gemeldet? Er verschwendete hier seinen ganzen Tag, um auf sie zu warten und sie kam einfach nicht! Oder war ihr womöglich etwas passiert? Wahrscheinlich wollte sie einfach von dem Trottel von dem Gauklerfest nichts mehr wissen. Frauen halt! Erst machen sie einem schöne Augen, dann sind sie plötzlich weg! Wenn es wenigstens nicht nur bei den schönen Augen geblieben wäre! Er raffte seine Sachen und verließ die Schenke in Richtung Westviertel – nun war er mindestens ebenso grummelig wie der Wirt des Drachen.
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#10

Gabriel von Gond

Hauptmann der Stadtwache / General Gonds
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Sabina

Legat der dreiundzwanzigsten Legion
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Als die beiden den Schankraum betraten zogen sie unweigerlich alle Aufmerksamkeit auf sich. Einmal war dort ihr Hauptmann. Doch dieser war mit der Rüstung eines gondschen Generals bekleidet und strahlte eine Aura von Autorität, Selbstsicherheit und Machtbewusstsein aus. Er passte nicht hierher. Doch die Frau neben ihm war augenscheinlich das genaue Gegenteil des Generals. Klein, zierlich und zurückhaltend. Ihre Kleidung verriet das auch sie aus Gond stammte.

Na, ich glaube die haben etwas worüber sie sich später ihre Mäuler zerreißen können, dachte sich Gabriel und bat Sabina sich an einen der Tische zu setzen. Er selbst ging direkt an den Thresen. „Grüße“, sagte er kurz angebunden und fixierte den Wirt mit seinem Blick. „Bitte einmal die Forelle in Salbei für meine Begleiterin und für mich bitte das Wildschwein in gelben Pfeffer. Als Getränke hätten wir gern grünen Tee.“ Als der Wirt nickte, löste Gabriel seinen Geldbeutel von der vorderseite seines Gürtels und legte dem Wirt zwölf Kupferstücke hin. „Außerdem möchte ich eine Geschichte von dir hören“, sagte er leise und befestigte den Geldbeutel wieder am Gürtel. „Die Geschichte trägt den Titel: Der gestrige Abend. Was ist hier passiert?“

Sabina sah Gabriel nach wie er direkt zum Tresen ging und dort mit dem Wirt ein Gespräch begann. Sie zweifelte nicht daran das ihr das von Gabriel ausgesuchte Gericht nicht schmecken würde. Und doch war es ihr nicht recht das er allein zum Wirt gegangen war.
Bestimmt fragt er ihn nun wegen gestern aus, dachte sie beinahe trotzig und setzte sich an den von Gabriel ausgesuchten Tisch. Dann ließ sie den Blick schweifen und versank selbst in Erinnerungen. Im Geiste ließ sie die Ereignisse noch einmal Revue passieren und suchte selbst nach Dingen die sie falsch gemacht hatte. Es waren einige. Zum einen hatte sie nur versucht Gegner mit einem Schlag der Schwertknaufes ins Reich der Träume zu schicken. Warum hatte sie nicht einmal die Kante ihres Schildes genutzt? Sobald sie einen Fehler gefunden hatte, begann sie wieder von vorn. Dann veränderte sie die Aufgabenstellung und suchte unter neuen Voraussetzungen nach Fehlern. Sabina überlegte sogar, ob es in einem solchen Szenario eine allgemein gültige Vorgehensweise gab. Dieses Vorhaben erwies sich jedoch als nicht realisierbar, denn wenn sich die Vorzeichen änderten mussten auch die Strategien angepasst werden.
Als der General sich zu ihr gesellte hatte die junge Frau einige Erkenntnisse gesammelt.
„Der Ausbildungsstandart deiner Wachen ist hoch und dennoch hätten wir die Angreifer in einer wirklich kurzen Zeitspanne Liquidieren können“, sagte sie und griff nach dem Becher den ihr Gabriel hinhielt. „Aron hat diese Verstärkung bitter nötig!“

Gabriel setzte sich und schmunzelte. „Erwartest du hier wirklich die Standards der Legion?“, fragte der Offizier leise und setzte sich. „Ich habe bereits damit begonnen die Ausbildungen anzupassen und die übrigen Wächter zu drillen. Veränderungen brauchen ihre Zeit bis sie Greifen.“ Bedächtig nahm er seinen Helm ab und legte ihn neben sich auf den Tisch. Dann stieß er mit Sabina an und schenkte ihr den Moment.
„Der Wirt hat deine Aussage untermauert“, informierte er sie. „Anscheinend hat Hauptmann Naandarn seine Kompetenzen weit überschritten und kann froh sein nur einen Ehrschaden erlitten zu haben.“ Achtsam platzierte Gabriel den Becher neben seinem Helm und blickte Sabina aus den Augenwinkeln an. „Aber genug davon, was gibt es neues aus der Heimat?“

Gabriel erfuhr das seine Eltern in die Dienste des Senats getreten waren. Konrad als Schreiber und Livia als Näherin. Und anscheinend begann die Oberschicht sich für den Krieg zu begeistern. Der Senat wurde immer mehr von Kriegstreibern bedrängt und die Entsendung der dreiundzwanzigsten Legion war eine folge davon. Gond war noch immer hungrig und die Jahre des Friedens waren wie eine Fastenkur. Schmunzelnd erzählte Sabina, dass Gabriel in Irdenburg als Held verehrt wurde. Er der das schändliche Treiben des Tiberius aufdeckte und von seinem Mentor verstoßen worden war. Das war genau jene Art von Geschichten die in Gond so gern erzählt wurden. Unter den Darstellern waren tragische Geschichten sehr beliebt. Es wäre also durchaus möglich das es bereits ein Theaterstück gab das sich dieser Geschichte annahm.
Und auch das Essen hielt Sabina nicht davon ab Gabriel mit dem unausweichlichen Klatsch der Hauptstadt Gonds zu versorgen. Angeblich hätte der Senator Mirus – er hatte in die Familie der  Koruds eingeheiratet – eine Liaison mit der Frau des Sepurior. Und aus dieser soll ein Kind hervorgegangen sein.
„Ein wahrer Skandal“, meinte Gabriel sarkastisch und eher desinteressiert. „Das muss Gond in eine Kriese gestürzt haben!“ Einige Sekunden blickten die beiden sich schweigend an, dann lachten sie.
Auch den Rest des Essens redeten sie über belangloses.

Die beiden erhoben sich und Gabriel setzte seinen Helm wieder auf. Dann warf er sich seinen Umhang über die Schulter und geleitete Sabina zum Ausgang.

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